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Milchkrise spitzt sich zu : Milch teurer, Bauern trotzdem in Not

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Preiserhöhungen bei Aldi & Co. gehen ins Leere - 60 Milchbauern in MV geben auf

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2015 | 07:45 Uhr

Die Milchkrise spitzt sich zu: Die von den Discountern Aldi Nord und Süd, Lidl sowie Netto zu Monatsbeginn angekündigten Preiserhöhungen für Trinkmilch und Butter geht an den Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern vorbei. Von dem Geld komme in den Betrieben nichts an, kritisierte Harald Elgeti, Chef des Bauernverbandes Ludwigslust. Die Discounter hatten angekündigt, wegen der angespannten Lage vieler Milchbauern die Preise für Trinkmilch und Butter zu erhöhen – um vier Cent je Liter Trinkmilch, um zehn Cent für Butter. Die Milchabrechnungen der Landwirte seien aber gleich geblieben. Das Milchgeld von derzeit rund 28 Cent je Liter sei nach wie vor nicht auskömmlich, sagte Elgeti.

Die Lage verschärft sich von Monat zu Monat: Ein Überangebot an Milch hat die Bauern in eine der tiefsten Krisen gestürzt. Der schwächelnde chinesische Markt und die seit August 2014 geltenden Handelsbeschränkungen mit Russland lassen den Absatz stocken. Inzwischen hätten bereits etwa 60 Milchviehbetriebe im Land in den vergangenen Monaten aufgeben müssen, erklärte Elgeti. Halte der Preisverfall an, sei mit weiteren Schließungen zu rechnen.

Die Preiserhöhungen der Discounter scheint für die Bauern zum Nullsummenspiel zu werden: In der Branche wird damit gerechnet, dass mit dem Ende der Preisverhandlungen für die anderen Molkereiprodukte Ende dieser Woche die höheren Preise bei der Trinkmilch durch niedrige Preise für andere Produkte wie Quark oder Sahne wieder wettgemacht werden. Da werde von den Discountern die Not der Betroffenen ausgenutzt, um das Herz der Verbraucher zu erweichen, kritisierte Elgeti – ohne dass die Bauern mit höherem Milchgeld rechnen können. Ohnehin liefert eine der größten Molkereien in MV, die zum Arla-Konzern gehörende Hansano-Molkerei in Upahl, nur einen kleinen Anteil der verarbeiteten Milchmenge an Aldi. „Die Lage „ist ernst“, sagte Arla-Sprecher Wolfgang Rommel: „Die niedrigen Milchpreise sind für die Bauern nicht auskömmlich.“ Für die Hansano-Bauern sei das Milchgeld im Oktober zumindest um 1,5 Cent auf einen Basispreis von 28,5 Cent je Liter gestiegen. Aber auch bei den Anfang November mit dem Lebensmittelhandel beginnenden Preisverhandlungen für Molkereiprodukte seien kaum höhere Preisabschlüsse zu erwarten. Erst im zweiten Quartal 2016 werde mit einer Erholung gerechnet.

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