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Nordic-Eigner Favorit für Volkswerft : Merkel schaltet sich in Werft-Verkauf ein

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Der Verkauf der insolventen Volkswerft Stralsund an russische Investoren steht offenbar unmittelbar bevor. Ein Jahr nach der Pleite soll der Traditionsschiffbauer vermutlich an Witali Jussufow verkauft werden.

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 08:08 Uhr

Schwerin | Rettung in letzter Minute: Der Verkauf der insolventen Volkswerft Stralsund an russische Investoren steht offenbar unmittelbar bevor. Ein Jahr nach der Pleite soll der Traditionsschiffbauer vermutlich an den Eigner der beiden Nordic-Werften in Wismar und Warnemünde, Witali Jussufow, verkauft werden. Die Übernahme soll bei Gesprächen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit der russischen Seite am Rande des gestern in St. Petersburg eröffneten G20-Gipfels eine Rolle spielen. Dabei wolle Merkel ausloten, ob Jussufow die Unterstützung der russischen Regierung habe, hieß es. Schwerin rechnet damit, dass Berlin bereits am Montag Signal geben könnte, wie es auf der Volkswerft weitergehen könnte. Vergangenen Dienstag hatte bereits Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) beim russischen Botschafter in Berlin das Engagement der Interessenten ausgelotet. Neben Jussufow ist auch ein Staatsunternehmen aus der autonomen russischen Republik Tatarstan an der Werft interessiert. Es gebe "mehrere Interessenten, mehr als zwei", erklärte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann gestern. Einzelheiten nannte er nicht. Dass auch französische Investoren die Werft im Blick haben, wollte er nicht bestätigen: "Wir sind endlich auf einem guten Weg." Er rechne damit, dass bis zur Gläubigersitzung in zwei Wochen alle Angebote vorliegen. "Der Preis entscheidet", sagte er. Mit dem Bau des gerade getauften Transportschiffes für die DFDS-Reederei habe die Werft bewiesen, dass sie Schiffe bauen kann.

Die Landesregierung drängt indes Investoren auf weitergehende Zusagen. Neben dem Preis müsse es eine Bestandsgarantie geben, Aufträge in Aussicht stehen und Arbeitsplätze gesichert werden. Anfang August hatte der russische Chef des Wirtschaftsbüros bei der russischen Botschaft, Andrey Zverev, einen Verkauf an Jussufow favorisiert.

Die Nordic-Expansionspläne sorgen indes im Kabinett für Unstimmigkeiten. Mit der Übernahme der Volkswerft würde Jussufow Eigner von drei der fünf großen Schiffbaubetriebe in MV. Kabinettsmitglieder sollen bereits vor einem Jussufow-Einstieg gewarnt haben und sich an die Privatisierung des Ost-Schiffsbaus Anfang der 90er-Jahre erinnert fühlen, heißt es in Regierungskreisen. Damals war mit der MTW Werft Wismar, der Volkswerft Stralsund, der Neptunwerft, dem Dieselmotorenwerk Rostock und dem Propellerwerk Waren der Großteil des Ost-Schiffbaus an den Bremer Vulkan verkauft worden - mit katastrophalem Ausgang. Der Bremer Vulkan meldet 1996 Insolvenz an - eine der größten deutschen Firmenpleiten und Beihilfeskandale. Am Ende waren 850 Millionen D-Mark (434 Millionen Euro) in den Kassen versickert, um Verluste bei Vulkan-Unternehmen im Westen auszugleichen. "Das wollen wir nicht noch einmal erleben", wird ein Kabinettsmitglied zitiert. Der Schiffbau in MV weitgehend in einer Hand: Für Brinkmann kein "zuschlagsentscheidendes Problem": "Das beste Angebot ist entscheidend."

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