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Vogelgrippe in MV : Ministerium lässt Ausnahmen von Stallpflicht zu

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Experten sprechen von der bisher schwersten Vogelgrippe-Welle. Eine strikte Stallpflicht soll die Übertragung der Viren von Wildvögeln auf Nutztierbestände verhindern. Doch viele Tierhalter wollen Hühner und Gänse wieder ins Freie lassen. Ausnahmen sind fortan möglich.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 11:50 Uhr

Das Agrarministerium in Mecklenburg-Vorpommern hält zur Abwehr der Vogelgrippe an der allgemeinen Stallpflicht für Nutzgeflügel im Land fest, ermöglicht nun allerdings Ausnahmen. Ein am Mittwoch veröffentlichter Erlass erlaube es den Veterinärämtern der Kreise, „in begründeten Einzelfällen“ und nach eingehender Risikoprüfung die Freilandhaltung von Hühnern, Gänsen, Enten oder Puten wieder zu erlauben. „Mehr Spielraum haben wir im Moment nicht“, sagte Agrarstaatssekretär Jürgen Buchwald am Mittwoch in Schwerin.

Er wies damit Forderungen nach einer gänzlichen Aufhebung der seit nunmehr vier Monaten währenden Stallpflicht oder Lockerungen für ganze Regionen zurück. Vor allem private Kleintierhalter hatten die restriktiven Vorgaben im Nordosten kritisiert und auf großzügigere Regelungen in anderen Bundesländern verwiesen. Buchwald rechnet damit, dass vor allem solche Privathalter Ausnahmegenehmigungen für ihre Tiere beantragen werden, gewerbliche Betriebe ihre Bestände zum Schutz vor Ansteckung aber noch nicht wieder ins Freiland lassen.

Parallel zum Frühlings-Vogelzug würden derzeit wieder vermehrt Infektionen mit dem hochansteckenden Virus H5N8 registriert. Erst in der Vorwoche habe es einen Fall im Heimattierpark von Greifswald gegeben, sagte Buchwald. Er verwies zudem auf Entwicklungen in Nachbarländern wie Schleswig-Holstein und Brandenburg, die wie Mecklenburg-Vorpommern auch wichtige Rast- und Sammelplätze für Zugvögel seien. Dort habe es im Monat Februar teilweise mehr Virusnachweise gegeben als im Dezember und Januar zusammen.

„Die Aufstallung ist eines der wichtigsten Elemente im Kampf gegen die Tierseuche. Nur so lässt sich der Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel wirkungsvoll unterbinden“, sagte der Staatssekretär, der den erkrankten Minister Till Backhaus (SPD) vertrat. Allerdings gebe es Anzeichen, dass der Vogelzug seinen Höhepunkt überschritten habe.

Zudem trage wärmeres Wetter dazu bei, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet: „Wir hoffen, dass es jetzt richtig Frühling wird und die Temperaturen kräftig steigen“, sagte Buchwald. Temperaturen um 20 Grad über mehrere Tage hinweg töten nach Expertenangaben das Virus ab. Bei einer Beruhigung der Seuchenlage im Wildvogelbereich und nach Ende des Vogelzuges werde die Stallpflicht weiter gelockert, versprach Buchwald.

In Mecklenburg-Vorpommern war am 9. November 2016 auf der Insel Riems bei Greifswald eine tote Reiherente gefunden worden, bei der zuerst das Virus H5N8 nachgewiesen wurde. Am Tag darauf hatte Backhaus eine landesweite Stallpflicht für Nutzgeflügel verhängt. Nach Angaben des Agrarministeriums wurde seither im Nordosten bislang bei knapp 100 Wildvögeln das Grippevirus amtlich festgestellt. Zudem seien bislang 15 Geflügelhaltungen im Land betroffen, darunter zwei Großbetriebe, in denen laut Buchwald 150 000 Tiere getötet werden mussten.

Das Land und die Seuchenkasse hätten zum Schadensausgleich zusammen bisher 1,3 Millionen Euro an die Halter ausgezahlt und damit mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2006, als die Bilder von großräumigen Absperrungen etwa auf Rügen um die Welt gingen. Einen Geflügelpest-Seuchenzug dieses Ausmaßes habe es, räumlich und zeitlich gesehen, in Deutschland und in Europa zuvor nicht gegeben, betonte Buchwald und warb um Verständnis für die mit Schleswig-Holstein abgestimmte Strategie zum Schutz des Nutzgeflügels. Bundesweit seien bisher 81 Betriebe vom Virusbefall betroffen gewesen. Die größten Schäden habe es in Niedersachsen gegeben.

>> Informationen zur Stallpflicht nach Bundesländern

>> Aktuelle Informationen zur Vogelgrippe in MV

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