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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 03:26 Uhr

Mehr Verwaltung, weniger Kultur

vom

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2013 | 08:13 Uhr

Schwerin | Mathias Brodkorb (SPD), Minister für Bildung und Kultur, sorgt mal wieder für Aufregung in der Kulturszene des Landes - diesmal nicht mit einem Potpourri von Sparmodellen für die künftige Theater- und Orchesterlandschaft, sondern mit einem nichtöffentlichen Verwaltungsvorgang. Er sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für den Posten des Abteilungsleiters Kultur im Ministerium. Amtsinhaber Enoch Lemcke will sich nach langen Dienstjahren Ende 2013 planmäßig in den Ruhestand verabschieden. Der frühere Kultursenator der Hansestadt Rostock gilt als Mann mit vielseitigen kulturellen Interessen. Zukünftig sollen indes andere Eigenschaften im Vordergrund stehen.

Die laut Stellenausschreibung verlangten Qualifikationen sorgen für Verwunderung angesichts der Tatsache, dass auf kulturellem Gebiet die Theater- und Orchesterreform ansteht. Umfangreiches betriebswirtschaftliches Wissen und haushaltsrechtliche Erfahrungen sind gefordert. "Kenntnisse der Kulturlandschaft" rangieren knapp vor allgemeinen Fähigkeiten wie Führungspersönlichkeit, Belastbarkeit und Verhandlungsgeschick. Auf Nachfrage stellt der Ministeriumssprecher klar: "Es geht nicht darum, einen Kulturschaffenden zu beschäftigen. Zum Vergleich: der Leiter der Schulabteilung ist auch kein Lehrer, sondern Verwaltungsfachmann."

Schon die formalen Anforderungen an die Interessenten sind hoch: Sie müssen bereits eine unbefristete Stelle beim Land haben und überdies mindestens in der Besoldungsgruppe B2 - Monatsverdienst 6380,77 Euro laut Besoldungstabelle MV - eingruppiert sein. Nach Auskunft der Staatskanzlei treffen diese beiden Voraussetzungen für "deutlich weniger als 10 Prozent" der Landesverwaltung zu. "Maximal 12 bis 15 Mitarbeiter pro Ministerium", schätzt Oliver Kaiser, stellvertretender Regierungssprecher, ein. "Staatssekretäre, Abteilungsleiter und sehr wenige Referatsleiter", zählt er auf. Das Kultusministerium verweist darauf, dass die notwendige Besoldungsgruppe "mit der Ausschreibungspraxis für solche Stellen in obersten Landesbehörden vergleichbar" sei. Anfang der Woche ging die Bewerbungsfrist für die Abteilungsleiterstelle zu Ende. Ob und wie viele Bewerbungen eingangen sind? "Keine Auskunft", heißt es aus dem Hause Brodkorb.

Hinter den Kulissen vermuten Kulturfachleute, dass die Ausschreibung maßgeschneidert wurde, um bestimmte Bewerber ins Boot zu holen oder ungewollte Kandidaten zu verhindern. Die oppositionelle Linke im Landtag attestiert Brodkorb "ein absurdes Verständnis von Kultur". "Durch die herrschende krämerhafte Kulturpolitik sterben renommierte Vereine und öffentliche Bibliotheken, sind Theater und Orchester in ihrer Existenz bedroht und werden archäologische Kunstschätze zerstört", kritisiert der kulturpolitische Sprecher der Fraktion, Torsten Koplin. "Der Minister ist der Amtsbezeichnung nach ein Minister für Kultur. Tatsächlich arbeitet er gegen sie und schadet so dem Land."

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