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Flüchtlinge : Mehr Schleuser in MV festgenommen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zahl der Fälle um 60 Prozent gestiegen – ist im Vergleich mit Bayern aber gering

von
erstellt am 08.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Sie verdienen am Elend der Flüchtlinge: 29 mutmaßliche Mitglieder krimineller Schleuserbanden hat die Bundespolizei von Januar bis September in Mecklenburg-Vorpommern festgenommen, fünf mehr als im Vorjahreszeitraum. „Insgesamt wurden bis September 32 Schleusungen registriert“, sagte Behördensprecher Matthias Menge auf Anfrage unserer Redaktion. Verglichen mit dem Vorjahr ist das eine Zunahme der Fälle um 60 Prozent.

Die Dunkelziffer dürfte wegen der hohen Flüchtlingszahlen allerdings noch um ein Vielfaches höher liegen. Den Kampf gegen die Schleuserkriminalität habe die Polizei dennoch nicht aufgegeben. Menge: „Die Bundespolizei nimmt ihren gesetzlichen Auftrag wahr“, sagte Menge.

Erwischt werden aber meistens nur die Fahrer der gut organisierten Schleuserbanden, kaum die Hintermänner. Das Amtsgericht Rostock verurteilte im Juli dieses Jahres einen türkischen Taxifahrer in einem beschleunigten Verfahren zu einer Haftstrafe von fünf Monaten, die auf Bewährung ausgesetzt wurde. Der 39-Jährige wollte eine achtköpfige irakische Familie in seinem Ford Galaxy illegal von Wien über Rostock nach Schweden bringen.

Die meisten Schleusungen in Mecklenburg-Vorpommern werden im Rostocker Seehafen beim Transit nach Skandinavien festgestellt. An der deutsch-polnischen Grenze in Vorpommern sei dagegen bisher kein Anstieg der Schleuserkriminalität zu beobachten, so Menge.

Der Profit der Banden ist enorm. „Mit der Ware Mensch lässt sich zurzeit mehr Kasse machen als mit Waffen und Drogen“, sagte Bundespolizeipräsident Dieter Romann. Viele der Geschleusten hätten bei den Vernehmungen angegeben, dass sie den Schleusern 8000 bis 15  000 US-Dollar (6450 bis 12  000 Euro) für die Flucht bezahlen mussten. „Die Preise sind in den letzten Wochen weiter gestiegen“, berichtete Polizeisprecher Menge.

In anderen Bundesländern, die wie Bayern direkt an den Flüchtlingsrouten nach Deutschland liegen, ist die Schleuserkriminalität weit höher als in Mecklenburg-Vorpommern. Im Freistaat sitzen mehr als 600 mutmaßliche Schleuser in U-Haft, 1300 Verfahren wurden im ersten Halbjahr eingeleitet.

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