Serie: Hier produziert, hier gekauft : Messerscharfes Handwerk

Stefan Weber in seiner Schmiede in Klein Trebbow beim Feuerschweißen
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Stefan Weber in seiner Schmiede in Klein Trebbow beim Feuerschweißen

Stefan Weber hat sich mit einer Schmiede selbstständig gemacht und fertigt hochwertige Damast-Klingen. Letzter Teil unserer Serie

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04. Mai 2017, 05:00 Uhr

Seit gut einem Monat haben wir Ihnen auf unserer regionalen Wirtschaftsseite Regionalprodukte aus MV und ihre Produzenten vorgestellt. Mit dem Schmied Stefan Weber aus Neustrelitz endet unsere Serie.

Stefan Weber setzt die Schutzbrille auf, bevor er sich dem rotglühenden Ofenloch zuwendet. „Sicherheit geht vor“, sagt er. Der 38-jährige gebürtige Neustrelitzer machte sich vor einem Jahr mit einer Schmiede im Ortsteil Klein Trebbow selbstständig. „Eine völlige Neugründung: Ich wusste von Anfang an, dass ich einen langen Atem brauchen werde.“ Die Kunst des Feuerschweißens, eine der ältesten Bearbeitungsmethoden für Eisen überhaupt, habe ihn schon als Kind fasziniert. Wenn andere Jungs in der Schule Lokführer werden wollten, interessierte er sich brennend für das Verfahren, hölleheißen Stahl per Muskelkraft zu formen.

Weber lebt seinen Traum. Seine Spezialität sind superscharfe Damastmesser aus mehrlagig gefaltetem Stahl, wie sie aus Japans Sushi-Küchen oder auch von Sterne-Köchen bekannt sind. Der gelernte Metallbauer, der die praktische Ausbildung bei einem alten Schmied in Penzlin absolvierte, denkt weiter und drückt erneut die Schulbank: Seit März nimmt der Jungunternehmer an der Freien Universität Berlin im Fachbereich Veterinärmedizin an einer Fortbildung zum staatlich anerkannten Hufbeschlagschmied teil. „Der Boom im Pferdesport hält an, ich hoffe auf ein weiteres Standbein für meine Schmiede.“

Schmiede sind nach Auskunft der Handwerkskammern im Nordosten rar. In der Handwerksrolle sind sie nicht mal extra aufgeführt. Da werde zwischen der kleinen Dorfschmiede und dem hochmodernen Stahlbau-Unternehmen nicht unterschieden. Hinzu komme, dass der reine Hufbeschlag seit dem Jahr 2000 nicht mehr handwerksrollenpflichtig ist, sondern als Tätigkeit in der Landwirtschaft zählt. Weber betont, gerade für die medizinisch begründete Arbeit am Tier brauche es Spezialwissen.

Zurück zur Messerschmiederei. Inzwischen stimmt die Temperatur in dem selbst gebauten Ofen, der es auf 1800 Grad Celsius bringen kann. Weber erkennt an der Farbe des Propangas-Feuers: „Gut 1100 Grad, los geht’s.“ Schutzbrille auf die Augen, Handschuhe an, dann schiebt er einen Block aus neun Stahlschichten ins Ofenloch. Ist das Eisen heiß, wird es geschmiedet – per Handhammer auf dem Amboss und, um Kräfte zu schonen, auch mit einem elektrischen Federhammer. Das so bearbeitete Stück wird abgebürstet und mit einem Flussmittel überpudert. „Das verhindert das Einbinden von Luftsauerstoff.“

Schließlich bereitet Weber das Zusammenfalten des jetzt länglichen Blocks vor, schneidet ihn ein, Funken sprühen. Dann klappt er das Teil und klopft es mit voller Wucht zusammen, steckt es zurück ins Schmiedefeuer. „Geschwindigkeit ist alles, groß abkühlen soll das Eisen jetzt nicht.“ Einige Male später sieht das Schicht-Metall schon aus wie ein Stück vom Baumkuchen mit einem feinen Linienmuster – das sichtbare Merkmal edler Damaszener- oder kurz: Damast-Klingen. Am Ende besteht so ein Messer aus rund 300 Stahllagen. Zeichnungen oder Vorlagen gebe es nicht. „Das Design habe ich im Kopf“, sagt der Schmied.

Durch das lange Bearbeiten und zigfache Falten sei nun eine Klinge von besonderer Güte, Homogenität und Reinheit entstanden. „Eine Wissenschaft für sich! Und ich bin mit meiner Kunst erst ganz am Anfang“, räumt er ein. Wenn er mit seinem Produkt nach Tagen kraftzehrenden Feuerschweißens zufrieden ist und die Klinge nicht nur wunderschön gemustert schillert, sondern auch in Schärfe und Stabilität einem „High-End-Messer“ genügt, nur dann bekomme sie sein Qualitätssiegel „S.W.“ aufgeprägt, erklärt Stefan Weber. Das erste Damastmesser mit seinen Initialen kaufte ein Hobbykoch der Region.  


Kontakt: Seeschmiede Trebbow, Stefan Weber, Zum Kirchberg 6, 17235 Klein Trebbow, E-Mail: seeschmiede@web.de
 

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