Umweltbelastung : Mikroplastik schadet Gewässern in MV

Die Kläranlagen in MV können kleinste Plastik-Teilchen nicht filtern.

Die Kläranlagen in MV können kleinste Plastik-Teilchen nicht filtern.

Klärwerke schlagen Alarm: Stoffe nicht herauszufiltern. Millionenkosten drohen

svz.de von
27. Juni 2016, 05:00 Uhr

Sie stammen aus Duschgels, Zahnpasta, Peelingcremes oder von Kunstfasern: Den Gewässern in MV droht die Verunreinigung mit einer immer größer werdenden Menge winzigster Plastikteilchen. Die Teilchen könnten in den landesweit 600 öffentlichen Kläranlagen mit derzeitiger Technik nicht mehr herausgefiltert werden, schlägt die Branche Alarm. Dadurch gelange das Mikroplastik über das Abwasser in Flüsse und Nord- und Ostsee.

Bislang habe z. B. das Schweriner Abwasser nach der dritten Reinigungsstufe „Badewasserqualität“, erklärte Lutz Nieke, Chef der Schweriner Abwasserentsorgung SAE. Die biologische Reinigungsstufe sei inzwischen in allen Kläranlagen Standard und sichere, dass beispielsweise Phosphate, Stickstoff und organische Stoffe auf „nahe Null abgebaut werden“, sagte Neike.

Die bisherige Technik sei aber mit Mikroplastik in Staubkorngröße oder auch mit der wachsenden Menge von Medikamentenrückständen überfordert und könne die Stoffe nicht oder nur teilweise aus dem Abwasser herausfiltern. Neike: „In den kommenden Jahren wird sich die Situation weiter verschärfen.“

Mikroplastik von Meeresorganismen gefressen und sei nicht wieder aus der Umwelt zu entfernen, heißt es beim Bund für Umwelt und Natur (BUND). Forscher des Alfred-Wegener-Instituts Bremerhaven hatten in Makrelen, Kabeljau und anderen Speisefischen sowie in Meeresschnecken Mikroplastik nachgewiesen, das mit der Nahrung aufgenommen worden war. Die Klärwerker warnen: Der Gesetzgeber müsse die Belastung mit Mikroplastik auf die Tagesordnung setzen und erforschen lassen, forderte Neike. Notwendig seien Grenzwerte und einheitliche Analyse- sowie Messmethoden.

Abwasserkunden müssen indes mit steigenden Kosten rechnen. Die Branche denkt über den Einbau einer vierten Reinigungsstufe in den Kläranlagen nach. Die notwendige Technik gebe es bereits, sagte Neike. Damit kämen auf die Branche allerdings Millionenkosten zu: Groben Schätzungen zufolge seien allein in Schwerin Investitionen von zehn Millionen Euro notwendig. Auf die Verbraucher kämen pro Kopf und Jahr Kosten in Höhe eines zweistelligen Eurobetrages zu.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen