Preisträgerin in Residence Veronika Eberle : „Mit der Geige Geschichten erzählen"

Veronika Eberle wird als Preisträgerin in Residence die Festspiele MV 2012 prägen. Foto: Festspiele MV
Veronika Eberle wird als Preisträgerin in Residence die Festspiele MV 2012 prägen. Foto: Festspiele MV

Mit einem Konzert der NDR-Radiophilharmonie Hannover in der St.-Georgen-Kirche von Wismar beginnen heute die Festspiele MV. In Kirchen, Gutshäusern, Scheunen, Klöstern, Schlössern und Parks sind 125 Konzerte geplant.

svz.de von
08. Juni 2012, 08:26 Uhr

Wismar | Mit einem Konzert der NDR-Radiophilharmonie Hannover in der St.-Georgen-Kirche von Wismar beginnen heute die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. In Kirchen, Gutshäusern, Scheunen, Klöstern, Schlössern und Parks sind bis zum 9. September 125 Konzerte geplant.

Zu den Solisten zählen international gefeierte Stars wie die Sängerin Anne Sofie von Otter und die Geiger Daniel Hope und Julia Fischer. Als Preisträgerin in Residence ist die 23-jährige Violinistin Veronika Eberle gleich 14 Mal zu erleben. Die Musikerin spielt weltweit mit den berühmtesten Orchestern. Anette Pröber sprach mit der Musikerin.

Mit 15 Jahren haben Sie das erste Mal das Publikum bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern verzaubert. Können Sie sich noch an dieses Konzert erinnern?

Ich spielte auf Schloss Granitz. Es war eine tolle Konzertatmosphäre und ich vergesse nicht, wie herzlich ich aufgenommen wurde. Im Gedächtnis sind mir auch die schöne Landschaft geblieben und das morgendliche Bad in der Ostsee. Alles zusammen macht den Zauber der Festspiele aus. Seit dem Jahr 2004 habe ich keinen Festspielesommer versäumt.

Ist die Festspiele-Reihe "Junge Elite" für junge Künstler attraktiv?

Aber sicher, diese Reihe ist eine große Herausforderung und zugleich Chance. Es wird ein Grundstein gelegt für eine tiefere Beziehung mit den Festspielen MV. Als Preisträger wird man dann in den folgenden Jahren oft für Konzerte mit namhaften Orchestern eingeladen. Außerdem lernt man bei kammermusikalischen Projekten gleichaltrige Freunde kennen, mit denen man sein Leben lang musikalisch verbunden sein wird. Ich bin immer wieder gern nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen, weil ich unterschiedlichste Projekte umsetzen und auch meine eigenen kreativen Ideen einbringen konnte.

Sie sind erst 23, gelten als eine der talentiertesten deutschen Geigerinnen, stehen mit namhaften Orchestern auf den bedeutendsten Bühnen. Was wollen Sie noch erreichen?

Jedes Musikstück hat eine Seele, die es zu entdecken gilt. Mit den eigenen Erfahrungen verändert sich oft die Sicht auf das Stück. Ich möchte mit meiner Geige Geschichten erzählen, die die Zuhörer berühren. Die Musik eröffnet eine große, weite Welt.

In diesem Sommer prägen Sie als Preisträgerin in Residence die Festspiele und gestalten 14 Konzerte. Gibt es etwas, auf das Sie sich besonders freuen?

Es fällt mir schwer, etwas herauszuheben, da alle Projekte sehr spannend sind. Natürlich sind die Konzerte, in denen ich als Solistin auftreten werde, sehr reizvoll. Ob nun Dvoráks Violinkonzert mit der Dresdner Philharmonie oder das Violinkonzert op. 47 von Sibelius mit dem Helsinki Philharmonic Orchestra. Wer mich kennt, weiß, dass ich die Musik von Schostakowitsch besonders schätze. Deshalb freue ich mich auch auf Schostakowitschs 1. Violinkonzert, das ich mit dem NDR Sinfonieorchester unter Krysztof Urbanski in Ulrichshusen spiele. Auch auf die Zusammenarbeit mit Andris Nelsons und dem City of Birmingham Symphonie Orchester freue ich mich riesig.

Ein besonderer Höhepunkt sind für mich auch die Kammermusikprojekte. So werde ich ein Rezital mit dem Pianisten Lars Vogt spielen. Zum Friends-Projekt bringe ich viele gute Freunde mit. Mit dem Münchner Kammerorchester unter Christoph Poppen werde ich verschiedenste Konzerte aufführen. Mit von der Partie sind der Cellist Julian Steckel, der Pianist Francesco Piemontesi und der Bratscher Antoine Tamestit.

Ihr Sommerprogramm bei den Festspielen ist sehr dicht. Bleibt da noch Zeit für andere Festivals?

Den größten Teil des Sommers habe ich mir für die Festspiele MV freigehalten. Das ist seit zwei Jahren so geplant und ich freue mich sehr darauf. Im Frühjahr bin ich u. a. in Japan und im Herbst dann in den USA unterwegs.

Und wie steht es um Muße und Hobbys?

Ich spiele etwa 60 Konzerte in einer Saison. Das ist eine Zahl, die optimal für mich ist, um einerseits voll im Konzertleben zu stehen und andererseits noch Zeit nebenher zu haben, um neues Repertoire zu lernen und Hobbys nachzugehen. Das finde ich wichtig, um frisch und kreativ zu bleiben. Man darf als Künstler nicht abstumpfen. Deshalb beschäftige ich mich mit Literatur und Fotografie. Das bietet sich bei meinen Reisen an. Ich laufe durch die Städte und fotografiere. Dabei versuche ich, Stimmungen einzufangen und ganz besondere Momente zu entdecken.


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