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Versammlung in Stralsund : Merkel beschwört CDU

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Aus der Onlineredaktion

Unbeeindruckt von den jüngsten Umfrageergebnissen zieht Landespartei in den Bundestagswahlkampf

von
erstellt am 26.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Angela Merkel kommt ganz unprätentiös: Keine sonst üblichen Beifallsstürme, kein Jubel, aber zigfaches Händeschütteln. Hier in Stralsund hat die CDU-Bundesvorsitzende ihr politisches Zuhause. Hier wurde sie 2013 mit 100 Prozent auf Platz 1 der Landesliste der CDU für den Bundestag gewählt - und mit 56 Prozent von den Wählern im Wahlkreis. Das ist der Maßstab für die Landesvertreterversammlung am Sonnabend in Stralsund.

Unbeeindruckt von den jüngsten Umfrageergebnissen, zeigt sich die CDU kämpferisch für die Wahl im September: „Bei der Bundestagswahl 2013 war Mecklenburg-Vorpommern CDU-Land. Wir haben alle sechs Wahlkreise direkt gewonnen. Das wollen wir wieder erreichen", gibt Landeschef Lorenz Caffier vor. Der Vize-Regierungschef spricht vom „Zwergenaufstand“ der SPD, die einen „Funktionär ins Rennen schickt, der für ein verkrustetes Europa stehe und über 350  000 Euro an Diäten im Jahr einsteckt“. Caffier ist schnell im Wahlkampfmodus. Merkel sei hingegen die „erfolgreichste Chefin der Welt“. „Deutschland braucht dich. Europa braucht dich. Die ganze Welt braucht dich“, ruft Caffier an die Kanzlerin gerichtet. Der Innenminister fordert eine starke Bundeswehr, die Abschiebung von Flüchtlingen ohne Bleiberecht, lobt die höchste Beschäftigung in Deutschland als Erfolg der CDU. „Unser Land muss bürgerlich bleiben. Einen Wahlkampf im Schlafwagenmodus können wir uns nicht leisten.“ Langer Beifall.

Merkel beschwört die CDU als Volkspartei: „Wir sind die Partei für die Unternehmer, für die Menschen, die täglich fleißig arbeiten, die Krankenschwester, den Bierbrauer, und für diejenigen, die zu Hause für ihre Kinder sorgen und wichtig für die nächste Generation sind.“ Die Bundesvorsitzende benennt als „wichtiges Ziel der CDU für die nächsten Jahre“, mehr für junge Familien zu tun, die für die Zukunft der Gesellschaft sorgten. „Das ist eine gesamtdeutsche Aufgabe, das können wir nicht allein den Ländern überlassen“, verspricht die Kanzlerin. Sie forderte einen starken Staat – und lobt die Arbeit von Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungsdiensten. Sie kündigt steigende Investitionen in Forschung und Entwicklung an. Sie mahnt, die Menschen in Stadt und Land zu achten. „Was mit unseren Bauern passiert, das ist nicht normal. Wir wollen regional essen, dann müssen wir auch die Menschen achten, die dafür sorgen“, kritisiert sie Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Und sie fordert - auch mit Hinweis auf die Finanzverhandlungen zwischen Land und Kommunen in MV – unter langem Beifall: „Vergesst die Kommunen nicht.“ Zu Protokoll: Erneut verteidigt Merkel ihre Flüchtlingspolitik.

Dann nimmt die CDU-Chefin doch noch Bezug auf die AfD, die in Merkels Wahlkreis mit Spitzenmann Leif-Erik Holm angreifen will: „Es ist anmaßend, dass sich kleine Gruppen anschicken zu definieren, wer das Volk ist. Das Volk sind alle, jeder Einzelne.“ Deutlicher wird der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg: „Der Holm hat null Chancen.“

95 Prozent der 142 Delegierten stimmen schließlich für Merkel auf Platz 1 der Bundestagsliste. Sieben stimmen gegen sie. Es folgen Rehberg (97,8) und der Schweriner Dietrich Monstadt (78). Hauchdünn siegt auf Platz 4 Karin Strenz aus Parchim gegen den von zwei vorpommerschen Kreisverbänden nominierten Philipp Amthor (71 zu 69 Stimmen). Der 24-Jährige strebte zunächst eine Kampfkandidatur gegen Monstadt an, zog sich aber auf Platz 4 zurück und landet letztlich auf Platz 6. Peter Stein aus Rostock kommt auf Platz 5.

Kommentar: „Es grummelt im Landesverband“ – von Max-Stefan Koslik

In Stralsund war nichts mehr zu spüren von der müden Spitzenkandidatin von CDU und CSU beim Versöhnungstreffen vor zwei Wochen in München. Angela Merkel hat auf Wahlkampfmodus umgeschaltet und eine Nominierungsrede gehalten, die ihre  Konkurrenten ins Grübeln bringen könnte. 

Die Kanzlerin lobt die  Agenda 2010 und ihren Erfinder Gerhard Schröder. Sie lässt die Notwendigkeit einer Agenda 2025 aufblitzen. Sie präsentiert die CDU als Volkspartei für den Firmenchef und die Sekretärin. Ihren Konkurrenten Martin Schulz erwähnt sie mit keiner Silbe. Das zeigt den Fahrplan. Bis zur Wahl in sieben Monaten ist noch Zeit für viele Umfragen.

Und in MV? Es grummelt im Landesverband. Das zeigt nicht nur das Ergebnis der  Kampfkandidatur des Vorpommern Amthor, das zeigen auch viele Gespräche am Rande des Parteitages. Die CDU droht in eine Spaltung zwischen Vorpommern und Mecklenburgern, (Rechts)Konservativen und Merkel-Anhängern zu rutschen.

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