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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 10:41 Uhr

Mit Blaulicht zum Freiwilligendienst

vom

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2012 | 09:08 Uhr

Parchim | Es ist kurz vor 7 Uhr am Morgen. Rene Grove beginnt seinen Dienst auf dem Notarztfahrzeug in Plau am See. Besprechung mit dem Kollegen der Nachtschicht, Überprüfung des Wagens, Kontrolle der Ausrüstung - jetzt noch schnell einen Kaffee zum Wachwerden. Doch der muss warten. Während das Wasser noch im Kocher brodelt, gibt der Rufmelder schon den ersten Alarm des Tages durch. Eine Frau mit Kreislaufproblemen. Ein Rettungswagen ist bereits vor Ort.

Jetzt bleibt nicht viel Zeit. Rene Grove ist hellwach - auch ohne Kaffee. Er sammelt den Arzt aus dem Plauer Krankenhaus am vereinbarten Treffpunkt ein und braust mit Blaulicht zum Einsatzort. Nur sechs Minuten, dann ist er da. Die Patientin wird bereits von den Rettungsassistenten im Rettungswagen betreut, der Arzt kommt hinzu. Blutdruck messen, venösen Zugang für Medikamente legen - weitere Untersuchungen folgen im Krankenhaus. Bei Ankunft geht es der Patientin schon besser. Rene Grove checkt erneut das Fahrzeug, füllt verbrauchte Materialien auf, dokumentiert den Einsatz und wartet auf den nächsten Alarm. Zeit für einen zweiten Versuch, Kaffee zu trinken.

Puffer bis zur freien Stelle

"Ich arbeite gern mit Menschen zusammen und ich helfe gern", sagt der 34-jährige Bundesfreiwilligendiens tler aus Plau am See. Seit Oktober 2011 ist er "Bufdi" beim Wachbereich Parchim der DRK Rettungsdienst Parchim Ludwigslust gGmbH. Zu diesem Zeitpunkt war seine dortige Ausbildung zum Rettungsassistenten ausgelaufen, aber noch keine Stelle frei. Erst im Herbst dieses Jahres will ein anderer Mitarbeiter in Rente gehen. "Den einjährigen Bundesfreiwilligendienst nutze ich als Puffer zwischen der Ausbildung und einer freien Planstelle", sagt der Familienvater mit zwei Kindern, der gern in der Region bleiben möchte. Und Wachbereichsleiter Norbert Pischel bestätigt: "Seine Chancen stehen gut."

Zuvor hatte Grove verschiedene Jobs ausgeübt, um seine Ausbildung zu finanzieren. Beim Deutschen Roten Kreuz war er schon seit Jahren ehrenamtlich tätig. Jetzt ist er seinem Traumjob vor der Haustür wieder ein Stück näher gekommen.

Das DRK profitiert wiederum von seiner Ausbildung, die allerdings keine Voraussetzung für den Bundesfreiwilligendienst ist. "Wir können Herrn Grove vielfältig einsetzen", sagt Pischel. Als "Mädchen für alles" kann er sowohl im Kurier- als auch im Rettungsdienst eingeplant werden. Er fährt den Notarzt- und den Rettungswagen, ist sogar Repräsentant des DRK, wenn er in Kitas, Schulen und auf öffentlichen Veranstaltungen den Einsatzwagen und die Aufgaben der Helfer erklärt.

Kinder dürfen den Teddy verarzten

"Die Arbeit mit Kindern macht mir besonders viel Freude", erzählt der Familienvater und erinnert sich an einen Besuch in einer Plauer Kita. Dort war einige Wochen zuvor ein Mädchen mit Nasenbluten mit dem Krankenwagen aus der Einrichtung abgeholt worden. Die Kindertagesstätte hatte daraufhin angefragt, ob das Deutsche Rote Kreuz seinen Rettungswagen vorstellen könne, um mögliche Einsätze kindgerecht zu erklären. "Es ist wichtig, Vertrauen aufzubauen, damit die Kleinen im Ernstfall keine Angst bekommen", weiß Rene Grove. Bei solchen Besuchen hat er meistens einen Teddy dabei, den die Jungen und Mädchen dann mit Verbandsmaterial verarzten dürfen.

Im Wachbereich Parchim ist Grove derzeit der einzige "Bufdi". Im gesamten Nordosten gebe es 55 Bundesfreiwilligendienstler beim DRK, so Sabrina Genuttis vom Landesverband MV. Sie werden im Fahrdienst, in Kitas, Kinder- und Jugendheimen, Krankenhäusern, Schulen und Altenpflegeeinrichtungen eingesetzt, wie ihre Kollegin Christine Peters ergänzt.

Insgesamt engagieren sich in Mecklenburg-Vorpommern derzeit knapp 700 Menschen im Bundesfreiwilligendienst. Die Einsatzgebiete reichen von sozialen Einrichtungen über Kulturstätten bis hin zu Sportvereinen. Diese Möglichkeit solle auch genutzt werden, um mit entsprechenden Angeboten auf den wachsenden Fachkräfte-Bedarf vor allem auf dem Lande hinzuweisen, meint Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Vorsitzender und Innenminister Lorenz Caffier: "Dies ist auch eine Chance, um verstärkt für den Pflegeberuf in MV zu werben."

Bundesweit 35 000 Plätze besetzt

Bundesweit sind nach Angaben des Infobüros Bundesfreiwilligendienst derzeit alle 35 000 Stellen besetzt. Startschuss war im Sommer vergangenen Jahres. Inzwischen gebe es mehr Nachfragen als Plätze.

Rene Grove ist froh, dass er einen dieser Plätze erwischt hat. Für seine Leistung erhalte er rund 500 Euro netto im Monat. Da seine Frau auch berufstätig sei, käme die Familie zurecht, meint er.

Für ihn hält seine Tätigkeit auch noch eine andere Art von Gewinn bereit. "Es ist schön, wenn ich Leute auf der Straße treffe, die wir mal als Patienten hatten und denen es wieder gut geht", sagt er. So seien seine Kollegen und er einmal zu einer verletzten schwangeren Frau gerufen worden. Wochen später habe er die Mutter mit einem Kinderwagen in der Stadt getroffen. Dem Baby war nichts passiert.

Doch jetzt hat Grove keine Zeit mehr, in Erinnerungen zu schwelgen. Der Rufmelder gibt wieder einen Alarm durch. Der nächste Kaffee muss noch warten.

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