„Power for Kids“ Schwerin : Missbrauchsfälle: Fehler im Jugendamt

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Bericht: Schweriner Behörde ging Vergewaltigungen trotz Hinweisen nicht nach

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08. März 2016, 21:00 Uhr

Das Jugendamt der Stadt Schwerin hat im Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Verein „Power for Kids“ durch Peter B. folgenschwere Fehler gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt eine verwaltungsinterne Untersuchungskommission der Stadt in ihrem gestern veröffentlichten Bericht. „Das Martyrium der Kinder hätte früher beendet werden können“, kommentierte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (SPD) das Papier auf Anfrage unserer Redaktion. Die Stadt werde personelle Konsequenzen prüfen. Die Vorwürfe richten sich gegen einen Abteilungsleiter und drei Mitarbeiter im Jugendamt, so Gramkow.

Der Bericht der Untersuchungsgruppe, die von der Juristin Dana Horn geleitet wurde, kommt zu dem Schluss, dass nach Bekanntwerden von Verdachtsmomenten im Januar 2015 keine Risikoeinschätzung auf Kindeswohlgefährdung im Jugendamt durchgeführt wurde. Nach den ersten Hinweisen eines Schulsozialarbeiters auf die Übergriffe des langjährigen Vorsitzenden des Vereins Peter B. habe das Jugendamt unzureichend reagiert. Es wurde weder die Polizei eingeschaltet, noch ist das Amt selbst den Vorwürfen nachgegangen. Auch eine Kontaktaufnahme der Behörde mit Peter B. und dem Verein blieb aus. Das Jugendamt hatte lediglich den privaten Trägerverein des Schulsozialarbeiters um Stellungnahme gebeten. Seine Entscheidungen hat das Amt zudem unzureichend dokumentiert, heißt es weiter im Bericht. Zwei Schüler hatten sich dem Sozialarbeiter offenbart, der die Hinweise an das Jugendamt weitergab – sieben Monate vor der Verhaftung von Peter B.

Nach Ansicht der Oberbürgermeisterin seien die Versäumnisse des Jugendamtes auf Fehlentscheidungen einzelner Mitarbeiter zurückzuführen. Strukturelle Defizite in der Verwaltung sehe sie nicht.

Peter B. war im Februar zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte sich an mindestens 15 Jungen im Alter zwischen 7 und 13 Jahren vergangen. Kommenden Mittwoch wird der Bericht im Hauptausschuss debattiert.

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