Arbeiten statt Ruhestand : „Meine Rente wird hinten und vorne nicht reichen“

Zusteller-Dreamteam: Hanns-Peter Simmendinger  trägt seit fast fünf Jahren die Schweriner Volkszeitung aus. Immer dabei Schäferhund Willi – schon als Welpe.
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Zusteller-Dreamteam: Hanns-Peter Simmendinger trägt seit fast fünf Jahren die Schweriner Volkszeitung aus. Immer dabei Schäferhund Willi – schon als Welpe.

Zeitungszusteller Hanns-Peter Simmendinger aus Kuhlenfeld will lieber weiterarbeiten, statt nächstes Jahr in den Ruhestand zu gehen

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10. August 2016, 05:00 Uhr

In einem knallblauen Auto mit Michelin-Männchen oben an der Fahrerseite fährt Hanns-Peter Simmendinger vor. Der 64-Jährige ist seit fast fünf Jahren Zusteller der Schweriner Volkszeitung. Nächstes Jahr könnte er in Rente gehen, doch er wird es nicht tun.

„Was ich dann bekommen würde, liefe auf Mindestsicherung hinaus. Und das reicht hinten und vorne nicht“, erklärt er. Stattdessen will er so lange arbeiten, „bis ein Arzt sagt, dass ich absolut nicht mehr darf“.

Wie ihm geht es vielen Rentnern in Mecklenburg-Vorpommern. Auch in Hanns-Peter Simmendingers Umfeld arbeiten viele im rentenfähigen Alter noch. „Auch meine Tante hat noch bis 70 Jahre gearbeitet – allerdings weil es ihr Spaß gemacht hat. Das ist etwas anderes.“

Als Strafe sieht der 64-Jährige die Arbeit aber nicht. Im Gegenteil. „Das Zeitungenaustragen hält mich fit, ich treffe viele nette Leute und bin täglich an der frischen Luft. Was will man mehr?“, sagt er. Er hält die Arbeit als Zeitungszusteller für äußerst altersgerecht.

Simmendinger selbst ist über Umwege zu dieser Beschäftigung gekommen. Ursprünglich wollte er Physik studieren, hat das Studium aber nach drei Monaten geschmissen. Danach sollte es der Tischlerberuf sein, „obwohl damals keiner Abiturienten haben wollte“. Stattdessen trug er anderthalb Jahre Lesemappen aus, ging dann zur Bundeswehr, arbeitete im Landschaftsbau. Die Liste ist lang. Als er die Stadt dann schließlich satthatte, beschloss er, aufs Land in das Dörfchen Kuhlenfeld zu ziehen. Dort suchte man dringend Zeitungsausträger. „So bekam ich innerhalb von nur 14 Tagen einen neuen Job, zum Start einen Leihwagen und meinen Hund“, sagt er mit einem Lächeln. Der weiße Schäferhundrüde Willi begleitet ihn bereits seit er ein Welpe war auf seinen Touren.

Und die sind lang. An Spitzentagen sind es über 850 Haushalte, die der 64-Jährige mit Tageszeitung, Briefpost, Express und Werbeprospekten beliefert. „Zwischen dem ersten und letzten Haus liegen 40 Kilometer“, sagt er. Und nicht alle Leser sind verständnisvoll, wenn er sich mal verspätet.

Trotzdem möchte er die Arbeit nicht missen. Denn besonders auf den kleinen Dörfern seien viele Menschen einsam, würden jeden Tag auf ihn warten. Und er wird sie nicht enttäuschen – solange er kann.

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