Marktentlastung : Millionen für nicht gelieferte Milch

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142 Milchviehbetriebe in MV nehmen an einem Marktentlastungsprogramm teil . Land kauft 412 Hektar von notleidenden Betrieben an.

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05. Mai 2017, 12:00 Uhr

Millionenhilfe zur Marktentlastung: In Mecklenburg-Vorpommern sind Landwirten von der Europäischen Union (EU) knapp 2,5 Millionen Euro als Ausgleich gezahlt worden, damit sie weniger Milch produzieren. Die Finanzhilfe sei 142 Betrieben überwiesen worden, teilte das Landwirtschaftsministerium mit – im Schnitt knapp 17 500 Euro je Betrieb. Damit hat in MV etwa jeder sechste Milchviehbetrieb die Milchlieferungen reduziert. Ein Überangebot an Milch hatte die Branche 2016 in eine tiefe Krise gestürzt und die Milchpreise auf den seit Jahren tiefsten Stand geschickt. Zeitweise zahlten Molkereien weniger als 20 Cent je Liter Milch – für eine auskömmliche Produktion ist aber ein Milchgeld von etwa 35 bis 40 Cent notwendig. Zur Marktentlastung hatte die EU ein 150-Millionen-Euro-Ausgleichsprogramm aufgelegt.

Hilfe kam auch vom Land: Vor einem Jahr hatte MV ein Boden-Ankaufprogramm für notleidende Milchviehbetriebe gestartet. Über die Landgesellschaft wollte das Land in Liquiditätsnot steckenden Betrieben zu einem in der Region üblichen mittleren Preis für maximal eine Million Euro pro Fall Boden abkaufen, den die Bauern pachten und nach sechs Jahren zurückkaufen können. Inzwischen seien in 22 Fällen 412 Hektar für 8,24 Millionen Euro angekauft worden, teilte das Agrarministerium mit.

Millionen für nicht produzierte Milch, Liquiditätshilfen für notleidende Milchviehbetriebe – die Marktkrise ist damit dennoch nicht gelöst: Etwa 29 Millionen Kilogramm Milch haben die Bauern in MV in den vergangenen Monaten vom Markt genommen – knapp zwei Prozent der 2015 jährlichen Milchmenge von 1,6 Millionen Tonnen. Das habe zur Stabilisierung des Milchmarktes beigetragen, meinte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD): Es bedarf aber struktureller Änderungen auf dem Milchmarkt, um künftigen Krisen von vornherein besser begegnen zu können. „Die Beziehungen zwischen den Marktpartnern müssen so gestaltet werden, dass die Signale vom Markt auch rechtzeitig bei den Erzeugern ankommen und entsprechende Reaktionen möglich werden“, so Backhaus: „Dazu gehört, dass Milchlieferverträge oder auch Lieferordnungen mit Mengenangaben untersetzt werden.“

32 Cent und mehr würden derzeit je Liter Milch wieder gezahlt. Nach der langen Zeit des Preistals stehen die Betriebe damit dennoch noch nicht auf stabilen Füßen, erklärte Silvia Ey, Tierproduktionsexpertin des Landesbauernverbandes: Das Milchmarktentlastungsprogramm habe zwar geholfen, für einen Ausgleich für die Verluste habe es nicht gereicht: „Noch ist die Krise nicht beendet.“ Die vorhandenen und weiter gewachsenen Interventionsbestände an Magermilchpulver stehen einer grundlegenden Verbesserung der Marktlage entgegen, meinte auch Backhaus: Auch sei nicht klar, wie die Milcherzeuger nach Ende des Milchverringerungsprogramms die Milcherzeugung wieder ausdehnen würden.

Für Ey bleibt noch viel zu tun: Vor allem müsste die Position der Milchbauern gestärkt und die Marktposition der Molkereien verbessert werden, forderte sie. Die Molkereien sendeten zwar erste Signale, die Lieferverträge mit den Bauern stärker auf marktwirtschaftliche Grundlage zu stellen. Die Landwirte müssten wissen, für welchen Preis sie ihre Milch liefern können. Ey: „Doch noch sind wir nicht da, wo wir hinwollen.“

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