Rostock : Mehrjährige Haft für Sexualstraftäter

Foto: Archiv/NNN
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Das Landgericht Rostock hat gestern einen Sexualstraftäter zu viereinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Es hätte schlimmer kommen können für den Vorbestraften: Die Strafkammer hat über Sicherungsverwahrung nachgedacht.

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08. Juni 2012, 08:08 Uhr

Rostock | Das Landgericht Rostock hat gestern einen Sexualstraftäter zu viereinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Es hätte schlimmer kommen können für den vorbestraften 40-Jährigen: Die Strafkammer hat auch über Sicherungsverwahrung nachgedacht.

Der Prozess, von dem die Öffentlichkeit weitgehend ausgeschlossen war, hatte im Mai begonnen. Dem Barkeeper war unter anderem vorgeworfen worden, nach durchfeierter Nacht an einem Morgen im Januar kurz nacheinander zwei Frauen in Warnemünde überfallen und zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Schon zuvor soll er eine 16-Jährige über das Internet kennengelernt und zu Sex genötigt haben. Der Täter hatte sich noch im Januar gestellt und ein Geständnis abgelegt.

Hinterrücks habe er die arglosen Frauen angegriffen und verletzt, sagt der Vorsitzende Richter Wolfgang Strauß. Sie waren unabhängig voneinander in der Nähe des Technologiezentrums unterwegs gewesen. Beide hatten sich heftig gewehrt und so wohl Schlimmeres verhindert. Das Gericht verurteilte den Mann jeweils wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung. An die 54 Jahre alte Frau muss er 1500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Der Fall des jungen Mädchens ist laut Urteil komplizierter. Der Angeklagte, der seit Jahren eine Freundin hat, machte sich im Internet zehn Jahre jünger. Er versprach der 16-jährigen Gymnasiastin Geld für gewisse Dienste. Sie traf sich mit ihm. Es kam, so das Gericht, nicht zu Geschlechtsverkehr, aber zu Anfassen gegen Bezahlung zum Beispiel. Er habe nicht gewusst, dass so etwas bei einer 16-Jährigen nicht erlaubt sei, argumentierte der Angeklagte. Dies sei ihm nicht zweifelsfrei zu widerlegen, heißt es im Urteil. Für "Verbotsirrtum" sieht das Gesetz Freispruch vor. Nicht aber für seine Versuche, die Schülerin später durch Dauer-SMS einzuschüchtern. Sie wollte nämlich die Treffen bald nicht mehr und zeigte ihn an. Das Gericht verurteilt ihn in diesem Fall wegen versuchter Nötigung.

Schwer wiegt die Vorstrafe: Sieben Jahre Haft wegen Vergewaltigung, die der Mann bis 2007 voll verbüßt hat. Eine "widerliche" Tat, sagt der Richter. Der Sicherungsverwahrung, der härtesten Strafe hierzulande, entgeht der 40-Jährige nur knapp. Er soll in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden. Das hat ein Gutachter empfohlen. Bei erfolgreichem Therapie-Abschluss sei er nicht mehr gefährlich.


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