Debatte um Friedhofszwang : „Meine Asche gehört mir“

In der Regel sind die nächsten Angehörigen für die Organisation einer Bestattung zuständig
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In der Regel sind die nächsten Angehörigen für die Organisation einer Bestattung zuständig

Leserin will nach ihrem Ableben im eigenen Garten bestattet werden / Kommunen und Kirche gegen Abschaffung des Friedhofszwangs / Landtag diskutiert

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21. Januar 2016, 06:00 Uhr

„Meine Asche gehört mir“, mit diesen Worten wandte sich vor einigen Tagen Sigrid Schreiter aus Goldberg in einem Leserbrief an unsere Redaktion. Sie befürworte den Vorschlag der Linken, den Zwang zur Bestattung auf dem Friedhof abzuschaffen (wir berichteten). „Ich möchte am Fuß meiner Lieblingsbäume im Garten verstreut werden“, schreibt sie.

So wie Schreiter denken viele, meint Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linken im Landtag. „Viele Menschen wollen über ihre letzte Ruhe selbst entscheiden und die Möglichkeit haben, die Urne auf privaten Grundstücken beizusetzen oder zumindest befristet zu Hause aufzubewahren.“ Gegenwind gibt es von den Trägern der meisten Friedhöfe im Land, den Kommunen und den Kirchen. Bislang dürfen Tote in MV nach dem Bestattungsgesetz nur auf Friedhöfen oder in Friedwäldern bestattet werden. Eine Ausnahme ist die Seebestattung.

Der Städte- und Gemeindetag erklärte gestern in Schwerin, Friedhöfe gehörten zum Kulturgut. Dieses drohe durch die Abschaffung des Friedhofszwangs verloren zu gehen: „Wer stirbt, verlässt Menschen und Beziehungen und sollte diesen die Möglichkeit zu trauern nicht durch die Art, wie er bestattet werden möchte, nehmen“, erklärte der Verband. Auch die evangelische Kirche hatte den Vorstoß kritisiert. „Nur ein offizieller Friedhof sichert die Totenruhe“, sagte der Sprecher des Kirchenkreises Mecklenburg, Christian Meyer. Eine Aufhebung des Friedhofszwangs könne zudem dazu führen, dass finanziell nicht gut gestellte Menschen von öffentlichen Friedhöfen gedrängt würden.

In Bremen ist es seit Beginn des vergangenen Jahres möglich, seine Asche in Gärten oder an Flüssen zu verstreuen. Als einziges Bundesland hat Bremen unter Kritik von CDU und Kirchenvertretern dafür den Friedhofszwang gelockert. Großen Anklang fand die Möglichkeit bislang jedoch nicht. „Das ist nur eine Randnotiz“, sagte Christian Stubbe, Vorsitzender des Bremer Bestatterverbands. Nur etwa zehn Menschen bei 6100 Todesfällen hätten im kleinsten Bundesland ihre Asche nicht auf dem Friedhof verstreut.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine ausdrückliche Vorschrift zur Verwendung eines Sarges im Bestattungsrecht. In muslimischen Ländern werden Verstorbene in Tücher gehüllt zur letzten Ruhe gebettet. Auch wenn die Sargpflicht nur für die Beförderung von Leichen zwingend vorgesehen sei, werde sie doch als selbstverständlich auch bei Bestattungen vorausgesetzt, sagte Ritter.

Die Linke regt in dem Antrag an, über den kommende Woche im Landtag beraten wird, Urnenbestattungen künftig auch auf Privatgrundstücken zu erlauben. Während sich die SPD offen für die Initiative zeigte, den Vorstoß der Linken aber als Alleingang kritisierte, wies die CDU die Vorschläge zurück.

Eine ungewöhnliche Art, den Friedhofszwang zu umgehen, wird aus anderen Bundesländern berichtet. Danach haben sich Angehörige nur deshalb für den stillen Ruheforst im Wald entschieden, weil dort leichter als auf dem Friedhof die Urne heimlich wieder ausgegraben werden kann. Anschließend seien die Aschereste der geliebten Menschen heimlich im heimischen Garten bestattet worden. „Solche Fälle sind mir aus Mecklenburg-Vorpommern bisher nicht zu Ohren gekommen“, sagte Torsten Lange, Landesvorsitzender des Bestatterfachverbandes gegenüber unserer Redaktion. Auch im RuheForst Rostocker Heide sind Fälle illegaler Urnenausgrabungen bislang nicht bekannt, meinte eine verantwortliche Mitarbeiterin.

Der Bestatterfachverband Mecklenburg-Vorpommerns zeigte sich gegenüber der Forderung nach Aufhebung des Friedhofszwangs aufgeschlossen. „Ich kann nachvollziehen, dass Angehörige die Urne für eine gewisse Zeit der Trauer in ihrem Besitz behalten wollen“, zeigte Bestatter Torsten Lange Verständnis. Danach müsste die Urne aber ordnungsgemäß auf einem Friedhof bestattet werden. „Man will sich nicht vorstellen, wie eine Urne mit den sterblichen Überresten eines Menschen nach Jahren beispielsweise bei einem Umzug verloren geht“, sagte der Vorsitzende des Bestatterfachverbandes.

Er würde sich in einem neuen Bestattungsgesetz festgeschriebene Qulifikationsvoraussetzungen wünschen. Lange: „Heute braucht man als Bestatter nur einen Schein vom Gewerbeamt. Das ist zu wenig.“

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