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Mindestgröße 1,65: Frauen kleiner als die Polizei erlaubt

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erstellt am 28.Feb.2012 | 09:12 Uhr

Schwerin/Güstrow | Zu klein für den Polizeidienst: Seit diesem Studienjahr gilt für Polizeifachschüler, wer die Körpergröße von 1,65 Meter nicht erreicht, wird nicht für die Ausbildung zugelassen. Die neue Laufbahnverordnung von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) führt laut eines internen Papiers dazu, dass Frauen deutlich benachteiligt werden. Frauen sind aber bei den Wissenstests an der Polizei-Fachhochschule in Güstrow deutlich besser als ihre männlichen Mitbewerber.

Jetzt schlägt die Fachhochschule Alarm. In dem internen Positionspapier für den Innenausschuss des Landtages (Drucksache 6/18) mit dem Titel "Kritik am Fachbereich Polizei der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung..." heißt es wörtlich: "Es lässt sich nachweisen, dass die sich bewerbenden Frauen im Eignungstest hinsichtlich des Diktats deutlich besser und des Gruppengesprächs stärker abschneiden als die männlichen Mitbewerber... Aufgrund der Entscheidung, eine Mindestgröße von 1,65 m vorzuschreiben, was tatsächlich mehr Frauen als Männer ausschließt, (verzichtet das Land) politisch gewollt auf dieses Bewerberpotenzial." In MV werden Frauen im Durchschnitt nur 1,65 Meter groß.

Erste Auswirkungen gab es bereits in diesem Studienjahr: Von 132 Studienanfängern sind 45 Frauen und 87 Männer. Johannes Saalfeld, Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, bringt die neue Verordnung auf die Palme: "Diese Regelung benachteiligt junge Frauen, die auch gute Kriminologinnen sein können. Das verstößt gegen die Anti-Diskriminierungsrichtlinie der EU." Es gebe für diesen Berufsstand wichtigere Kriterien als die Körpergröße, so Saalfeld, der Ministerpräsident Erwin Sellerings (SPD) Gleichstellungsoffensive hinterfragt. Ministeriumssprecherin Marion Schlender widerspricht: "Diese Regelung wurde in die Verordnung aufgenommen, da der Dienst in der Landespolizei an die Beamtinnen und Beamten besondere Anforderungen stellt. Diesen wird u.a. auch durch den Sporttest bei der Bewerberauswahl Rechnung getragen. Noch sind die Bewerberzahlen für die Landespolizei so hoch, dass entsprechende Anforderungen im Auswahlverfahren gestellt werden können."

Das lässt die Hochschule nicht gelten: "Mehr Männer als Frauen absolvieren die Prüfungen in Güstrow nicht erfolgreich, was vermuten lässt, dass es Unterschiede in der allgemeinen Studierfähigkeit gibt", heißt es in dem Papier für den Innenausschuss. Klartext: Durch die Auswahl nach Körpergröße bleiben die besten Bewerber außen vor.

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