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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 23:31 Uhr

Millionenschäden durch Holzdiebe

vom

svz.de von
erstellt am 06.Mär.2012 | 11:40 Uhr

Forstleuten in Brandenburg ist schon lange das Lachen vergangen. Ihnen setzen immer mehr Holzdiebe zu. Mächtige Holzstapel, sogenannte Polter, verschwinden eins, zwei, drei aus den Wäldern. „Je höher die Energiepreise steigen, desto mehr Holz geht aus unseren Wäldern flöten“, erklärt Enno Rosenthal vom Waldbauernverband Brandenburg. Ob private oder staatliche Forstleute - alle hätten mit dem gleichen Phänomen zu kämpfen: „Nach vorsichtiger Schätzung werden pro Jahr zehn Prozent der Ernte gestohlen.“
Allein im Landesbetrieb Forst werden bis zu 30 000 Kubikmeter Holz pro Jahr entwendet. In Euro ausgedrückt bedeutet dies einen Schaden von mehr als einer Million. „Das ist vor allem für die Industrie ein großes Problem“, sagt Referatsleiter Thilo Noack.
Nachdem Bäume geschlagen, für den Abtransport „portioniert“ und zu mächtigen Poltern aufgestapelt wurden, erfolge in einer „logischen Sekunde“ die Übergabe an den Käufer, so dass die Schäden zumeist durch ihn getragen werden müssen, hieß es. Diese müssen ihr bestelltes Holz nämlich selbst im Wald abholen. „Das geht aber nur mit Spezialfahrzeugen, die nicht jeder hat“, betont Noack. Die Holzindustrie beauftrage mit dem Abtransport zumeist private Fuhrunternehmer.
An dieser Schnittstelle vermuten beide Forstexperten die größte Schwachstelle im System: Die Unternehmer würden von der Industrie preislich ziemlich unter Druck gesetzt, „so dass ich mir vorstellen kann, dass die eine oder andere Fuhre auf eigene Faust verkauft wird“, meint Rosenthal. Ähnlich äußert sich auch Referatsleiter Noack. Wenn solche Gespanne die Straße erreicht hätten, könne auch die Polizei nicht mehr feststellen, aus welcher Quelle der Rohstoff tatsächlich stammt. Papiere zum Holztransport liegen zumeist vor. „Ob sie tatsächlich zum Geladenen gehören, kann nicht festgestellt werden“, erklärt Noack.

Diesen Trend kann auch die Polizeistatistik belegen. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) ist die Zahl der aufgegriffenen Fälle in den Jahren von 2008 bis 2010 gesunken. Wurden 2008 noch 264 Holzdiebe gefasst, waren es zwei Jahre später nur noch 185. Die Schadenssumme sank von rund 600 000 auf nur noch auf etwa 140 000 Euro. „Dies korrespondiert aber nicht mit unseren Beobachtungen“, betont Referatsleiter Noack. Es wird eine Lücke im System vermutet.

Der Landesbetrieb Forst bewirtschaftet mehr als 270 000 Hektar Wald in der Mark. Noack: „Überall zu kontrollieren geht rein personell schon gar nicht.“ Es liefen jedoch Experimente mit funkgesteuerten Überwachungssystemen. „An einigen größeren Polteranlagen haben wir Videokameras installiert.“ Flächendeckend sei das aber nicht möglich.

Wegen der stark angestiegenen Energiepreise betätigte sich mancher auch selbst als Holzfäller. „Im Privatwald fällt es nicht so auf, wenn hier und da ein paar Bäume geschlagen werden“, berichtet Rosenthal. Im Landesforst hingegen könne sofort festgestellt werden, wer Forstmitarbeiter ist.


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