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Mecklenburg-Vorpommern : Mehr Todesschüsse aus Polizeiwaffen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beamte ziehen öfter Dienstwaffe / Hauptgrund sind Nottötungen von Tieren

In Mecklenburg-Vorpommern muss die Polizei wieder häufiger zur Schusswaffe greifen. Doch nicht, um Schwerverbrecher zu jagen, sondern um verletzte oder selten auch gefährliche Tiere zu töten.

Wie das Schweriner Innenministerium mitteilte, kam es 2013 im Nordosten 1156-mal zum Schusswaffeneinsatz. Das war fast doppelt so häufig wie 2011, als die Beamten 695-mal zur Pistole gegriffen hatten. Im Jahr 2012 war dies 965-mal der Fall.

Die Steigerung geht laut Ministerium allein auf die notgedrungene Tötung von Tieren zurück. So seien aus den beiden zurückliegenden Jahren jeweils nur zwei Fälle aktenkundig, bei denen die Schüsse fielen, um mutmaßliche Straftäter zu stoppen. So habe es 2012 zwei Warnschüsse gegeben, um davonlaufende Tatverdächtige zum Stehenbleiben zu zwingen. 2013 seien Schüsse auf zwei davonfahrende Autos abgegeben worden. Verletzte habe es nicht gegeben.

In 1146 Fällen hätten die herbeigerufenen Polizisten Tiere töten müssen. In der Mehrzahl Wild, das bei Autounfällen schwer verletzt worden war. Allerdings mussten die Polizei die Waffen gelegentlich auch gegen friedliche Tiere richten: Wie Anfang Mai, als verwilderte Schafe bei Waren an der Müritz ständig auf die viel befahrene B192 liefen und so zur Gefahr für Autofahrer wurden. Die Tiere konnten eingefangen werden - bis auf einen alten, besonders störrischen Bock. Der musste laut Stadtverwaltung erschossen werden.

Auch bundesweit kommen Schusswaffen weit weniger zum Einsatz als in einschlägigen Kriminalfilmen. Statistiken der Innenministerkonferenz zufolge wurden in jüngerer Vergangenheit selten in mehr als 100 Fällen pro Jahr Schüsse bei einer Verbrecherjagd abgefeuert. Gut die Hälfte waren Warnschüsse. Doch gezielte Schüsse enden auch mit Verletzungen oder gar tödlich. Der Statistik zufolge sterben jährlich zwischen zwei und zehn Menschen durch Polizeikugeln. Wie aus den jüngsten Daten der Innenministerkonferenz hervorgeht, wurden in den vergangenen fünf Jahren deutschlandweit mehr als 30 Menschen von Polizeikugeln getötet. Nur ein kleiner Teil der Erschossenen aber waren Schwerverbrecher, wie Recherchen des Senders RBB ergaben. Bei rund zwei Dritteln habe es sich um psychisch Kranke und Verwirrte gehandelt.

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