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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 04:24 Uhr

Mieter in der Heizkosten-Falle

vom

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2012 | 07:48 Uhr

Rostock/Neubrandenburg | In ein und demselben Wohnhaus können die Heizkosten für vergleichbare Wohnungen zwischen 200 und 3500 Euro schwanken. Dem Landesverband des Deutschen Mieterbundes (DMB) zufolge sind dies nicht nur Einzelfälle, so DMB-Jurist Kai-Uwe Glause. Betroffen seien vor allem Mieter in Plattenbauten. Das Problem: Einrohrheizungen, bei denen die einzelnen Heizkörper über eine Ringleitung miteinander verbunden sind. „Die vertikalen Rohre strahlen ungeheuer viel Wärme ab, so dass Mieter in günstig gelegenen Wohnungen – beispielsweise in der Mitte – fast gar nicht heizen müssen. Die anderen aber müssen schon öfter den eigenen Heizkörper aufdrehen“, erläutert der Jurist die erheblichen Kostendifferenzen. Der Mieterbund versuche derzeit, mit Vermietern auszuhandeln, dass die Spannen zumindest etwas abgesenkt werden – auf Werte zwischen 450 bis 2000 Euro. Auch dann wären viele Mieter aber immer noch überproportional belastet.

An die Vermieter appelliert in diesem Zusammenhang auch Horst-Ulrich Frank, Fachberater für Bauen und Energie bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. „Die seit 2009 geltende Heizkostenverordnung eröffnet Vermietern die Möglichkeit, in Häusern mit einer überwiegenden Rohrwärmeabgabe die Heizkosten anders abzurechnen“, so Frank. Zusätzlich zu dem per Heizkostenzähler ermittelten Verbrauch dürfe auch ein Teil der Rohrwärme mit erfasst und auf „begünstigte“ Mieter umgelegt werden. „Allerdings führte das bei einer Vielzahl von Mietern zu erheblichen Nachzahlungen, die im Familienbudget nicht vorgesehen waren“, so Frank. „Nach uns vorliegenden Abrechnungen haben sich die Abrechnungskosten im Zusammenhang mit der Rohrwärmeberechnung um mehr als zehn Prozent erhöht“, konstatiert der Verbraucherschützer. Problematisch ist Frank zufolge neben den komplizierten Abrechnungsmodalitäten auch, dass Mieter, die Energie sparen wollen, durch das neue Abrechnungsverfahren nicht unterstützt werden. „Denn bei der rechnerischen Ermittlung findet ihr individuelles Verbrauchsverhalten keine Berücksichtigung.“ Zielführender wäre aus seiner Sicht, wenn Vermieter über bauliche Veränderungen wie die Dämmung der Rohrleitungen oder das Herunterfahren der Vorlauftemperatur den Heizwärmeverbrauch regulierten. „Effizienzverbessernde Maßnahmen müssen in jedem Fall Vorrang haben“, fordert Frank.

Die 153 großen Wohnungsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern haben seit der Wende weit über zehn Milliarden Euro investiert. 97 Prozent ihrer Wohnungsbestände sind nach Angaben des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen teil- bzw. vollmodernisiert.


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