Papenburger Meyer Werft : Meyer steht zur Neptun-Werft

Groß im Geschäft: In Papenburg (Foto) baut die Meyer-Werft Kreuzfahrer für den Ozean-Einsatz, in Rostock für Flusskreuzfahrten.
1 von 2
Groß im Geschäft: In Papenburg (Foto) baut die Meyer-Werft Kreuzfahrer für den Ozean-Einsatz, in Rostock für Flusskreuzfahrten.

Er setzt auf Rostock, baut den Standort aus, lässt dort die Herzstücke der Kreuzfahrer bauen: Heute feiert Werftchef Bernard Meyer seinen 70.

von
24. Mai 2018, 05:00 Uhr

An ihm kommt in der Branche kaum einer vorbei: Bernard Meyer, Chef der Papenburger Meyer Werft. Er hat das Unternehmen zu einem der führenden Schiffbaubetriebe im Kreuzfahrtgeschäft entwickelt, mit Standorten in Rostock und im finnischen Turku. Allein sieben Kreuzfahrer baute Meyer für die Aida-Flotte. Heute feiert der Firmenpatriarch seinen 70. Geburtstag. Mit ihm und einem seiner Nachfolger, seinem Sohn Tim Meyer, sprachen Berthold Hamelmann, Hermann-Josef Mammes und Gerd Schade.

Herr Meyer, was wünschen Sie sich zum Geburtstag?
Bernard Meyer: 2020 besteht unser Unternehmen 225 Jahre. Ich wünsche mir, dass es weitere 225 Jahre existieren und weiterhin erfolgreich von Familienmitgliedern gemanagt werden kann.

Wie vollzieht sich der Übergang auf die siebte Meyer-Generation?
Nach innen haben wir den Generationswechsel bereits vollzogen. In Turku sind es mein Sohn Jan und Tapani Pulli und hier in Papenburg mein Sohn Tim und Thomas Weigend. Mein dritter Sohn Paul kümmert sich um den Bereich IT. Der Übergang bei uns ist ein fließender Prozess. Aus dem Tagesgeschäft habe ich mich bereits zurückgezogen.

Wie hoch ist Ihr Marktanteil am weltweiten Kreuzfahrtschiffbau?
Tim Meyer: Mit Turku zusammen liegt er bei 40 Prozent.

Die Werft will in Papenburg ein Logistikzentrum für alle drei Werftstandorte errichten. Was haben Sie dort vor?
Tim Meyer: Die Idee ist, dass wir unsere Warenströme konsolidieren und bedarfsbezogen auf die Werft bringen. Wir bauen die kompletten Maschinenräume inklusive LNG-Tanks in Rostock. Rohre aus Papenburg gehen nach Rostock, sogenannte Units gehen nach Rostock. Und dann geht der Maschinenraum entweder nach Turku oder nach Papenburg.

Die Neptun-Werft Rostock hat sich mit Flusskreuzfahrtschiffen einen Namen gemacht und bekommt mit den MV Werften Konkurrenz. Wie bewerten sie den Einstieg des Genting-Group aus Malaysia in die drei Werften in Mecklenburg-Vorpommern das Kreuzfahrtgeschäft?
Tim Meyer: Wir sehen es sehr positiv, dass so ein Engagement in Deutschland stattfindet und der Schiffbau in Deutschland gestärkt wird. Das stärkt den Zuliefermarkt und die Diversität des Schiffbaus an sich. Wir sind 1997 in Rostock eingestiegen, haben Reparaturen und Lukendeckel gemacht, dann die ersten Flusskreuzfahrtschiffe gebaut. Nun produzieren wir Maschinenraumsektionen, die so genannten Floating Engine Room Units. Die Herzstücke unserer Kreuzfahrtschiffe werden also in Rostock gebaut – sowohl für Turku als auch für Papenburg. Dadurch, dass wir Maschinenraummodule dort konzentriert und in Serie fertigen, schaffen wir konkurrenzfähige Effizienz. Das bedeutet eine Stärkung und auch ein klares Bekenntnis zum Standort. Das gilt auch für die neue Halle, die fast fertig ist. Zudem werden wir auch in Zukunft wieder Flusskreuzfahrtschiffe bauen.

Anfang der 90er-Jahre wollte Meyer auf Rügen eine neue Werft bauen – und scheiterte am Widerstand auf der Insel. Was sagt Meyer 26 Jahre später: Gott sei Dank oder vertane Entwicklungschance?
Bernard Meyer: Es war nicht nur der Widerstand vor Ort, sondern schon globaler. Die Ostwerften bekamen damals eine gewaltige nationale Förderung, die in Brüssel genehmigt werden musste. Aber nur, wenn man gleichzeitig die Kapazität abbaut. Neptun sollte sterben. Nachdem wir dann 1997 dort eingestiegen sind, kamen wir auf die Idee, Binnenkreuzfahrtschiffe zu bauen. Das war erlaubt. Aus dem Malus ist für uns also ein Bonus geworden. Dank der Binnenkreuzfahrtschiffe haben wir überlebt.

Zuletzt haben Sie sich angesichts des steigenden Einflusses staatlicher Schiffbauunternehmen, beispielsweise durch Fincantieri bei STX France, besorgt gezeigt. Was bedeutet das für die Werften der Meyer-Gruppe?
Bernard Meyer: Dass der Wettbewerb ungleich und in gewisser Weise auch unfair ist. Es wird einen Zusammenschluss zwischen der Werft in Italien und der in Frankreich geben. Beide sind staatlich dominiert, also im Prinzip Staatswerften.
Was aus unserer Sicht viel schlimmer ist, ist die Konkurrenz, die sich in China aufbaut. Wir wissen, dass sie in den nächsten fünf Jahren kommen wird – koste es, was es wolle. Da ist es egal, ob die ersten fünf Schiffe gut sind, oder nicht. In China gibt es intern einen starken Markt mit hohen Wachstumsraten.

Wohin führt Sie Ihre nächste Kreuzfahrt?
Bernard Meyer: Ich habe derzeit keine geplant, würde aber gerne wieder eine machen, möglichst jedoch nicht auf einem Meyer-Schiff.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen