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3,8 Milliarden Euro für Handysparte : Microsoft verleibt sich Nokia ein

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Schlussverkauf in der Mobilfunk-Industrie: Für gerade einmal 3,8 Milliarden Euro kann sich der Windows-Riese Microsoft die Nokia-Handy-sparte einverleiben. Die Finnen beherrschten einst die Mobilfunkbranche.

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erstellt am 03.Sep.2013 | 06:36 Uhr

Espoo/Berlin | Schlussverkauf in der Mobilfunk-Industrie: Für gerade einmal 3,8 Milliarden Euro kann sich der Windows-Riese Microsoft die Nokia-Handy-sparte einverleiben. Die Finnen beherrschten einst die Mobilfunkbranche, verpassten dann aber den Smartphone-Trend und wagten vor gut zwei Jahren mit Windows Phone einen Neustart mit bislang begrenztem Erfolg. Daher zweifeln einige Experten, ob Microsoft mit dem Schnäppchenkauf eines taumelnden europäischen Technologie-Riesen seine Position in der Aufholjagd gegen Google und Apple spürbar verbessern kann.

Für das Geschäftsmodell von Microsoft bedeutet der Nokia-Deal jedenfalls eine radikale Wende: Der Software-Konzern wurde groß damit, seine Windows-Software an PC-Hersteller zu verkaufen. Die Vielzahl der Windows-Rechner eroberte schnell den Computermarkt. Der Pionier Apple wurde nahezu zermalmt. Apple-Gründer Steve Jobs und seine Nachfolger hatten stets darauf beharrt, Software und Hardware zu kontrollieren. Für Windows sei dagegen das "Ökosystem" mit den vielen Partnern der Schlüssel zum Erfolg, wiederholten Microsoft-Manager gebetsmühlenartig.

Doch jetzt, nach dem späten Triumph der Apple-Strategie mit iPhone und iPad, vollzieht auch Microsoft eine Kehrtwende. Mit dem Kauf von Nokia wird der Software-Konzern auf einen Schlag zum zweitgrößten Handy-Anbieter der Welt. Wenn die Verbraucher künftig ein Lumia-Smartphone kaufen, will Microsoft ihnen ein Gerät bieten, bei dem Software und technisches Innenleben aufeinander abgestimmt sind.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Google. Mit der 12,5 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Motorola kann Google inzwischen auch Hard- und Software aus einer Hand anbieten. Allerdings spielt Motorola unter den Anbietern der Android-Smartphones bisher nur eine kleine Rolle, weil dieses Geschäft in weiten Teilen von Samsung dominiert wird. Einige Smartphones mit Windows Phone gibt es zwar auch von Herstellern wie Samsung, HTC oder LG. Über 80 Prozent der Windows-Handys stammen jedoch von Nokia.

Microsoft werde weiterhin Dienste auch für iPhones oder für Samsungs Galaxy-Geräte mit Android anbieten, so Microsoft-Boss Steve Ballmer in einer Telefonkonferenz. "Aber wir können auf diesen Plattformen kein volles und erstklassiges Erlebnis bieten." Außerdem sei man dort auf das Wohlwollen von Apple und Google angewiesen. Und schließlich werde Microsoft künftig rund 40 Dollar pro Lumia-Smartphone einsacken statt der bisherigen Einnahmen von 10 Dollar für die Windows-Phone-Lizenz.

Im Wettbewerb mit iOS von Apple und Android von Google hinkt Windows Phone weit hinterher. Nokia und Microsoft haben sich in den vergangenen Jahren selbst in diese missliche Lage hineinmanövriert. Ballmer lachte 2007 vor TV-Kameras das iPhone aus und konnte sich den Aufstieg von Apple als Smartphone-Hersteller nicht vorstellen. Nokia klammerte sich zu lange an sein veraltetes Symbian-Betriebssystem. "Aus zwei Puten wird kein Adler", giftete Google-Manager Vic Gundotra bei Twitter bereits als Microsoft und Nokia ihre Partnerschaft Anfang 2011 bekanntgaben. Schon damals vermuteten viele Branchenbeobachter, es werde nicht dabei bleiben, dass Nokia auf Windows Phone als Betriebssystem für seine Smartphones setzt. Microsoft-Manager Stephen Elop gilt als Kandidat für den Microsoft-Chefposten. Schließlich hatte Ballmer bei seiner Rückzugs-Ankündigung betont, der nächste Chef müsse den Wandel zu einem Anbieter von Geräten und Diensten vorantreiben.

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