Kita-Studie : Mehr Qualität für die Kleinen

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Hintergründe zur neuen Kita-Studie der Bertelsmann-Stiftung: Betreuungsschlüssel ist im Osten schlechter

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25. August 2015, 06:30 Uhr

Mehr Erzieherinnen und Erzieher – laut einer neuen Studie hat sich die Personalsituation in Deutschlands Kindertagesstätten in den letzten zwei Jahren deutlich verbessert. „Die Personalschlüssel sind längst noch nicht überall kindgerecht und pädagogisch sinnvoll, aber der Trend ist positiv“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Aus Sicht von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) bleibt noch viel zu tun.
Hintergründe zur neuen Kita-Studie der Bertelsmann-Stiftung von Rasmus Buchsteiner.

Wie viele Kleinkinder gehen in Kitas oder zur Tagesmutter?
Am 1. März 2014 wurden bundesweit 660 750 Kinder unter drei Jahren entweder in Kindertageseinrichtungen betreut oder – mit öffentlicher Förderung – von einer Tagesmutter. Das sind 64 461 Kinder mehr als im Vorjahr. Damit werden bundesweit 32,3 Prozent der unter Dreijährigen in Kitas oder durch Tagesmütter betreut – 18,7 Prozent mehr als noch im Jahr 2006.

Wo gibt es vorbildliche Betreuungsschlüssel?
Die Unterschiede zwischen den Ländern sind erheblich. Experten empfehlen, dass eine Erzieherin für höchstens drei unter Dreijährige da sein sollte oder für 7,5 Kinder über drei Jahre. Baden-Württemberg ist da inzwischen nahe dran. Dort kommen 3,1 Krippenkinder und 7,7 Kindergartenkinder auf eine Erzieherin. „Das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag fällt ohnehin ungünstiger aus als der Personalschlüssel, weil Erzieherinnen mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung aufwenden“, heißt es in der Bertelsmann-Studie.

Wie sieht es in anderen Bundesländern aus?
In Ost-Krippen gibt es einen Betreuungsschlüssel von 1 zu 6,1. In den neuen Bundesländern müssen sich Erzieherinnen prinzipiell um deutlich mehr U3-Kinder kümmern als im Westen. Dort liegt die Erzieherinnen-Kind-Relation im Schnitt bei 1 zu 3,6. Die Personalschlüssel für die Kindergartengruppen sind in den westlichen Bundesländern ebenfalls besser. Der Westen kommt im Schnitt auf 1 zu 8,9, der Osten auf 1 zu 12,4.

Wie beurteilen Experten die Ergebnisse?
„Ungünstige Personalschlüssel wirken sich nicht nur für die Kinder negativ aus, sondern erhöhen auch die Belastung der Kita-Fachkräfte“, heißt es in der Bertelsmann-Studie. Folge seien hohe gesundheitliche Risiken für diese Berufsgruppe. Die Forscher bemängeln fehlende Vorgaben und Standards für Aufgaben und Arbeitszeit von Kita-Fachkräften. „In kaum einem Bundesland ist derzeit klar geregelt, wie viel Arbeitszeit für Aufgaben neben der eigentlichen pädagogischen Arbeit mit den Kindern reserviert ist“, so die Bertelsmann-Experten.

Investiert der Bund mehr in Kita-Qualität?
In dieser Legislaturperiode stehen eine Milliarde Euro für den Kita-Ausbau zur Verfügung. Ab diesem Jahr beteiligt sich der Bund dauerhaft mit 845 Millionen Euro an den laufenden Kita-Betriebskosten. Bund und Länder beraten derzeit über gemeinsame Qualitätsstandards für die Betreuung - Ergebnisse sind jedoch frühestens Ende 2016 zu erwarten. „Der Ländermonitor zeigt eindrücklich, dass wir bei der Qualität der Kindertagesbetreuung noch einen längeren Weg vor uns haben“, erklärte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). „Deshalb setze ich mich dafür ein, dass wir die freiwerdenden Mittel des Betreuungsgeldes gemeinsam mit den Ländern für gute Kinderbetreuung zur Verfügung stellen.“

Wie geht es weiter im Kita-Tarifstreit?
Die Fronten sind verhärtet. Die Mitglieder von Verdi & Co. hatten Anfang August einen Schlichterspruch mehrheitlich abgelehnt. Der Vorschlag hatte bei fünf Jahren Laufzeit Lohnerhöhungen von zwei bis zu 4,5 Prozent für Kita-Erzieherinnen, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Beschäftigte in Behinderteneinrichtungen vorgesehen. Die Kommunen lehnen es bisher ab, darüber hinauszugehen. Sollte es nicht noch zu einer Einigung kommen, drohen im Herbst neue Kita-Streiks.
 

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