Schwerin : Mit dem Smartphone ins Schulden-Dilemma

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Der Fachkräftemangel macht sich auch bei den Schuldnerberatungsstellen bemerkbar. Es werde immer schwieriger, gut ausgebildete Berater zu finden, sagte der Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft.

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06. Juni 2012, 09:17 Uhr

Schwerin | Nun macht sich der Fachkräftemangel auch bei den Schuldnerberatungsstellen bemerkbar. Es werde immer schwieriger, gut ausgebildete Berater zu finden, sagte gestern Andreas Hampel, der der Landesarbeitsgemeinschaft der Schuldnerberater vorsteht. Dabei konnten sich die 26 Beratungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr nicht über mangelnde Kundschaft beklagen.

Hampel forderte die Schweriner Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) deshalb auf, endlich die Gehälter der Schuldnerberater mit mehr Geld aus ihrem Ressort zu unterstützen. Schließlich dürften nach den Förderrichtlinien des Ministeriums die Sozialverbände die Mitarbeiter von Sucht-, Schwangerschafts- und Opferberatungsstellen deutlich besser entlohnen, als es bei den Schulderberatern der Fall sei. Pro Stelle bräuchten die Sozialverbände als Träger der Beratungsstellen jährlich rund 4000 Euro mehr. Derzeit beraten 66 Schulden-Experten in ganz Mecklenburg-Vorpommern Menschen, die selbst- oder unverschuldet in schwere finanzielle Schieflagen geraten sind. Vor zehn Jahren waren es noch 81 Berater.

Besonders viel Arbeit hatten die Schuldnerberater im vergangenen Jahr durch die Einführung des so genannten Pfändungsschutzkontos. Jeder kann mit seiner Bank vereinbaren, dass sein Konto als ein solches geführt wird. Dann muss die Bank sicherstellen, dass 1028 Euro darauf bleiben, falls Gläubiger direkt vom Konto Geld pfänden lassen wollen.

Wer sich bei den Beratern meldet, "kommt meistens schon zu spät", sagte Hampel. Im Durchschnitt haben die Verschuldeten 24 000 Euro Schulden bei etwa zehn unterschiedlichen Gläubigern. Der Weg zum Schuldenberater fällt den meisten schwer. Oft haben sie bereits selbst versucht, mit ihrer Bank oder mit den Gläubigern direkt einen Ausweg aus der finanziellen Falle zu finden. In fast jedem zweiten Fall haben Arbeitslosigkeit, eine Scheidung oder eine Krankheit die Ratsuchenden in die Schulden gestürzt. Immer häufiger aber haben Schuldner auch beim Einkaufen im Internet ihre finanziellen Möglichkeiten aus den Augen verloren. Jugendliche verschulden sich, indem sie zu viel mit ihren Handys oder Smartphones telefonieren oder so genannte Apps herunterladen. Mobilfunkanbieter seien jedoch besonders rigide, wenn es darum geht, auf die Begleichung offener Rechnungen zu beharren.

Bevor überschuldete Ratsuchende offiziell eine Verbraucher-Insolvenz bei Gericht anmelden, können sie mit Hilfe der Schulderberater einen Vergleich mit ihren Gläubigern schließen. Nach seinen Erfahrungen bekommen die Gläubiger in solchen Fällen rund 15 Prozent der geschuldeten Summe zurück, so Hampel. 250 Ratsuchenden konnte 2011 auf diese Weise geholfen werden. Geht es vor Gericht, gehen die Gläubiger meist leer aus, weil die Gerichtsgebühren die letzten Groschen der Schuldner kosten.


Was ist eine Privatinsolvenz?

Um überschuldeten Menschen einen Neustart zu ermöglichen, können Betroffene seit 1999 Privat- oder Verbraucherinsolvenzverfahren beim Amtsgericht beantragen. Das erfolgt mithilfe von Anwälten oder Steuerberatern, vor allem aber über die staatlich anerkannten Schuldnerberatungen. Ziel ist es, für die Betroffenen Wege aus der Überschuldung zu finden und eine Befreiung von der Restschuld zu erreichen. Dem Betroffenen bleibt dabei über sechs Jahre nur ein monatlicher Selbstbehalt. Alles darüber hinaus dient zur Begleichung der Schulden. Danach kann die Restschuld erlassen werden.

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