Landtag fordert Erhalt der Direktzahlungen : Milchbauern unter Druck

Willi Geese füllt frische Milch vor einer der ersten Milchtankstellen in MV, der Agrargemeinschaft Holthusen bei Schwerin. Der Landtag beschäftigte sich gestern mit der Entwicklung auf dem Milchmarkt. dpa-Archiv
Willi Geese füllt frische Milch vor einer der ersten Milchtankstellen in MV, der Agrargemeinschaft Holthusen bei Schwerin. Der Landtag beschäftigte sich gestern mit der Entwicklung auf dem Milchmarkt. dpa-Archiv

Den Milchbauern in MV droht nach der letzten Absatzkrise 2009 erneut ein deutlicher Preisverfall. Nach Höchstpreisen von knapp 35 Cent je Kilogramm Milch im Jahr 2011 werden derzeit 31 Cent gezahlt, Tendenz fallend.

svz.de von
22. Juni 2012, 07:05 Uhr

Schwerin | Den Milchbauern in Mecklenburg-Vorpommern droht nach der letzten Absatzkrise 2009 erneut ein deutlicher Preisverfall. Nach Höchstpreisen von knapp 35 Cent je Kilogramm Milch im Jahr 2011 würden derzeit 31 Cent gezahlt, Tendenz weiter fallend, erklärte Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern im Landtag. "Wir sehen graue Wolken am Horizont aufziehen", sagte er, warnte aber davor, "eine Krise herbeizureden." So sei davon auszugehen, dass der Weltmarktbedarf an Milch weiter steige. Gut 40 Prozent der in Deutschland produzierten Milch würden exportiert, meist als Milchpulver.

Der Landtag forderte in einem mit den Stimmen von SPD, CDU und Linke verabschiedeten Antrag, den etwa 1000 Milch produzierenden Agrarbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern ein verlässliches Einkommen zu sichern. Dazu sollen die EU-Direktzahlung erhalten bleiben und für große Betriebe nicht gekappt werden. Investitionen in die Milchviehhaltung sollen weiterhin gefördert werden, ebenso die Gründung von Erzeugergemeinschaften. Damit solle die Milchwirtschaft im Nordosten auch auf das Ende der Milchquotenregelung ab 2015 und den damit erwarteten höheren Konkurrenzdruck vorbereitet werden.

Der Linken-Abgeordnete Fritz Tack hob wie Backhaus die Bedeutung der Milchwirtschaft hervor. "Kühe in Ställen und auf der Weide sichern Arbeitsplätze in den Dörfern, erhalten Wiesen und Weiden", betonte er.

Den Lebensmittel-Discountern warf Tack vor, mit Billigangeboten für Milch und Milchprodukte die Preisspirale nach unten wieder in Gang zu setzen. Die vier großen Ketten würden in Deutschland 85 Prozent der Trinkmilch und Milchprodukte vermarkten.

Die Grünen forderten radikale Reformen, mit denen die Umstellung auf ökologische Landbewirtschaftung beschleunigt und die Überproduktion industriell produzierter Lebensmittel verhindert werden.

Die staatliche Förderung von Milchviehanlagen lehnen sie ab. "Alles, was eine weitere Steigerung der Milchmengen fördert, ist kontraproduktiv", sagte die Grünen-Abgeordnete Ursula Karlowski. Sie sprach sich dafür aus, freiwillige Mengendrosselungen mit Prämien zu belohnen und die Verbraucher besser über die Herkunft der Produkte zu informieren, damit sie sich bewusst entscheiden könnten.

Der Präsident des Landesbauernverbandes, Rainer Tietböhl, sagte, im Mai hätten die Molkereien für den Liter Milch im Durchschnitt noch 30 Cent gezahlt, für Juni seien 29 in Aussicht gestellt worden. "Das ist ein Preis, mit dem wir nicht klarkommen", sagte Tietböhl.

Alle anderen Kosten für Kraftstoffe, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Energie würden steigen. Er könne die Preispolitik nicht nachvollziehen, da die staatlichen Interventionslager und die Lager der Molkereien nicht gefüllt seien.

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