Kosten der Beraterverträge fast verdoppelt : Minister zahlen 600 000 Euro für Berater

Bis zu 300 000 Euro im Jahr will sich das Innenministerium den beratenden Beauftragten für den klammen Landkreis Vorpommen-Greifswald kosten lassen. Landrätin Barbara Syrbe wundert sich über die Höhe des Vertrages.

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15. Januar 2013, 09:12 Uhr

Schwerin/Greifswald | Bis zu 300 000 Euro im Jahr will sich das Innenministerium den beratenden Beauftragten für den klammen Landkreis Vorpommen-Greifswald kosten lassen. Das geht aus der gestern veröffentlichen europaweiten Ausschreibung für eine "Unternehmens- und Managementberatung" hervor. Vertragslaufszeit zwölf Monate, verlängerbar bis zu zwei Jahren. Der Landkreis ist mit 116 Millionen Euro hoch verschuldet. Dennoch wundert sich Landrätin Barbara Syrbe (Linke) angesichts der Höhe des Vertrages. "Unser Kreis hat nur 235 000 Euro, um ein Jahr lang alle Vereine und Verbände der freien Wohlfahrtspflege und der Kultur über Wasser zu halten. Die 300 000 Euro hätte ich auch gerne." Der beratende Beauftragte soll kommen, obwohl der Landkreis bereits seit Jahren mit dem Berliner Beratungsunternehmen Veberas gegen die Schuldenkrise ankämpft, im übrigen auf Drängen des Landesrechungshofes. "Externe Berater können nur dann herangezogen werden, wenn sich zur Durchführung der Landesaufgaben ein zusätzlicher, inhaltlicher und zeitlich abgrenzbarer Bedarf ergibt, der nicht durch das vorhandene Personal abgedeckt werden kann", hatte der Landesrechnunghof bereits in seinem Jahresbericht 2004 gemahnt. Damals prüfte er zuletzt die "Notwendigkeit und Zulässigkeit der Beauftragung Dritter".

Insgesamt haben die acht Ministerien und die Staatskanzlei im vergangenen Jahr 591 992 Euro für Beraterverträge ausgegeben. Darunter sind jedoch nicht die vermuteten zehn Millionen Euro für diverse Wirtschaftsprüfer und -berater bei den insolventen P+S Werften, die derzeit Gegenstand eines Untersuchungsausschusses des Landtages sind. Doch auch ohne diese Millionen haben sich die Kosten der Beraterverträge fast verdoppelt.

Die größte Einzel-Summe von 85 000 Euro gab Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) für die "Beratung im Hinblick auf die Optimierung der Theater- und Orchesterstruktur" aus. 80 700 Euro zahlte der Wir tschaftsminister für die rechtliche Bewertung eines Asbest-Transports aus Niedersachsen zur Deponie Ihlenberg. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) legte für einen Masterplan für die Ernährungswirtschaft 70 000 Euro hin. 50 000 spendierte Backhaus für ein Betriebskonzept des Landgestüts Redefin , das eigentlich wissen müsste, was sein Konzept ist. Aber auch eine Landestourismuskonzeption und eine Marketing-Beratung ließ sich die Regierung liefern.

Max-Stefan Koslik

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