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Prozessauftakt : Messerstecher landet vor Gericht

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mitglied der verbotenen „Schwarzen Schar“ zog auf Hagenower Stadtfest im letzten Jahr die Klinge / Gestern erster Prozesstag

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 07:47 Uhr

Gut neun Monate liegt die folgenschwere Messerstecherei auf dem Stadtfest in Hagenow zurück. Gestern nun hat unter starken Sicherheitsvorkehrungen vor dem Hagenower Amtsgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Dem 26-Jährigen - laut Staatsanwalt ein Mitglied der inzwischen verbotenen Wismarer Rockervereinigung „Schwarze Schar“ – wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er schweigt vorerst zu den Tatvorwürfen.

Am Tattag im Juni soll eine Bemerkung zu seiner Lederkutte des Wismarer Motorradclubs „Schwarze Schar“ , die der mutmaßliche Täter als „respektlos“ empfand, Auslöser der Tat gewesen sein. Die drei Opfer der Attacke, ein 48-jähriger Mann, dessen erwachsener Sohn und ein Freund des Sohnes, berichteten gestern als Zeugen von dem Geschehen, an dessen Folgen sie immer noch zu tragen haben.

Der Angeklagte soll zunächst die beiden Jüngeren mit der Faust und dem Messer angegriffen haben. Dem Vater, der den Angreifer zur Rede habe stellen wollen, hat der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft mit einer Messerklinge mehrere, zum Teil tiefe Stiche zugefügt. Der Beschuldigte zog ein feststehendes Messer und ging auf den Mann zu. Als der zurückwich, stolperte er über einen Stein und fiel zu Boden. Diese Lage ausnutzend, stach der mutmaßliche Täter sofort mit dem Messer auf den Mann ein.

Die Staatsanwaltschaft war zunächst von einem Tötungsvorsatz mit dem Mordmerkmal „niedrige Beweggründe“ ausgegangen, war später aber davon wieder abgerückt. Der mutmaßliche Täter saß von Ende Juni bis Anfang August in Untersuchungshaft.

Das Gericht überwies den Fall an die Schwurgerichtskammer des Landgerichts, weil der Tötungsvorsatz nicht auszuschließen ist.

Einen Monat nach dem Vorfall auf dem Stadtfest in Hagenow löste sich die „Schwarze Schar MV Wismar“ nach eigenen Angaben angeblich auf. Anfang Januar kam dann die tatsächliche Auflösung per Verbot durch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mit Hausdurchsuchung und Inbeschlagnahme des Vereinshauses im Gewerbegebiet Gägelow. Der Minister reagiert damit auf zahlreiche Straftaten, die der Rockervereinigung angelastet werden. Den Verein gab es seit Ende 2008. Er beanspruchte Wismar als sein Territorium und gilt wie die „Hells Angels“ als gewaltbereite Rockergruppierung. Viele der Mitglieder – wie ihr Anführer Philip Schlaffer – kommen aus der Wismarer Neonazi-Szene. Schlaffer gehörte der Kameradschaft „Werwolf“ in der Hansestadt an. 2006 sorgte ein Video für Aufsehen. Es zeigt heutige Mitglieder der „Schwarzen Schar“, wie sie aus einem rechtsextremen Szene-Shop heraus mit Baseballschlägern und Latten Mitglieder einer antifaschistischen Demonstration bedrohen.

Erst am vergangenen Wochenende wurden zwei mutmaßliche Drogenkuriere von der Polizei festgenommen, die dem Umfeld der verbotenen „Schwarze Schar“ zugerechnet werden. Fahnder des Landeskriminalamtes hatten die Männer an der Abfahrt Wismar-Mitte gestoppt und in deren Wagen unter dem Beifahrersitz 250 Gramm Kokain sichergestellt. Das Rauschgift soll nach ersten Schätzungen einen Marktwert von knapp 25 000 Euro haben. Ihnen drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen zwischen ein und 15 Jahren.

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