zur Navigation springen

Aschermittwoch in Demmin : Mit alter Populismus-Platte in die Bütt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Merkel-Exit, Freibier und ein gefesselter Kellner: Die AfD feiert in Demmin mit Leif-Erik Holm

svz.de von
erstellt am 01.Mär.2017 | 20:30 Uhr

Der Parteiliebling wird schon gefeiert wie ein Volksheld. „Wir brauchen einen Merkel-Exit“, hat Leif-Erik Holm in den Saal gerufen. Für die AfD-Anhänger offensichtlich ein Signalwort. Sie stehen geschlossen auf, beklatschen ihren Landeschef und skandieren: „Merkel muss weg“. Ein Mann läuft zum Pult und drückt Holm ein Deutschlandfähnchen in die Hand. Der Landeschef wedelt damit herum, lächelt genüsslich und schiebt noch einen Spruch hinterher: „Die lasse ich mir nicht wegnehmen.“ Das Publikum ist begeistert.

Zum Politischen Aschermittwoch war die kleine Hansestadt Demmin jahrelang Hoheitsgebiet der CDU. Gestern hat sich am südöstlichen Stadtzipfel die AfD in einem Restaurant mit Kegelbahn eingenistet. Die Rechtspopulisten lockten mit Freibier und eine Stunde früher als die Christdemokraten. Der Andrang im Tannenrestaurant ist groß. Mit 60 bis 80 Gästen haben die AfDler gerechnet. Gekommen sind doppelt so viele. „Weil hier auch mal Klartext gesprochen wird“, sagt ein Besucher.

Bundestagskandidat Holm schaltet auch gleich in den Wahlkampf-Modus und piesackt Bundeskanzlerin Angela Merkel, wo es nur geht. Die nach dem Kraftwerk-Unglück von Fukushima eingeleitete Energiewende – für Holm: ein „planwirtschaftliches Monstrum“. In der Flüchtlingsdebatte attestiert er Angela Merkel eine Bankrotterklärung. Sie habe hunderttausende Menschen unkontrolliert und ohne Registrierung ins Land gelassen, behauptet er. Sie habe ein Euro-Desaster zu verantworten und trage Mitverantwortung am Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union. Die pauschalen Botschaften kommen an. Jeder auf die Kanzlerin abgeschossene Giftpfeil wird mit Applaus gefeiert. Einzige Alternative, könne natürlich nur die AfD sein. „Der Löschzug ist da“, verkündet Holm vollmundig.

Die Populismus-Platte, die Holm in Demmin aufgelegt hat, erinnert stark an seine Rede auf dem Parteitag am Sonntag in Sparow. Drei Tage danach ruft er erneut aus, „die Einheitssoße von Gabriel, Merkel und Schulz“ beenden zu wollen. Für die Wiederholung gibts trotzdem noch mal Beifall.

Einen Schenkelklopfer hat der ehemalige Radiomoderator aber noch auf Lager. Natürlich zielt der auch wieder auf die Bundeskanzelerin ab, die 2012 von einem aufgeregten Kellner ein paar Gläser Bier in den Nacken geschüttet bekam. Was aus dem Kellner geworden ist? „Der liegt seitdem gefesselt im Kanzleramt neben Friedrich Merz“, witzelt Holm. Die Menge im Saal ist begeistert. Gegen 18 Uhr wird das dritte Fass Bier angestochen und der DJ jagt Gassenhauer durch die Boxen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen