Männertraum : Mit der Harley durch Mecklenburg

Der Kult-Film „Easy Rider“ lässt grüßen: Motorradfahrer genießen in Mecklenburg-Vorpommern breite, wenig befahrene Straßen.
Der Kult-Film „Easy Rider“ lässt grüßen: Motorradfahrer genießen in Mecklenburg-Vorpommern breite, wenig befahrene Straßen.

Jan Peters hat sich einen Männertraum erfüllt: Mit dem Motorrad die Schlösser im Norden erkunden. Der Ingenieur hat seine Erlebnisse aufgeschrieben

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31. Juli 2015, 21:00 Uhr

Franz treffe ich im Schlosshotel Ulrichshusen. Er kommt, parkt seine Harley neben meiner Maschine auf dem Parkplatz neben dem Schloss. Franz sieht so aus, wie man sich einen Harley-Biker vorstellt: großflächig tätowierte Arme, schwarzes T-Shirt, Kopfschutz in Form eines Stahlhelms. Er wirkt zum Fürchten – aber nur auf den ersten Blick. Wir reden über Routen und Reifen, Schlösser und Motoren. Uns vereint das Gefühl derer, die in die Magie des Harley-Davidson-Fahrens eingeweiht sind. Franz ist von den Alleen und den Schlössern in Mecklenburg-Vorpommern begeistert. „Den Langstreckenflug und die heißen Pisten auf der Route 66 kann man sich sparen, hier ist es viel schöner“, ist seine Meinung.

Vier Tage lang bin auch ich zum ersten Mal auf einer Harley unterwegs. Modell Road Glide. Auf meinem Motorrad sitze ich wie auf Abrahams Sitzbank, der Harley-Schoß ist breit und bequem, dabei in einer Höhe, die auch einem etwas lang geratenen Fahrer von zwei Metern wie mir festen Boden unter den Füßen garantiert. Schwer sind die Maschinen – mit 330 Kilogramm gehört meine Road Glide mit ihren 1700 ccm und der Vollverkleidung zu einer der schwersten Maschinen. Aber beim Fahren merke ich das nicht. Ich sitze bequem, die Füße auf den Trittbrettern, wie auf dem Sofa. So fahre ich entspannt und unverkrampft, abends bin ich zwar staubig und verschwitzt, fühle mich aber keineswegs gerädert. Ein Hochgefühl überkommt mich bei den herrlichen Alleen in Mecklenburg-Vorpommern, den vielen Seen und der anspruchsvollen Architektur. Zwischenfälle gibt es höchstens beim Absteigen auf unebenem Gelände, da kippt schon mal eine Maschine. Mitfahrer helfen, das Bike wieder aufzurichten. Ich bin einer von fünf Bikern, die zusammen drei Schlosshotels in Mecklenburg-Vorpommern kennen lernen und mehr als 1000 Kilometer durch die Nationalparks cruisen. Wir sind alle scharf auf breite, wenig befahrene Straßen. Mal führen die schnurstracks geradeaus, mal kann man in Kurven schwelgen. Ich mag das Bullern des Motors unter mir und das herzhafte Rumpeln beim Schalten. Ich gebe mich dem Traum der grenzenlosen Weite und Freiheit hin, genieße die Sonne und die Seenlandschaft. Über kleine, wenig befahrene Nebenstrecken folgen wir dem Seeufer. Weit reicht die Sicht über die sanft gewellte Landschaft. Immer wieder fällt der Blick auf die glitzernde Wasserfläche rechts von uns, links strahlen die gelb blühenden Rapsfelder um die Wette. Ich gestehe, auch ich lasse hin und wieder jeden wissen, wie viele Dezibel mein Motor zu bieten hat. „Easy Rider“ lässt grüßen.

Als wir das erste Quartier Schloss Ulrichshusen anfahren, können wir unsere Begeisterung kaum bändigen. Ulrichshusen, das ist die Geschichte der Familie von Maltzan. Bernd-Ludolph von Maltzan, Wallensteins Quartiermeister, baute das Schloss in nur zwei Jahren 1624-26 auf. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges sieht Ulrichshusen in schwedischer Hand. Immer geht es hoch her. Es sind die politischen und wirtschaftlichen Strömungen, die auch das Schicksal von Ulrichshusen bestimmen. 1945 Flucht und Vertreibung. Danach das Chaos. Erst Zufluchtsort für Flüchtlinge, dann Tanz- und Vergnügungsstätte, später ein „Konsum“ zu DDR-Zeiten. 1987 brennt Ulrichshusen bis auf die Grundmauern nieder. Das ist die Situation, die Helmuth und Alla von Maltzan mit ihren Töchtern vorfinden, als sie sich 1993 entschließen, Ulrichshusen zu kaufen und den Wiederaufbau zu beginnen. Tatkraft und Vision werden belohnt. Ulrichshusen erstrahlt 2001 wieder in altem Glanz. Als Hotel, als musikalisches Zentrum der Festspiele Mecklenburg-Vorpommerns und als attraktiver Anziehungspunkt.

Die gut gepflegten Maschinen stammen aus dem Stall der Harley-Davidson Vertretung in Rostock (siehe Info-Box). Um Route, Tank- und Imbissrast, Technik-Check und Gepäcktransport kümmern sich die drei Profis: Ulrike mit dem schwarzen Zopf, Tourguide Pitt und Micha, der das Unternehmen in den neunziger Jahren in Rostock gründete, haben alles im Griff. Bei all der Harley-Seligkeit behalte ich die grandiose Natur im Blick. Neustrelitz inmitten der Seenplatte mit dem Schlossgarten und der Schlosskirche sind eine Reise wert. Dann knattern wir zum Seeschloss Schorssow. Im Garten bleiben die Maschinen stehen, jetzt ist ein Bier erlaubt. Die ehemalige Gutsherrschaft Schorssow liegt an der Westseite des Malchiner Sees, in der Nachbarschaft der Güter Bristow und Bülow. Auf Schloss Schorssow war vom 14. bis zum 16. Jahrhundert auch die Familie Maltzan ansässig. Inmitten eines englischen Landschaftsparks und am idyllischen See am Schloss gelegen, präsentiert sich das stilvolle Gebäude mit seiner tollen Lage. 1995 hat die Gemeinde das Schloss an Alfred Rüßel verkauft. Ein liebevoll restaurierter klassizistischer Dreiflügelbau, der seine heutige Gestalt erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt. Nach einer aufwendigen Originalrekonstruktion öffnete im März 1997 das romantische Hotel seine Türen.

Am nächsten Tag hat es um zwölf Uhr schon fast 30 Grad Celsius. Zwischen den Alleen liegen immer wieder die Seen, die zum Baden einladen. Wir haben dafür aber keine Zeit: Auf den Bundesstraßen geht es zu unserem nächsten Ziel, das Schlossgut Dreiwasser. Dieses ist gemütlich eingebettet durch Wald und Wiesen im idyllischen Norden Mecklenburgs in Keuchen bei Schwerin. Zwischen drei malerischen Seen thront das Gutshaus auf dem alten slawischen Burgwall am Ende des Dorfes. Das im 18. Jahrhundert erbaute Gutshaus gehörte früher dem Adelsgeschlecht derer von Stralendorff. Seit Anfang der Neunzigerjahre befindet sich das Anwesen im Privatbesitz und wurde aufwändig saniert. Jörg Broscheit und Antje Zschwerpe bieten ihren Gästen Ruhe, Erholung und eine Auszeit in der Natur. Das Schlossgut Dreiwasser hält dafür sieben Appartments mit eigener Küche vor. Hier kann man abschalten und sich auf die wesentlichen Dinge des Lebens besinnen. Die Eigentümer des Schlosshotels verbringen die Freizeit gern mit ihren Gästen, wie etwa bei einem Angelausflug, gemeinsamem Kochen oder bei netten Gesprächen.

Am nächsten Tag geht es zurück nach Rostock. Nach 1000 Kilometern verabschiede ich mich von den anderen wehmütig nach Biker-Manier. „Drive safe“, lautet die Formel, die stilechte Entgegnung: „Möge das glänzende Chrom immer nach oben zeigen, die schwarzen Reifen auf der Straße haften.“

Adressen für Biker

> Harley-Davidson Vermietung Rostock GmbH, Grubenstr./Molkenstr. 1, 18055 Rostock, Tel. 0381-375 664 0; E-Mail info@harley-davidson-rostock.de; www.harley-davidson-rostock.de

> Schloss & Gut Ulrichshusen, Seestraße 14, 17194 Ulrichshusen, Tel. 03 99 53 - 79 00, Fax 03 99 53 - 790 99, E-Mail info@ulrichshusen.de, www.ulrichshusen.de

> Seeschloss Schorssow, Am Haussee 3, 17166 Schorssow, Tel. 039933-79-0, Fax 039933 - 79-100, E-Mail rezeption@schloss-schorssow.de

> Schlossgut Dreiwasser, Jörg Broscheit & Antje Zscherpe, Am Heiden-See 1, 19412 Golchen, Tel. 03 84 83 - 299 345, E-Mail info@schlossgut-dreiwasser.de

> Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.,

Tel. 0381 - 403 05 00, www.auf-nach-mv.de.

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