zur Navigation springen

Landwirtschaft MV : Milchkrise: Nothilfe für Bauern läuft an

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Land startet Bodenaufkaufprogramm. Backhaus: Misere wie seit 25 Jahren nicht

svz.de von
erstellt am 04.Mai.2016 | 06:00 Uhr

Druck am Melkstand: Die Preiskrise auf dem Milchmarkt bringt die Bauern in MV immer stärker in Not. Seit Jahresbeginn hätten 22 Betriebe ihre Milchproduktion aufgegeben und ihre 4500 Kühe ausgestallt, erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern gegenüber unserer Redaktion. 2015 hatten mehr als 60 Milchviehbetriebe in MV – fast zehn Prozent aller Betriebe – die Produktion eingestellt. Sowohl in der Milch- als auch in den Schweinebetrieben müsse mit massiven Einbrüchen gerechnet werden: „Wir steuern auf eine Situation zu, die es in den letzten 25 Jahren nicht gegeben hat“, sagte Backhaus. Inzwischen erhielten die Bauern nur noch 20 Cent, einige sogar nur noch 15 Cent für einen Liter Milch, kritisierte Christian Karp, Landeschef des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) gestern. Die von Aldi und Norma zu Wochenbeginn eingeleitete neue Preisrunde treibt die Bauern noch tiefer in die Krise: „Das beschleunigt das Höfesterben noch mehr“, kritisierte Karp: „Das ist nur noch desaströs.“ Die Discounter hatten am Montag eine neue Preisrunde eingeläutet. Ein Liter Trinkmilch kostet nur noch 46 Cent – fast 25 Prozent weniger als bisher.

Mit dem Preisrutsch geht den Bauern langsam das Geld aus: Das Land hat daher die Nothilfe für Milchvieh- und Schweinehalter anlaufen lassen und ein 28-Millionen-Boden-Ankaufprogramm gestartet. Über die Landgesellschaft kaufe das Land in Liquiditätsnot steckenden Betrieben zu einem in der Region üblichen mittleren Preis für maximal eine Million Euro pro Fall Boden ab, den die Bauern pachten und nach sechs Jahren zurückkaufen könnten, erklärte Backhaus. Die ersten sechs Anträge seien genehmigt, 1,5 Millionen Euro ausgezahlt worden. Weitere drei Verträge mit 1,5 Millionen Euro stünden kurz vor dem Abschluss. Das verschaffe den Betriebe Liquidität, sagte Backhaus. Für das Notprogramm habe das Land der Landgesellschaft den Kreditrahmen um 20 Millionen Euro erweitert und acht Millionen Euro aus dem Sondervermögen zur Verfügung gestellt. Der Landeshaushalt werde nicht belastet. Es müsse verhindert werden, dass MV zur veredlungsfreien Zone werde, begründete Backhaus die Hilfe. Darüberhinaus wolle das Land mit Bürgschaften zur Absicherung der Betriebsfinanzierungen helfen. Das Bürgschaftsvolumen reiche bei Garantien von 500 000 Euro pro Fall für 140 Betriebe. Zudem stunde das Land Bauern Steuerzahlungen und die Pacht für Landesflächen und habe den Fonds für kostenfreie Beratungen für in Schwierigkeiten geratene Betriebe erhöht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen