Neubrandenburg : Militärflug-Ära zu Ende

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Foto: Bernd Wüstneck

Feierlich endete auf dem Fliegerhorst Trollenhagen die Ära der Militärflieger. Die Bundeswehrreform hat es so gewollt. Die zivile Luftfahrt läuft noch weiter. Was aber von 2015 an wird, ist unklar.

svz.de von
25. März 2014, 20:01 Uhr

Der Flughafen-Tower ist leer, die Truppenfahne eingerollt: Mit einem Appell ist gestern in Trollenhagen bei Neubrandenburg eine Militärflug-Ära zu Ende gegangen. Der Vize-Kommandeur der Luftwaffe, Robert Löwenstein, stellte die einzige Einsatzunterstützungsgruppe der Bundesluftwaffe von April an außer Dienst. Hintergrund ist die Bundeswehrreform. „Dass ein sehr gravierender Einschnitt für Neubrandenburg und die Region“, erklärte Neubrandenburgs Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU).

Damit endet eine 80-jährige Militärfliegertradition. Es sei Kennzeichen des hohen Anpassungsbedarfs moderner Streitkräfte, dass selbst jüngste Verbände bei Reformen nicht so weiterbestehen, erklärte der Generalmajor in einer Fliegerhalle vor zahlreichen Gästen. Die Einheit war erst 2007 gegründet worden und hat laut Löwenstein besondere Erfahrungen bei Aufbau, Betrieb und Schutz von Einsatzflughäfen weltweit. Ihre Soldaten waren auch in Afghanistan und sie sind noch in der Türkei im Einsatz. Die rund 330 Angehörigen der Truppe wurden zum Teil zu einer Fliegereinheit nach Schortens in Niedersachsen versetzt

Die Region Neubrandenburg ist besonders von der Bundeswehrreform betroffen: Bis 2020 sollen 1300 von 2000 Dienstposten abgebaut werden. In Trollenhagen waren bisher rund 700 Soldaten stationiert. Nun arbeitet noch die Hälfte der Leute in der Kaserne neben dem Flugplatz, die bis 2019 geschlossen werden soll.

Krüger betonte, wie wichtig der zivile Flugbetrieb für die Region ist. Unklar ist noch, wie der zuschussbedürftige Zivilflughafen, für den es bis Ende 2014 einen Mitnutzungsvertrag gibt, von 2015 an weiter finanziert wird. Den Erhalt des Flugbetriebs fordern Firmen, Flugschulen, Vereine und die Gesundheitsbranche, die über Trollenhagen auch Organtransporte für die Transplantationsmedizin abwickelt.

Bisher stützten Gesellschafter, wie die Stadt Neubrandenburg und der Kreis Mecklenburgische Seenplatte, den Flugbetrieb mit jährlich 250 000 Euro. Experten schätzen, dass nach Abzug der Luftwaffe mit jährlich rund 400 000 Euro Zuschuss gerechnet werden muss.


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