zur Navigation springen

Bundestagswahl 2017 : Mit 24 Jahren auf Stimmenfang

vom
Aus der Onlineredaktion

Philipp Amthor (CDU) kandidiert im Osten Mecklenburg-Vorpommerns für den Bundestag – seine größte Konkurrenz ist die AfD

von
erstellt am 12.Sep.2017 | 05:00 Uhr

„Jetzt immer hier an den Gräten entlangschneiden“, sagt André Domke. Mit geschärftem Messer und hoch konzentriertem Blick beugt sich Philipp Amthor über den 120-Kilo-Fisch, der vor ihm liegt. Für einen Nachmittag hat der Jungpolitiker seinen dunkelblauen Anzug gegen eine Schürze getauscht und hilft bei „Fisch Domke“ in Ahlbeck auf Usedom beim Filetieren des riesigen Heilbutts. „Ich finde es sehr gut, dass er in die Betriebe geht und sich die Arbeit anschaut“, sagt Inhaber Domke. „Viele Politiker sind sich dafür doch zu fein.“

„Neuer Mut“ steht auf den Plakaten zur Bundestagswahl von Amthor. Mut – den hat das CDU-Mitglied auf jeden Fall. Mit seinen 24 Jahren ist Amthor nicht nur der jüngste Direktkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, auf ihm lastet gleichzeitig eine große Bürde. Seit 27 Jahren hat die CDU in seinem Wahlkreis in Vorpommern den Kampf um die Erststimme immer gewonnen. So lange ist Amthor noch nicht einmal auf der Welt. Mit der AfD im Nacken wäre eine Niederlage für ihn doppelt bitter.

Seit einem Jahr nutzt der Konservative deshalb jede freie Sekunde für den Wahlkampf. Ob Schweinekastration, Steinesammeln auf dem Feld oder eben Fischefiletieren. Amthor ist auf Stimmenfang. Wie auch schon SPD-Politiker Mathias Brodkorb und andere zuvor sucht er die Bürgernähe beim Kaffeeklatsch: „Reden wir über Ihr Anliegen. Sie kochen Kaffee. Ich bringe Kuchen mit“ steht auf 1000 Plakaten, die er verteilt hat. Daneben ein Bild von ihm. Die blonden Haare ordentlich frisiert, spitzbübisches Lächeln und Hornbrille. Schon jetzt sein Markenzeichen.

Jüngste Abgeordnete im bisherigen Bundestag ist Ronja Schmitt, 28 Jahre alt. Mit 24 Jahren auf Stimmenfang. Das sei Fluch und Segen zugleich, so Amthor: „Ich bekomme sehr viel Zuspruch. Es gibt aber auch Vorurteile“ Er sei zu jung, hätte ja noch nie gearbeitet oder würde nur Politik machen, weil er sonst nichts könnte.

Kritik gibt es auch aus den eigenen Reihen. Die Senioren-CDU aus Anklam monierte, dass der 24-Jährige noch nicht reif sei für das Amt. Doch Amthor betont: „Wer mich nicht für voll nimmt – das geht nach hinten los.“

Jugend sei nur dann ein Problem, wenn man selbst zu überheblich sei. „Selbstverständlich habe ich nicht die Lebenserfahrung eines 50- oder 60-Jährigen“, sagt Amthor. „Aber ich denke, es kommt darauf an, zuzuhören, was die Menschen wollen, verbindlich zu sein und engagierten Einsatz zu zeigen.“

Bereits mit 16 Jahren trat der gebürtige Ueckermünder der CDU bei. Seit über vier Jahren ist er Kreisvorsitzender der Jungen Union Vorpommern und seit über sechs Jahren dort in deren Landesvorstand tätig. „Ich habe in der Wertepartei schnell meine Heimat gefunden“, meint Amthor. „Sie steht für Freiheit in Verantwortung. Nicht für grenzenlose Freiheit. Für Europa, eine soziale Marktwirtschaft und innere Sicherheit. Das sind drei Punkte, die mir sehr wichtig sind.“ Dass er nun für den Bundestag kandidiert, hätte er vor einem Jahr nicht gedacht. Eigentlich schreibe er gerade an seiner Doktorarbeit an der Universität Greifswald. Hier hat er auch Rechtswissenschaften studiert. „Ulrich Adam fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, für den Bundestag zu kandidieren“, erzählt Amthor. Adam (CDU) selbst war von 1990 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags. Amthor fackelte nicht lange.

Seitdem hat sich sein Leben sehr verändert. Morgens Berlin, abends im Wahlkreis. Dazwischen Bürgergespräche, Pressetermine, Podiumsdiskussionen... Und abends heißt es E-Mails beantworten. Seinen Wahlkampf finanziert Amthor selbst und durch Spenden. Ein Büro hat er nicht. Dafür aber viel Hilfe.

Unterstützung bekommt er von ganz oben. Bundeskanzlerin Angela Merkel, CSU-Vorsitzender Horst Seehofer und Co. kamen bereits, um den jüngsten CDU-Direktkandidaten zu unterstützen. Im Wahlkreis 16, der von Neubrandenburg über Pasewalk, Anklam bis nach Wolgast reicht, hatte die CDU bei der Landtagswahl 2016 mehrere Direktmandate an die AfD und SPD verloren. Die AfD rechnet sich aus, am 24. September von hier aus einen Rechtskonservativen in den Bundestag zu schicken.

Amthor sieht der Wahl trotzdem optimistisch entgegen: „Ich trete ja nicht zum Verlieren an“, sagt er und grinst. Im Bundestag will er sich für mehr Sicherheit, für eine starke Wirtschaft und moderne Infrastruktur einsetzen. Sowie für mehr Unterstützung für Kinder, Familien und Senioren.

Und wenn es mit der Wahl doch nicht klappen sollte? „Dann bekommt er von uns einen Arbeitsvertrag“, scherzt Domke. Der 120-Kilo-Heilbutt ist inzwischen zerlegt und der Inhaber zufrieden.

>> Alles rund um die Bundestagswahl lesen Sie in unserem Dossier

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen