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Boxen: Arayk Marutjan und Artem Harutyunyan : Mit breiter Brust zur WM

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Schnelle Schläge, harte Schläge, als Kombination oder einzeln, drei Runden lang, wie im Kampf. "Junge, ist das anstrengend", brüllt der durchgeschüttelte 50-jährige Coach zwischendurch.

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erstellt am 25.Sep.2013 | 10:37 Uhr

Schwerin | "Dreier!" - "Oben!" - "Rechts, links!" - "Die Rechte nicht wieder erst von Armenien holen - ansatzlos schlagen!" Sobald Box-Trainer Michael Timm seine Kommandos gibt, hat er die entsprechenden Schläge von Vize-Europameister Arayk Marutjan auch schon auf seinen Pratzen. Schnelle Schläge, harte Schläge, als Kombination oder einzeln, drei Runden lang, wie im Kampf. "Junge, ist das anstrengend", brüllt der durchgeschüttelte 50-jährige Coach zwischendurch.

Anstrengend natürlich auch für seinen armenisch-stämmigen Musterschüler. Einen 198er Pulsschlag weist der am Ende der drei Runden auf. "Voll in Ordnung", sagt Schwerins Bundesstützpunkttrainer und ergänzt: "Das Wichtige ist, ob sich einer bei dem Puls noch voll belasten kann - und das kann Arayk."

Ein weiteres entscheidendes Kriterium ist die Erholung nach einer Minute, also mit welchem Puls der Boxer nach Ende der Pause in die nächste Runde geht. "Selbst nach der dritten und letzten Runde sollte der Puls binnen einer Minute um 30 Schläge niedriger liegen, wenn der Athlet fit ist", erläutert Michael Timm und verkündet kurz darauf: "Puls 132 - phantastisch!"

Arayk Marutjan, 21 Jahre jung, aber schon dreifacher deutscher Männer-Meister und 2013 Vize-Europameister im Weltergewicht (69 kg), meint grinsend: "Ich bin topfit, die WM kann kommen."

Robert Harutyunyan und Schulz Ersatzstarter

Vom 11. bis 27. Oktober werden die Welttitelkämpfe im kasachischen Almaty, dem früheren Alma Ata, ausgetragen. Neben Marutjan steht aus dem Bundesstützpunkt Schwerin mit dem EM-Dritten und deutschen Meister im Halbweltergewicht (64 kg) Artem Harutyunyan ein zweiter Boxer als WM-Starter fest. Darüber hinaus nehmen als WM-Ersatz Artems Bruder Robert (Leicht/ 60 kg) und Florian Schulz (Superschwer/+91 kg) ab morgen in Hennef an der WM-Vorbereitung der deutschen Nationalstaffel teil.

"Dort werden wir den Feinschliff vornehmen und gegen die ebenfalls in Hennef trainierenden Brasilianer, Engländer, Kanadier, Tschechen, Schweizer, Franzosen und Esten beste Möglichkeiten zum Sparring haben", sagt der Trainer.

Wer bei der WM die härtesten Gegner für Artem und Arayk sein werden, vermag Timm nicht zu sagen. "Alle kenne ich noch nicht. Es wird ja auch erst meine erste WM als Trainer bei den Amateuren sein", sagt der einstige Weltmeistermacher der Profis. "Aber natürlich werden die Kubaner und die Russen wie immer sehr stark sein. Auch die Rumänen, die Mittelamerikaner und die Afrikaner haben immer wieder gute Leute."

Dennoch traut sich sein Duo eine Menge zu. "Auf alle Fälle eine Medaille", umreißt jeder der beiden sein WM-Ziel. "Sie haben beide das Zeug dazu - athletisch und auch boxerisch. Das steht für mich außer Frage", sagt auch Timm.

Überhaupt - quasi durch die Hintertür - den Sprung ins WM-Team zu schaffen, ist die große Hoffnung von Robert Harutyunyan und Florian Schulz. "Robert, der bei den deutschen Meisterschaften böse betrogen wurde, ist ganz dicht dran", sagt Trainer Timm. Aber nicht der deutsche Meister Ahmet Eminovic (Seelze), Nutznießer des genannten Fehlurteils im DM-Viertelfinale, ist der große Widerpart. Der hat sich gerüchteweise kürzlich selbst aus der Sportfördergruppe der Bundeswehr und damit auch aus der Auswahl verabschiedet.

Als Nr. 1 in Sachen WM gilt der Kölner Artur Bril, der Jugend-Olympiasieger von 2010. "Zwischen beiden muss sich das WM-Ticket entscheiden - mit einem Vorteil für Bril als der erklärten Nummer eins", erläutert Timm. "Aber wie gesagt: Robert ist dicht dran."

Noch schwieriger ist die Lage für Florian Schulz. Der Dritte der U19-WM, wurde, obwohl er bei der DM wegen einer Angina fehlte, als WM-Ersatz nominiert. Mit Erik Pfeifer (Lohne) hat Deutschlands wohl größtes Talent in dieser Gewichtsklasse aber keinen Geringeren als den WM-Dritten von 2011 vor sich.

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