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Unter Druck : Milchkontor setzt Ruf aufs Spiel

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Aus der Onlineredaktion

Niedrige Milchpreise, niedrige Löhne, Werksschließung: Deutschlands größte Molkerei bringt Nordosten gegen sich auf

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2017 | 11:50 Uhr

Frustrierte Bauern, verärgerte Mitarbeiter, enttäuschte Steuerzahler: Das Deutsche Milchkontor (DMK) ist in Mecklenburg-Vorpommern unter massiven Druck geraten. Nach Schließungsplänen, Billiglöhnen und niedrigem Milchgeld setzt Deutschlands größte Molkerei im Nordosten ihren Ruf aufs Spiel.

Den Bauern reicht es: Der Konzern habe ihnen jahrelang weisgemacht, dass durch die nach dem Zusammenschluss der beiden Verarbeiter Humana und der Nordmilch zum DMK erlangte Größe Wettbewerbsvorteile erreicht und die Marktstellung verbessert werden könnten, kritisierte Bauernpräsident Detlef Kurreck den DMK-Kurs: „Die Effekte sind nicht eingetreten.“ Stattdessen zahlte das DMK den Milcherzeugern mit die niedrigsten Milchgelder. Einer Analyse des niederländischen Bauernverbandes LTO zufolge wurden im vergangenen Jahr im Schnitt gerade mal knapp 25 Cent je Liter ausgezahlt – Platz 13 im europäischen Molkereivergleich der 16 größten Unternehmen.

Die Landwirte haben die Konsequenzen gezogen: In MV und den anderen Bundesländern kündigten inzwischen etwa 1100 Landwirte ihre Lieferverträge, wodurch dem Milchkontor zum Januar 2019 etwa 1,7 Milliarden Liter Milch fehlen werden. Die Landwirte hätten dem Milchkontor einen Vertrauensvorschuss gegeben, der von der Molkerei endlich eingelöst werden müsse, forderte Kurreck: „Das Milchkontor darf sich nicht aus der Verantwortung ziehen.“

Deutschlands größter Milchverarbeiter ist indes auch unter den eigenen Mitarbeitern in MV in Verruf geraten: Nach wie vor zahle der Konzern in den sechs DMK-Firmen in MV weniger Lohn als im Durchschnitt des Firmenverbundes, kritisiert die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Dabei seien die Firmen im Nordosten moderner und profitabler als im Westen. Nach Angaben der Gewerkschaft bekommen die 650 Mitarbeiter bis zu zwei Euro je Stunde weniger als im Westen. Zudem fielen Sozialleistungen geringer aus. „Die Mitarbeiter sind es leid“, sagte NGG-Landesgeschäftsführer Jörg Dahms. Das sei „beleidigend und nicht mehr hinnehmbar“. Das Milchkontor stelle sich in der Öffentlichkeit zwar gern als sozialer Arbeitgeber dar, missachte mit seiner Lohnstrategie in MV aber die Leistungsfähigkeit der Kollegen im Nordosten.

Der Frust wächst: Die DMK-Unternehmensstrategie stößt auch dem Steuerzahler übel auf. So habe die öffentliche Hand u. a. Investitionen in den Firmen des Deutschen Milchkontors in MV in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten mit mindestens knapp 14 Millionen Euro gefördert. Trotz der sich daraus ergebenen Wettbewerbsvorteile hält der Konzern seine Beschäftigten kurz und plant zumindest eine Werkschließung auf der Insel Rügen. Den Plänen zufolge gibt das DMK spätestens 2019 die Produktion des Rügener Badejungen in der Käserei Bergen auf Rügen auf. In das Unternehmen flossen seit 1991 nach Auskunft des Landwirtschaftsministerium mindestens 7,3 Millionen Euro an Subventionen. Die DMK-Firmen seien gut mit Steuergeldern gefördert worden, meinte Gewerkschafter Dahms: Dann müsse der Konzern auch soziale Belange umsetzen.

Die Vorwürfe lassen das Deutsche Milchkontor ziemlich kalt: Alle Förderauflagen seien erfüllt worden, teilte eine Sprecherin lediglich mit. Zu laufenden Tarifverhandlungen wolle man keine Stellung nehmen. Und um die Schließung der Käserei in Bergen auf Rügen komme das Unternehmen aufgrund der Kosten für die Produktion des Weichkäses nicht herum. Zuletzt habe das jährliche Defizit für die DMK rund zwei Millionen Euro betragen.

 

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