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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 16:05 Uhr

Millionengrab auf dem Rollfeld

vom

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2013 | 09:28 Uhr

Schwerin | Das Urteil fällt vernichtend aus: "Flughäfen können nicht auf Dauer zu Millionengräbern werden", warnt Klaus-Peter Siegloch, Präsident der Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft und sorgt sich um die Regionalflughäfen: "Da muss unter dem Strich eine Null stehen", fordert er - vergebens. Denn die schwarze Null unter der Jahresrechnung der Flughäfen in MV wird auf Jahre nicht zu erreichen sein.

Stattdessen Millionenverluste Jahr für Jahr: Das Land mit seinen 1,6 Millionen Einwohnern leistet sich ein Netz von Flughäfen, die "ausnahmslos" mit Defiziten arbeiten, stellt Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) fest. Rostock-Laage, Heringsdorf, Barth, Trollenhagen - ein teures Vergnügen: Die Landebahnen drohen die öffentlichen Haushalte immer stärker zu belasten. In den vergangenen 20 Jahren hat Schwerin knapp 141 Millionen Euro in neun Flughäfen gesteckt. Dazu haben die kommunalen Eigner Millionen gezahlt.

Vor allem in Rostock-Laage, dem größten Verlustbringer in MV: Wenn der Airport in Laage ab morgen mit einem großen Showprogramm sein 20jähriges Bestehen feiert, können die Steuerzahler ihre Rechnung präsentieren: Allein 62 Millionen Euro flossen in den größten Flughafen des Landes und 2,3 Millionen Euro kommen jedes Jahr dazu. Spätestens seit dem Bau des überdimensionierten Terminals laufen den immer wieder neu eingesetzten Flughafenchefs die Kosten davon. Carsten Herget schaltet jetzt auf Umkehrschub: "Wir arbeiten gerade daran, mittelfristig und langfristig den Flughafen in die schwarze Null zu bewegen", meint der vor einem Jahr eingesetzte neue Flughafenchef. "Nicht in fünf oder zehn Jahren, aber erreichbar ist es", sagt der 43-Jährige. Das glaubten seine Vorgänger auch und versprachen sinkende Verluste. Darauf warten die Eigner Hansestadt Rostock, Landkreis Rostock und Stadt Laage noch heute.

Doch diesmal ist Herget zuversichtlich: Vor dem Verlustabbau müsse man erneut Geld in die Hand nehmen, um weiter zu investieren - 2,2 Millionen Euro in ein Instrumentenlandesystem, bis zu eine Million in die Umstellung der Energieversorgung: "Wir müssen weiter wachsen, bevor wir die Verluste reduzieren können." Mehr Passagiere, mehr Airlines, mehr Verbindungen: Ab kommendem Winter steuert die Fluggesellschaft Germania das ägyptische Hurghada an, gab das Unternehmen gestern bekannt - das neunte Ziel der insgesamt sechs Fluggesellschaften, die ab Laage fliegen. Vor allem aber soll die neue Regional-Airlines Rostock Airways für Schub sorgen, mit dem Anschluss an das internationale Drehkreuz Kopenhagen. Herget: "Das ist der Anschluss an die Welt und Europa." Ab September wolle Rostock Airways regelmäßig die dänische Hauptstadt anfliegen. "In Rostock einchecken und über Kopenhagen später in New York den Koffer wieder entgegennehmen - das braucht das Land", meint Herget. Noch allerdings arbeitet die Airlines im Verborgenen. Die Investoren sind unbekannt. Nur soviel: Ausländische Investoren einer "großen Fluggesellschaft mit einer sehr, sehr großen Flotte" stünden hinter Rostock Airways, verrät Herget. Die Investoren warteten auf ein klares Signal des Landes, dass sie willkommen seien. Für Herget ist schon klar: Rostock Airways in Laage, das werde in ein bis zwei Jahren zusätzlich 100 000 Passagiere bringen. "In drei bis fünf Jahren sogar bis zu 400 000." Zum Vergleich: 2012 zählte Laage 200 000 Fluggäste.

Indes verspricht sich Herget auch mit Geschäften außerhalb der Landebahn volle Kassen. So sollen die Luftsicherheitsschulungen aus- und ein Campus aufgebaut werden. Dazu Open-Air-Konzerte, der Aufbau einer Shoppingmeile und eines Outletcenters, der Verkauf von Flächen an Investoren: "Wir müssen Einnahmequellen erschließen."

Und doch wird es ohne Beistand des Landes nicht gehen, meldet Herget weitere Finanzhilfen an. Die Eigner allein seien überfordert, "große Reparaturen sind nicht mehr machbar." Die vom Land jährlich zur Verfügung gestellten 500 000 Euro seien gut, gebraucht werde aber eine dauerhafte Lösung, fordert er erneut eine Beteiligung des Landes: "Das Land muss sich entscheiden, was es mit dem Flughafen vorhat." Solange der Flughafen in Frage gestellt sei, "ist es schwer, neue Airlines für Laage zu gewinnen", meint Herget. Jedes Bundesland habe seinen Regionalflughafen, meint er - und alle schreiben sie Verluste.

Das macht es auch nicht besser: Weitere Hilfen des Landes sind indes unwahrscheinlich. Millionen habe das Land in den Flughafen gesteckt. Mit weiteren 500 000 Euro jährlich leiste das Land einen großen Anteil, meinte Verkehrsminister Schlotmann und schloss eine Beteiligung des Landes an der Betreibergesellschaft aus: "Das sehe ich nicht." Der Airport müsse die Verluste senken. Er sei überzeugt, dass der Flughafen mit einer schwarzen Null betrieben werden kann: "Alle Anzeichen deuten darauf hin", sagte Schlotmann.

Die Debatte kann der Chef vom Flughafen Barth, Paul Wojtasik, gelassen verfolgen. Auf der Küstenpiste könnten für die drei kommunalen Eigner bald sonnige Zeiten anbrechen. Ab 2015 wolle der Flughafen ohne Zuschüsse auskommen und den Verlustausgleich von derzeit 30 000 Euro jährlich auf Null fahren, erklärte Wojtasik. Die Pacht für eine Solaranlage und weitere Einnahmen sollen die Kehrtwende bringen. Wojtasik kann sich zurücklehnen: "Die Zukunft des Flugplatzes ist für die nächsten 30 Jahre gesichert."

Und auch für Herget wird es konkret: Gelinge es, weitere Passagiere und Airlines nach Rostock-Laage zu ziehen, könne der Airport in fünf Jahren die Verluste um eine halbe Million Euro senken, versichert der Flughafenchef - auf dann aber immer noch 1,8 Millionen Euro.

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