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Flüchtlinge in MV : „Mir gefällt die Arbeit“

vom
Aus der Onlineredaktion

Reinigungsunternehmen Sitex sucht händeringend nach Personal. Am Standort Rostock wurden rund 30 Flüchtlinge eingestellt

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2017 | 12:00 Uhr

Rund 60 000 Kilogramm Handtücher, Bettwäsche und Berufsbekleidung aus Krankenhäusern und Altenheimen werden täglich beim Dienstleistungsunternehmen Sitex am Standort Rostock maschinell gereinigt und aufbereitet. Dafür ist das Unternehmen auf der Suche nach Mitarbeitern. Da dies aber sehr schwierig sei, habe Sitex im Frühjahr den Kontakt zum Netzwerk Arbeit Flüchtling (NAF) in Mecklenburg-Vorpommern gesucht, sagt Produktionsleiter und Personalchef Guido Meier.

Das Netzwerk setzt sich für eine frühzeitige und umfassende Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den ersten Arbeitsmarkt beziehungsweise in betriebliche Ausbildungsverhältnisse ein.

Was bei Sitex mit heute rund 300 Mitarbeitern anfangs ein Testmodell mit zunächst fünf Flüchtlingen war, habe sich etabliert, erklärt Meier. Mittlerweile habe die Firma 30 zusätzliche festangestellte Beschäftigte gewonnen – Männer und Frauen, die aus Heimatländern wie Syrien, Eritrea oder Ägypten nach Deutschland geflüchtet sind.

Zu ihnen gehört Akram Sawam. Er sortiert und ordnet die gereinigte Wäsche, während die Maschinen und Automaten der Wäscherei im Hintergrund laut zu hören sind. Der 22-Jährige stammt aus Hama in Syrien und lebt seit knapp zwei Jahren in Deutschland. In seiner Heimat hatte er angefangen, Landwirtschaftsingenieurwesen zu studieren, nun arbeitet er in der Wäscherei. Er sei froh darüber, sagt er, auch wenn er in Deutschland lieber studieren würde. „Mir gefällt die Arbeit. Sie ist nicht schwer, das ist gut.“

Auch für Obada Sakkaoui, ebenfalls aus Syrien, ist das nicht sein Traumjob. In seiner Heimat war der 24-Jährige Verkäufer. Hier in Deutschland träume er von einem eigenen Restaurant, sagt er. Dennoch freue er sich darüber, hier zunächst einen Job gefunden zu haben.

Produktionsleiter Meier ist durchaus klar, dass die Migranten häufig bessere Qualifikationen haben. Aber es gelte zunächst, Vertrauen zu schaffen und den neuen Mitarbeitern zu zeigen, dass sie ernst genommen werden, sagt er. „Wir helfen unseren Mitarbeitern bei Schwierigkeiten und versuchen ihnen unter die Arme zu greifen“, sagt Meier. Später gäbe es immer noch Aufstiegschancen in andere Bereiche des Unternehmens.

Obwohl die Flüchtlinge aus unterschiedlichen Berufen kommen, habe die Personalführung gute Erfahrungen mit ihnen gemacht, sagt Meier. Sie seien hilfsbereit und engagiert, so dass sich die Unternehmensführung entschlossen habe, die Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt weiter zu fördern. Gezahlt werde der tarifliche Mindestlohn, so wie allen anderen Mitarbeitern auch.

„Es kommt viel zurück. Wenn das Unternehmen Mitarbeiter braucht, die auch an Feiertagen arbeiten, sind die die neuen Mitarbeiter häufig die ersten, die sich freiwillig dafür melden“, betont der Personalchef.

Nicht nur in großen Unternehmen gibt es mittlerweile mehr Erfahrungen mit Migranten. So beschäftigt das im Mai 2017 mit einem neuen Konzept eröffnete DockInn Hotel in Warnemünde zwei Asylbewerber. Das junge Team aus 25 Mitarbeitern machte sich für die Einstellung zweier Flüchtlinge aus Gaza und Syrien stark. Nach anfänglichen Hürden wegen ihres Aufenthaltsstatus gehören die Männer nun fest zum Hotelteam.

Gerade als Hotel sei es wichtig, multikulturell zu sein, sagt Sprecherin Petra Cavet. Es sei viel Engagement und Höflichkeit spürbar und sei eine enorme Bereicherung. Außerdem profitierten internationale Gäste, wenn neben Englisch auch Französisch und Arabisch im täglichen Hotelbetrieb gesprochen werde.

Für den Verein Migra in Rostock, der sich für eine interkulturelle Gesellschaft einsetzt, sind die Neueinstellungen ein Erfolg. Über Wochen hatte er als Kulturmittler bei Sitex gewirkt.

Der Großteil der geflüchteten Menschen in Rostock und Umgebung lebe seit rund zwei Jahren in Deutschland. „Vier bis fünf Jahre dauert es allerdings für eine gelungene Integration der Menschen. Trotzdem gibt es schon Festanstellungen nach weniger als zwei Jahren Aufenthalt“ sagt Migra-Geschäftsführer Michael Hugo.

Das Klima für Zugewanderte habe sich bei den Arbeitgebern deutlich gebessert, sagt Hugo. Migranten sind je nach Herkunftsland jedoch unterschiedlich privilegiert hinsichtlich ihres Aufenthaltsstatus. Das sei oft eine Hürde. Weitere Herausforderungen für die Integration auf dem Arbeitsmarkt seien nach wie vor die Anerkennung der unterschiedlichen Berufs- und Schulabschlüsse anderer Länder und ausreichende Deutschkenntnisse.

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