Fangemeinde aus Vellahn : Mit dem Trabbi durch den Alltag

Alle rücken zum privaten Treffen am Wochenende standesgemäß an.
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Alle rücken zum privaten Treffen am Wochenende standesgemäß an.

Ein bisschen verrückt sind sie schon. Das wissen die Trabbi-Freunde aus Vellahn. Doch ihre Fangemeinschaft wächst stetig. Das bestätigt die 35 Mitglieder der Interessengemeinschaft „Trabant und IFA-Freunde Kreis Hagenow".

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16. Juli 2012, 10:47 Uhr

Vellahn | Ein bisschen verrückt sind sie schon. Das wissen die Trabbi-Freunde aus Vellahn. Doch ihre Fangemeinschaft wächst stetig. Das bestätigt die 35 Mitglieder der Interessengemeinschaft "Trabant und IFA-Freunde Kreis Hagenow". Auf ihrem Wochenend-Treffen in privater Runde mit Oldtimer-Schau auf dem Hinterhof, Partyzelt und Live-Musik plaudern sie ganz offen über ihre Leidenschaft zum DDR-Gefährt.

Das Knattern der Zweitakter, ihr Geruch, gestrickte Klopapier-Halter und der Wackeldackel auf der Rückbank - "Ostalgie wird immer beliebter", sagt Harry Ehrich, der froh über diesen Trend ist. "Wir sind ja damit groß geworden. Das gehört zu unserer Heimat." 20 000 Kilometer fährt er im Jahr - mit vier zugelassenen Trabanten. Insgesamt nennt er 14 sein Eigen; darunter auch Zweiräder und ein Wartburg. Untergestellt in Scheunen, Werkstätten und Garagen, wie bei den meisten seiner Mitstreiter.

Damit ist klar: "In Vellahn schaut sich niemand mehr nach einem Trabant um", sagt Andreas Krakow. "Der gehört hier schon zum Alltag." Der Tessiner kam vor drei Jahren zusammen mit einem Freund auf die Idee, mehr aus dem Hobby zu machen. Und schnell kamen viele Anhänger dazu. Bis zur Tschechischen Grenze sind die Trabbi-Fans gefahren, um sich ihr Kult-Gefährt zu holen. "Und Teile gibt es genug zum Basteln", so Harry Ehrich. Anzeigen, Internet, Teilemärkte - das Geschäft boomt. Mittlerweile muss man dafür sogar tief in die Tasche greifen. "Aber das leistet man sich dann schon, wenn man etwas haben will", sagt der Vellahner.

Nach und nach trudeln immer mehr Oldtimer-Freunde mit ihren knatternden Pappen auf seinem Hinterhof ein. Ein Geräusch, das Harry Ehrich liebt. So sehr, dass "es schnell fehlt, wenn ich mal ’ne Weile keinen Trabbi fahre." Jeden Tag geht es damit auf die Straßen. Obwohl er sich damals schon auf die "Westautos" gefreut hat. "Das hielt allerdings nicht lange an." Trotzdem steht heute auch ein Mercedes in seiner Garage.

Der Vorteil der alten Gefährte liegt für ihn auf der Hand: "Man kann alles selbst reparieren", plädiert er für die einfache Technik der Zweitakter. Und dass die mitunter ordentlich etwas unter der Haube haben, überrasche viele Autofahrer auf den Straßen. Mit 140 Kilometern pro Stunde über den Asphalt - "da staunt schon so mancher, wie schnell wir doch sein können."

Genau dieses Feeling wollen immer mehr Menschen nachempfinden. Ob für Hochzeiten, Touren an der Ostsee oder einen Tagesausflug - die alten Autos der ehemaligen DDR sind beliebt und werden oft gebucht. Wer auch einmal Trabbi-Luft schnuppern möchte, kann sich gern bei der Gemeinschaft melden.

Sie selbst sind häufig in ganz Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Auf privaten Touren, zu Oldtimer-Treffen und -Wettbewerben oder nach Schildfeld ins DDR-Museum. Als Nächstes geht es im August wieder nach Hagenow.


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