Bürgerdialog auf Facebook : Ministerpräsidentin blieb eine Antwort schuldig

Plaudern mit der Kamera: Während des Internet-Chats im Zimmer der Ministerpräsidentin in der Staatskanzlei
1 von 2
Plaudern mit der Kamera: Während des Internet-Chats im Zimmer der Ministerpräsidentin in der Staatskanzlei

Bei ihrem ersten Facebook-Chat hatte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig Dienstagabend 1311 Besucher.

23-11368466_23-66108087_1416392671.JPG von
19. Juni 2018, 20:45 Uhr

Zuerst standen die Genossen in der Schlange: Lilly Blaudszun, Vize-Vorsitzende bei den Jusos in MV und auch sonst eine eifrige Schwesig-Verfolgerin beim Kurznachrichtendienst Twitter, wollte von der Ministerpräsidentin bei deren ersten Live-Chat auf Facebook heute Abend wissen: „Hey Manu, wie stehst du zu G8, G9 und der Wahlfreiheit?“ Dass die Schülerin aus Ludwigslust nicht unbedingt Wirtschaftsgipfel mit oder ohne Putin meinte, konnte man sich bei einer Gymnasiastin denken. Es geht um das Abitur nach zwölf oder 13 Schuljahren. Manuela Schwesig, die mit ihrem zwölfer Abitur 1992 am Gymnasium auf den Seelower Höhen keine schlechten Erfahrungen machte, spielte den Ball zurück. „G8 ist traditionell gewachsen. Das habe auch ich erlebt. Aber die Schüler sollten die Frage zunächst selbst diskutieren.“

Schwesig hatte schon bei der Regierungsübernahme vor einem Jahr angekündigt, viel stärker als ihr Vorgänger, Erwin Sellering, die sozialen Medien zu nutzen. 42 000 Follower hat sie auf ihrer Seite. Zum Vergleich: Bundestagsabgeordneter Philipp Amthor aus Greifswald hat 8500 Fans, Verkehrsminister Christian Pegel 1300.

Zu den Themen: Christian Brinkmann will wissen, was Schwesig vom Streit zwischen Seehofer und Merkel in der Asylfrage hält. Sie nennt die Debatte „verantwortungslos“, spricht von Integration und plädiert auch dafür, Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung zurückzuführen.

Einen Dank an die Landesregierung für die Unterstützung der Theater will René Corinth loswerden. Schwesig und Kultusministerin Birgit Hesse hatten vor wenigen Tagen in einem Theaterpakt den Häusern im Land eine Perspektive versprochen, in dem sie eine Dynamisierung der Finanzen versprachen und ein Ende der Fusionen angekündigten. Schwesig: „Ich hoffe nun, dass der Theaterpakt auch gut umgesetzt wird.“

Nach dem Erzieherinnen-Kind-Schlüssel in den Kindergärten wird gefragt, und eine bessere Entlohnung von Erzieherinnen als auch in der Pflege gefordert. Schwesig verweist ganz sozialdemokratisch auf Tariflöhne, die gezahlt werden müssten. Vor allem aber interessierte, woher das Geld für die kostenfreie Kita genommen werde. Die Regierungschefin, deren Projekt die Kostenfreiheit ist, verwies auf die „solide Finanzpolitik vergangener Jahre“ und auf Spielräume, die es durch die gute Steuersituation gebe. Prompt fragte Sylvi Herzl: „Hallo Frau Schwesig. Können Sie es sich vorstellen irgendwann einmal als Bundeskanzlerin zu kandidieren?“ Diese Antwort blieb die 44-Jährige dann doch schuldig...

Zum Schluss hatten in den 30 Minuten 1311 Facebook-Nutzer die Seite besucht und 138 Fragen gestellt. Für eine halbe Stunde und ein stellenweise internetfreies Bundesland ganz passabel. Der russische Künstler Alex Doll half mit einem Post aus Moskau: „Wann kommen Sie Russland besuchen?“ Und Ady Plus aus Neubrandenburg wollte wissen, ob beim heutigen Bürgerforum in Demmin, jeder Bürger dabei sein könne. Während Schwesig die erste Frage nicht beantworten konnte, versprach sie für die zweite, dass jeder kommen darf. Dann geht der Dialog analog weiter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen