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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 05:47 Uhr

Gerichtsbericht : Milde für eine Mietnomadin

vom
Aus der Onlineredaktion

Richter hat Verständnis für die Notlage der Angeklagten

von
erstellt am 27.Sep.2016 | 20:55 Uhr

Sie habe doch ihr Kind unterbringen und vor der Obdachlosigkeit bewahren müssen, beschwor heute eine 34-jährige Angeklagte den Schweriner Amtsrichter Rainer Schmachtel um Nachsicht und Milde. Es sei eine „Kurzschlusshandlung“ gewesen, aus der heraus sie im vergangenen Winter in Schwerin drei Vermieter nacheinander um die Miete prellte. „Ja, ich habe Blödsinn gemacht. Es tut mir leid“, räumte sie ein. Der Schaden, den sie angerichtet hatte, betrug insgesamt 1350 Euro. Am Ende verurteilte Schmachtel sie zu 1200 Euro Geldstrafe.

Die schlanke, attraktive Frau machte äußerlich nicht den Eindruck, dass sie finanziell in der Klemme steckt. Das lange Haar hatte die gelernte Hotelkauffrau zum züchtigen Dutt aufgesteckt, unter dem grauen Poncho lugte die pinke Handtasche hervor. Aber um die letzte Weihnachtszeit herum, so erzählte sie vor Gericht, sei das Unglück von allen Seiten auf sie hereingebrochen.

Weil ihr Freund in Niedersachsen, wo sie vor einem Jahr noch lebte, sie verlassen hatte, kehrte sie mit ihrem fünfjährigen Sohn und hochschwanger mit dem zweiten Kind nach Schwerin zurück. Wegen eines lädierten Rückens war sie zudem krankgeschrieben. Deshalb hatte ihr offenbar ihr Arbeitgeber – wenn auch zu Unrecht – gekündigt, und weigerte sich, eine Lohnbescheinigung auszustellen. Ohne Lohnbescheinigung wiederum wollte ihr kein Vermieter eine Wohnung überlassen. Weder das Jugendamt noch das Sozialamt oder die Sozialverbände hätten ihr geholfen, so die Angeklagte. Die Behörden waren der Meinung, die Kündigung der Arbeitsstelle sei nicht rechtens, weshalb sie ja Lohn zu bekommen habe. Auch von ihrer Familie bekam sie keine Unterstützung, weil sie mit den Eltern „heillos zerstritten“ war.

Also klingelte sie bei einer Vermieterin in der Altstadt, die eine Zwei-Zimmer-Wohnung anbot. Zwei Wochen später zog sie aus, ohne die 600 Euro Miete zu bezahlen. In der Schelfstadt fanden Mutter und Kind für einige Tage in eine Ferienwohnung Unterschlupf und blieben 490 Euro schuldig. Danach mietete die Schwangere eine möblierte Wohnung in der Paulsstadt. Hier zahlte sie 300 Euro für die ersten zehn Tage. Allerdings blieb sie zehn Tage länger. Die Vermieterin wurde misstrauisch und erstattete Anzeige. Da die Angeklagte in allen drei Fällen ihren richtigen Namen angegeben hatte, kam die Polizei ihr schnell auf die Spur.

Richter Schmachtel hatte Verständnis für die Notlage, in der die Angeklagte steckte. Allerdings hatte sie bereits sechs kleinere Vorstrafen wegen Betrugs und Diebstahls im Register. So verhängte Schmachtel genau die Strafe, die die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Zudem riet er der Angeklagten, ihre Schulden bei den Vermietern zu begleichen. Die Adressen seien ihr ja bekannt.

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