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Angstindex : Menschen in MV sind am ängstlichsten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Krieg, Krisen, Geld? Zuversicht so groß wie lange nicht

Die ängstlichsten Deutschen leben einer Umfrage zufolge in Mecklenburg-Vorpommern. In keinem anderen Bundesland äußerten sich die Befragten so verzagt wie im Nordosten, der mit einem durchschnittlichen Angstniveau von 50 Prozent Sachsen-Anhalt vom Spitzenplatz verdrängte. Vor allem die Sorge um steigende Preise treibt die Menschen zwischen Ahlbeck und Zarrentin um. 79 Prozent gaben an, dass sie große Angst vor höheren Lebenshaltungskosten haben. Das sei ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert aller Bundesländer, teilte die R+V Versicherung gestern mit.

Die größten Ängste der Deutschen

Die Welt scheint angesichts der internationalen Krisen aus den Fugen zu geraten. Doch die Deutschen sind zuversichtlich wie seit langem nicht mehr. Vorbei sind offenbar die Zeiten, als Terroranschläge und Euro-Krise die Bundesbürger in Panik versetzten. Das zeigt die aktuelle Befragung der R+V-Versicherung zu den „Ängsten der Deutschen“, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Der Angstindex als Durchschnittswert aller abgefragten Ängste sank um zwei Prozentpunkte. Demnach schauen nur noch 39 Prozent sorgenvoll in die Zukunft, auf dem Höhepunkt der Eurokrise war es noch die Hälfte. So tiefenentspannt waren die Deutschen zuletzt vor 20 Jahren. „Die Deutschen sind in einem Stimmungshoch“, sagte Rita Jakli, R+V-Sprecherin.

Sorgen machen sich die Bürger noch am ehesten um ihr Geld, um Naturkatastrophen, um ihre Gesundheit – und zunehmend auch um den Frieden. Trotz der historisch niedrigen Inflationsrate fürchten 58 Prozent steigende Lebenshaltungskosten – was angesichts rapide nach oben schnellender Mieten, höheren Strom- und Kraftstoffpreisen nicht ganz von der Hand zu weisen sein dürfte. 51 Prozent zittern vor Überschwemmungen, Hagelschlag oder anderen Naturkatastrophen. Etwas mehr als die Hälfte hat Panik, im Alter als Pflegefall zu enden. Frauen haben vor vielem mehr Angst als Männer. Ostdeutsche sind sorgenvoller als Westdeutsche, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen.

Insgesamt ist das Bild positiv. Sind die Deutschen nicht mehr ein Volk von Hasenfüßen, die sich übertrieben über Geheimdienstüberwachung, Umweltzerstörung, Google Street View oder Vogelgrippe aufregen, wie Briten und Amerikaner glauben, wenn sie von der „German Angst“ sprechen?

Wenn es um die internationalen Krisen geht, wird es den Deutschen doch mulmig zumute. Die Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung ist gestiegen, 37 Prozent haben große Angst vor gewaltsamen Konflikten durch die Ukraine-Krise. Die Eurokrise ist für die Deutschen hingegen nicht mehr Angstthema Nummer Eins. Nur noch 45 Prozent sehen die Gemeinschaftswährung infolge der Schuldenkrise in Gefahr. Vor zwei Jahren waren es 65 Prozent. Auch die Arbeitslosigkeit verliert immer mehr ihren Schrecken.

Vielleicht lassen sich die Deutschen auch ein Stück weit beruhigen von der Debattenkultur der Großen Koalition: Ein scharfer Parteienstreit schüre Ängste, während der gedämpfte Ton in der Großen Koalition eher beruhige, analysiert der Politologe Manfred G. Schmidt von der Universität Heidelberg. Entsprechend halten nur noch 44 Prozent der Deutschen ihre Volksvertreter für überfordert. 2012 waren es noch 55 Prozent.


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