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Kleiner Waffenschein : Minister warnt vor privater Aufrüstung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Aktuell 6900 Kleine Waffenscheine in MV - die Zahl hat sich in nur zwölf Monaten verdoppelt

von
erstellt am 17.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Übertriebenes Sicherheitsbedürfnis oder berechtigte Ängste? Immer mehr Mecklenburger und Vorpommern besorgen sich Gas- und Schreckschusspistolen, um sich vor eventuellen Gefahren zu schützen. Die Behörden im Land stellten im vergangenen Jahr dafür 3100 Kleine Waffenscheine auf Antrag aus. Das teilte das Innenministerium gestern auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Damit hat sich die Zahl der Kleinen Waffenscheine im Nordosten in nur zwölf Monaten auf aktuell 6900 nahezu verdoppelt.

Im Schweriner Innenministerium ist man wegen der drastischen Aufrüstung besorgt. „Sicherheit sollte nicht in der eigenen Bewaffnung gesucht werden“, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Schreckschusswaffen würden keinen wirkungsvollen Schutz gegen mögliche Angriffe bieten, sondern in Konfliktsituationen eher zur Eskalation und Selbstjustiz beitragen. „Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen gibt es sicher vieles, was wir brauchen. Aber eine Bewaffnung der Bevölkerung brauchen wir bestimmt nicht“, so der Minister.

Wer einen Kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen verdeckt bei sich tragen und im Notfall damit auch schießen. Die Voraussetzung für die Genehmigung ist, dass der Bewerber volljährig und zuverlässig ist. Für den bloßen Erwerb von Gas- und Schreckschusswaffen braucht man keinen Schein.

Auch die Polizei äußerte Bedenken. „Die Entwicklung ist beunruhigend“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Christian Schumacher. „Die Ursache liegt möglicherweise auch an der hohen Zahl der Wohnungseinbrüche, die besonders das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beeinflussen“, meinte er. Die Politik müsse diese Sorgen ernst nehmen.

Allein in Rostock wurden im vergangenen Jahr 450 Kleine Waffenscheine beantragt. Lediglich 79 waren es noch im Jahr zuvor in der Hansestadt. In Schwerin wollten 102 Antragsteller 2016 einen Kleinen Waffenschein haben. Nur bei zwei von ihnen wurden der Schein abgelehnt.

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