Bildung : Millionen gegen Analphabetismus

Einfache Wörter können funktionale Analphabeten häufig lesen, komplexe Sätze hingegen nicht.
Einfache Wörter können funktionale Analphabeten häufig lesen, komplexe Sätze hingegen nicht.

Bundesregierung will das Bildungsproblem mit neuen Kurskonzepten und Selbstlernmöglichkeiten lösen

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09. September 2015, 12:00 Uhr

150 000 Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern können weder richtig lesen noch schreiben. Sie sind sogenannte funktionale Analphabeten, verstehen zwar einzelne Wörter und Sätze, zusammenhängende, auch kürzere Texte jedoch nicht, erklärt Dr. Marion Buhl vom Volkshochschulverband MV.

Mit einem 180-Millionen-Euro-Programm wollen Bund und Länder in den nächsten zehn Jahren die Zahl der Analphabeten in ganz Deutschland senken. Alphabetisierungsprojekte sollen gefördert sowie Kurskonzepte und Selbstlernmöglichkeiten geschaffen werden, so Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) gestern im Kontext des diesjährigen Weltalphabetisierungstages in Berlin. Den bisherigen Aufwand des Bundes gegen Analphabetismus in den vergangenen 15 Jahren bezifferte Wanka auf gut 100 Millionen Euro. Dennoch liege Deutschland im internationalen Vergleich immer noch unter dem Durchschnitt. „Wir sind mit dem Erreichten nicht zufrieden“, sagt Brunhild Kurth (CDU), Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Deshalb stünde das Thema ganz oben auf der bildungspolitischen Agenda. „Es haben schon Tausende an Kursen teilgenommen, die Zahl ist aber noch zu gering“, betont Kurth. Allein in den Volkshochschulen Mecklenburg-Vorpommerns werden jährlich mehr als 200 Kurse mit durchschnittlich 1000 Teilnehmern durchgeführt. „Die Erfolge sind individuell. Der Prozess der Alphabetisierung ist wie das Erlernen einer Fremdsprache. Das geht nicht von heute auf morgen“, weiß Marion Buhl. „Die Kurse stärken das Selbstbewusstsein der Betroffenen, auch weil sie sehen, dass sie nicht die einzigen sind, die nicht gut lesen und schreiben können“, ergänzt sie. Die Zahlen zum Analphabetismus in Deutschland stammen aus der 2011 an der Universität Hamburg durchgeführten Level-One Studie. „Das größte Problem für Analphabeten ist es, den Zugang zum Lernen zu finden“, so Buhl. „Ziel muss es sein, durch passgenaue Angebote die Hemmschwelle für die Betroffenen so niedrig wie möglich zu halten“, ergänzt Brunhild Kurth. Neue Smartphone taugliche Selbstlernplattformen der Volkshochschulen sollen in diesem Zusammenhang unterstützend wirken – und auch für Flüchtlinge erreichbar sein.

Wanka sicherte zu, neben verstärkter Lehrerbildung auch die Forschung zu dem Thema voranzutreiben - etwa zur Frage, warum Lesen und Schreiben verlernt werden könnten, wie es bei vielen „funktionalen Analphabeten“ mit Schulbildung offenbar der Fall sei.

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