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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 13:37 Uhr

"Mit dem Herzen dabei sein"

vom

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2013 | 09:53 Uhr

Krakow am See | Seit knapp 14 Jahren begleitet Kathrin Quandt Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Täglich kümmert sie sich um alte und kranke Menschen, wäscht und füttert sie. Manchmal hält sie auch nur eine Hand und hört zu. Die 36-Jährige ist Altenpflegerin im Seniorenpflegeheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Krakow am See. Es sei so etwas wie ihr Traumberuf, sagt Quandt. "Trotz der körperlichen und emotionalen Anstrengungen".

Verantwortung für 60 Menschen

Mit 16 schnuppert Quandt zum ersten Mal in den Pflegeberuf, als sie ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Kurz danach macht sie eine Ausbildung zur Krankenschwester in einem Krankenhaus in der Nähe von Hamburg. "Nach dem Abschluss wollte ich wieder zurück in die Pflege - und in meine alte Heimat", erzählt sie. In Krakow lebt fast ihre ganze Familie, auch heute noch.

Obwohl der Wechsel vom Krankenhaus zum Altenheim erst einmal eine große Umstellung gewesen sei, habe sie die Entscheidung bis heute nicht bereut. Es sei ihr wichtig, anderen Menschen zu helfen und ihnen den letzten Lebensabschnitt so angenehm wie möglich zu machen. "Die Bewohner sollen sich nicht allein, sondern geborgen fühlen", sagt Quandt. Als Wohnbereichsleiterin ist sie für 60 Menschen zuständig. "Hier ist mir niemand fremd, alles ist sehr familiär."

40 Stunden arbeitet die 36-Jährige in der Woche. Eingesetzt ist sie in einem Zwei-Schicht-System. Durch einen permanten Wachdienst müssen die Pfleger nur in Ausnahmefällen zum Nachtdienst antreten. "Das ist sehr angenehm", so Quandt. Als sie vor acht Jahren ihren Sohn bekam, wurde es dennoch schwierig, Arbeit und Familie unter einem Hut zu bekommen. "Da hat sich für mich gezeigt, wie wichtig es ist, die Familie in der Nähe zu haben." Heute besucht ihr Sohn sie oft auf der Arbeit, bewegt sich vollkommen frei im Pflegeheim. Darüber freut sich nicht nur Kathrin Quandt. "Den Bewohnern tut es sichtlich gut, wenn Kinder hier sind und mein Sohn hat im Gegensatz zu anderen Kindern keine Scheu vor alten Menschen."

Selbstständigkeit muss bleiben

Die Versorgung der Bewohner betrifft nicht nur das Waschen und Füttern. Auch die Beschäftigung und Aktivierung der alten Menschen ist Aufgabe der Krankenpfleger, genau wie das frühzeitige Erkennen von Krankheiten. "Jeder Bewohner ist anders. Und jedem müssen wir so viel Selbstständigkeit wie möglich lassen", sagt Quandt. Dies sei besonders bei der jetzigen Generation an Bewohnern wichtig. "Die meisten sind in der Nachkriegszeit aufgewachsen und haben Schwierigkeiten, Hilfe anzunehmen. Das merken wir Pfleger ganz stark."

Trotz der hohen körperlichen Anstrengung hofft Quandt, den Beruf noch so lange wie möglich ausüben zu können. In ihrem Betrieb werden dafür in letzter Zeit vermehrt Entspannungskurse oder Rückenschulen für die Mitarbeiter angeboten. "Ich weiß, dass viele Kollegen aus der Branche sich irgendwann überfordert fühlen und aussteigen", sagt Quandt. Dies liege auch an den immer älter werdenden Bewohnern und der damit wachsenden Verantwortung. "Die Menschen, die heutzutage zu uns kommen, sind oft schon stark pflegebedürftig." Ursache sei die erforderliche Pflegestufe, um einen Zuschuss für die Heimfinanzierung zu bekommen. Umso wichtiger sei es auch, Anreize für den Nachwuchs zu schaffen, zum Beispiel mi einer besseren Vergütung. "Am besten ist es, vor der Ausbildung die ersten Erfahrungen im Pflegeberuf zu sammeln. Zum Beispiel mit einem Praktikum", empfiehlt Quandt. Nur so könne man erahnen, was diese Branche alles mit sich bringt und welche Verantwortung Altenpfleger tragen.

Unter ihren Kollegen befinden sich gerade sechs Auszubildende. Ob sie alle genau wie Quandt ihren Traumberuf gefunden haben, bleibt abzuwarten. Die Altenpflegerin hat nur einen Tipp: "Man muss mit dem Herzen dabei sein."

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