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Sechs Soldaten in Rostock angeklagt : Meuterei auf der "Hermelin"

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An Bord von Schiffen herrschen raue Sitten. Sechs Marinesoldaten müssen sich nun wegen des Vorwurfs der Meuterei verantworten. Sie sollen während eines Auslandseinsatzes einen Vorgesetzten gefesselt und beschmiert haben.

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erstellt am 28.Jun.2013 | 06:23 Uhr

Rostock | Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesmarine sind Soldaten wegen Meuterei angeklagt worden. Die Rostocker Staatsanwaltschaft beschuldigt sechs junge Besatzungsmitglieder des in Rostock stationierten Schnellboots "Hermelin" außerdem der gefährlichen Körperverletzung und der gemeinsamen Freiheitsberaubung. Sie sollen im Februar einen Vorgesetzten gefesselt und ihm den Satz "Hier wohnen die Mongos" aufs Bein geschrieben haben. Allein für Meuterei droht den sechs Männern eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren.

Eine Tat ohne rassistisches Motiv

Obwohl der angegriffene Bootsmann thailändische Vorfahren hat, gibt es nach Angaben der Ermittler für den Vorfall keinen rassistischen Hintergrund. "Sie wollten dem Bootsmann einen Denkzettel verpassen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber unserer Zeitung. Das Wort "Mongos" sei an Bord des Schnellboots "inflationär" benutzt worden. Der Geschädigte soll es allerdings vor dem späteren Angriff der sechs Soldaten vor versammelter Mannschaft in abfälliger Weise gebraucht haben.

Mitte Februar nahm die 60 Meter lange "Hermelin" an der Beobachtungsmission Unifil im Libanon teil und lag im Hafen von Beirut. 36 Mann gehören zur Normbesatzung der "Hermelin". Als es offenbar darum ging, die Schlafplätze neu einzuteilen, wurde der Bootsmann von einem seiner Vorgesetzten gefragt, ob er den Unterschied zwischen Kammern und Decks an Bord kenne. Darauf antwortete er wohl, in den Kammern wohnten die Offiziere und die höheren Unteroffiziere, und in den Decks die "Mongos". Damit meinte er die übrige Besatzung.

Am selben Abend holten die sechs Beschuldigten den Bootsmann aus seiner Koje. Sie fesselten ihn mit starkem Klebeband auf einen Tisch und beschrieben sein Bein mit dem "Mongo"-Satz. Ein Obermaat fotografierte den Angriff, bevor ein Wachsoldat dem Angegriffenen zur Hilfe kam und den Kapitän alarmierte. Zwar trug der Bootsmann keinerlei schwerwiegende Verletzungen davon. Weil die Soldaten gemeinschaftlich vorgingen, lautet die Anklage dennoch auf "gefährliche Körperverletzung", so die Staatsanwaltschaft.

Was die Angreifer als "Denkzettel" oder auch als "Aufnahmeritual" in den Schlafplätzen der niederen Ränge angesehen haben mochten, war der Marineführung eindeutig zu weit gegangen. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf, kündigte unmittelbar danach "ein hartes Vorgehen" an.

Hartes Vorgehen durch Marine selbst

Mehrere Beschuldigte wurden umgehend zurück nach Deutschland geschickt. Neben dem Strafverfahren haben sie jetzt Dis ziplinarverfahren der Marine am Hals, die bis zu einem Urteil durch das Amtsgericht Rostock ruhen. Ihnen drohen zusätzliche Geldstrafen, eine Degradierung oder sogar die Entlassung. Derzeit seien sie jedoch alle noch im Dienst, sagte gestern ein Sprecher der Marine in Rostock. Intern heißt es, sie würden inzwischen auf verschiedenen Schiffen eingesetzt. Die "Hermelin" kehrte unterdessen Ende Mai zusammen mit ihrem Schwesterschiff "Gepard" aus dem Auslandseinsatz nach Deutschland zurück.

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