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Abgeschobene Ophelia aus Ludwigslust : „Menschlich wie politisch eine Katastrophe“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Abschiebung einer 18-Jährigen aus Ludwigslust nach Armenien ruft kontroverse Diskussionen in MV hervor. Freunde starten eine Online-Petition.

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erstellt am 03.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Der Abschiebungsfall der 18-jährigen Ophelia aus Ludwigslust erhitzt die Gemüter. „Niemand will Verantwortung übernehmen. Das Innenministerium schiebt es auf die Ausländerbehörde. Die Ausländerbehörde schiebt es auf das Ministerium. Beide ziehen sich darauf zurück, im Rahmen bestehender Gesetze gehandelt zu haben“, bemängelt die Organisation „Rostock hilft“. „Die Ausländerbehörden müssen nicht jede Person, die rechtlich gesehen ausreisepflichtig ist, auch an das Innenministerium zur Abschiebung melden.“ Ophelias Perspektive auf einen Aufenthalt sei gut gewesen. „Nach vier Jahren erfolgreichem Schulbesuch können Jugendliche einen Aufenthalt bekommen. Ebenso hätte sie mit dem Beginn einer Ausbildung, die sie plante, den Anspruch auf eine Duldung für die Zeit der Ausbildung gehabt, sowie einen Aufenthaltstitel mit dem Abschluss der Ausbildung.“

Zur Erinnerung: Ophelia wurde am 24. Januar aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und nach Armenien abgeschoben. Über Facebook meldet sich die junge Frau: Verstehen könne sie das alles nicht. „Die Abschiebung kam plötzlich und unerwartet.“ Momentan lebt sie bei den Eltern ihres Stiefvaters. Wie es mit ihr weiter geht, weiß sie nicht. Ob sie ihre Freunde und Familie jemals wieder in den Arm nehmen kann, bleibt ungewiss. „Ich kann nichts schreiben und lesen auf armenisch“, erzählt sie. Sie selbst spricht nur russisch und deutsch.

„Das Innenministerium kann sich nicht aus der Affäre ziehen. Abschiebungen von gut integrierten Menschen nehmen in letzter Zeit drastisch zu“, kritisiert „Rostock hilft“. „Die Botschaft, die die Ausländerbehörde und das Innenministerium jedoch gerade kolportieren, ist: Versucht gar nicht erst euch zu integrieren, wir schieben euch ohnehin ab. Menschlich wie politisch ist das eine Katastrophe“, so die Organisation in einer öffentlichen Stellungnahme.

Am Freitag starteten Freunde von Ophelia eine Online-Petition, in der Hoffnung, sie auf diesem Weg wieder nach Deutschland zurückholen zu können. David Manukjan hat bereits unterschieben. Er wolle, dass Gerechtigkeit siegt. Sira Hakobyan unterstützt die Petition, weil „Deutschland sich glücklich schätzen sollte, an denen, die sich hier einwandfrei integrieren und etwas für das Land tun. Das Leben in Armenien ist schwierig und für viele eine Hölle.“ Sie selbst sei aus dem Land geflohen. „Viele junge Frauen werden dort missbraucht und können nichts dagegen tun. Ich selbst habe nun den deutschen Pass, aber ich vergesse den schweren Weg dorthin nicht. Ich sehe mich verantwortlich, mich für ähnlich Betroffene einzusetzen.“

Die Reaktionen im Netz zu Ophelias Abschiebung überhäufen sich. Vor allem Bedauern und Unverständnis kommen dabei zum Ausdruck. „Es ist unglaublich menschenverachtend ,wie die Politik mit in Deutschland geborenen Menschen umgeht“, entsetzt sich Denis Hauff. „Diese Flüchtlingspolitik, wo einzelne aus dem Familienverband herausgerissen werden, stellt unsere Werte wie Nächstenliebe in Frage“, ergänzt Manfred Rieland.

Die Behörden berufen sich derweil auf bestehende Rechtsgrundlagen: Mit dem 18. Geburtstag seien die Voraussetzungen für Ophelias Rückführung laut Christopher Pöschke, Leiter der Ausländerbehörde im Landkreis Ludwiglust-Parchim, erfüllt gewesen. „Die Abschiebung ist rechtlich nicht angreifbar.“ Facebook-Nutzer Domenico Grützmann kann dies nachvollziehen: „Gesetz ist Gesetz. Die Ausländerbehörde macht nur ihre Arbeit. Ohne Regeln gibt’s nur Chaos.“

Hier geht es zur Online-Petition, die Ophelias Freunde ins Leben gerufen haben.

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