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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 23:29 Uhr

Mehr Sicherheit für Organspender

vom

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2013 | 10:31 Uhr

Wer entscheidet darüber, wer die Spenderorgane bekommt?

Für die Vergabe von Spenderorganen ist die Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden zuständig. Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Kroatien, Österreich, Slowenien, Ungarn und Deutschland sind Euro transplant angeschlossen. Diese Kooperation ermöglicht es, in dringenden Fällen möglichst rasch ein lebensrettendes Organ zu finden. Außerdem werden mehr immunologisch "passende" Organe, zum Beispiel Nieren, vermittelt und damit die Erfolgsaussicht erhöht.

Wie sichert man, dass bei der Organvermittlung nicht mehr manipuliert werden kann?

Im März traten neue Richtlinien der Bundesärztekammer in Kraft. In allen Transplantationszentren entscheidet jetzt eine interdisziplinäre Transplantationskonferenz über die Aufnahme von Patienten in die Warteliste. Damit soll sichergestellt werden, dass keine Manipulationen von Laborwerten mehr stattfinden können. An der Konferenz sind mindestens drei Personen beteiligt. Eine von ihnen muss von einer medizinischen Fachrichtung kommen, die keine Verbindung zur Transplantationsmedizin hat und sie muss dem ärztlichen Direktor der Klinik direkt unterstellt sein.

Wie viele Menschen kommen überhaupt als Organspender in Frage? Der Hirntod ist doch äußerst selten, oder?

Ja, jährlich sterben in deutschen Krankenhäusern rund 400 000 Menschen, davon nur etwa ein Prozent am Hirntod. Vom Hirntod spricht man, wenn die Gehirnfunktionen bereits erloschen sind, das Herz-Kreislauf-System aber durch eine Intensivtherapie noch künstlich aufrechterhalten werden kann.

Wie wird festgestellt, ob man wirklich hirntot ist?

Mittels Funktionsprüfung der verschiedenen Hirnareale lässt sich der Nachweis einer unumkehrbaren Schädigung erbringen. Die gesamten Untersuchungen müssen von zwei Medizinern unabhängig voneinander durchgeführt und protokolliert werden. Um Interessenskonflikte auszuschließen, dürfen diese beiden Mediziner nicht an der Organ- und Gewebeentnahme beteiligt sein.

Käme ich mit meinen 67 Jahren noch als Spender infrage?

Ja, denn entscheidend ist immer das biologische, nicht das kalendarische Alter. Der älteste Spender im letzten Jahr war 96 Jahre alt. Ob gespendete Organe oder Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann ohnehin erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch überprüft werden.

Ich habe Diabetes. Hat es überhaupt Sinn, dass ich mir einen Organspendeausweis besorge?

Ja, denn ob Organe entnommen werden können, entscheidet sich erst im Falle eines Hirntodes. Es ist jedoch sinnvoll, wenn Sie auf dem Ausweis vermerken, dass und seit wann Sie Diabetiker sind.

Kommen privat versicherte Patienten schneller an Spenderorgane?

Nein, ob ein Patient privat oder gesetzlich krankenversichert ist, spielt bei der Organvergabe keine Rolle. Die Verteilung von Organen erfolgt ausschließlich nach medizinischen Kriterien, wie der Dringlichkeit und Erfolgsaussicht der Transplantation. Auch der soziale Status spielt keine Rolle.

Wird meine Entscheidung von den Krankenkassen registriert?

Nein. Zum jetzigen Zeitpunkt werden die Versicherten lediglich zu einer Entscheidung motiviert. Es gibt aber kein Register, in dem die Entscheidungen erfasst werden. Langfristig ist eine Speicherung der Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende auf der elektronischen Gesundheitskarte geplant.

Wenn ich den Brief von der Kasse bekomme - muss ich überhaupt darauf reagieren oder kann ich ihn wegwerfen?

Nein. Es gibt keinen Zwang, eine Entscheidung zu treffen. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass das Nichttreffen einer Entscheidung dazu führt, dass im Fall der Fälle die Angehörigen mit dieser Frage belastet werden.

Kann ich auch in einer Patientenverfügung meine Entscheidung für eine Organ- und Gewebespende festhalten?

Ja. Hierzu wird folgende Formulierung empfohlen: "Ich stimme einer Entnahme meiner Organe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken zu. Komme ich nach ärztlicher Beurteilung bei einem sich abzeichnenden Hirntod als Organspender in Betracht und müssen dafür ärztliche Maßnahmen durchgeführt werden, die ich in meiner Patientenverfügung ausgeschlossen habe, dann geht die von mir erklärte Bereitschaft zur Organspende vor."

Lässt sich die Patientenverfügung nutzen, um sich definitiv gegen eine Organspende auszusprechen?

Ja. Dazu empfehlen wir folgende Formulierung:

Ich lehne eine Entnahme meiner Organe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken ab.

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