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Mecklenburg-Vorpommern

22. Oktober 2017 | 12:18 Uhr

Parchim : Mehr Narren braucht das Land

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Parchimer Carneval Club (PCC) wird 60 und niemand feiert / Auch Domsühler Narren machen Pause

Man stelle sich vor, es ist Karnevalzeit und keiner bekommt etwas mit. Im Rheinland tobt seit Wochen das Faschingstreiben auf der Straße und in bis auf den letzten Platz gefüllten Sälen. Doch auch im kühlen Norden wie in Parchim, Lübz, Goldberg, Suckow, Spornitz oder Domsühl ging es früher in der fünften Jahreszeit hoch her. Und mitunter gibt es doppelt Grund zu feiern.

In Parchim hat der legendäre Carneval Club seinen 60. Geburtstag. Ist das nicht toll? Die Närrinnen und Narren, die in den 1950er-Jahren im Hydraulikwerk den Faschingsklub aus der Taufe gehoben haben, könnten eigentlich stolz darauf sein. Doch richtig Freude will in der Eldestadt selbst wenige Tage vor dem Höhepunkt der fünften Jahreszeit nicht aufkommen. Auf der Suche nach einer zünftigen Faschingsfete wird man weder an der Litfasssäule noch im Internet fündig. Hat der PCC womöglich aufgegeben?

„Der PCC lebt“, sagt Präsident Raik Fahndrich. „Wir hatten uns viel vorgenommen, wollten einen großen Umzug zum Jubiläum organisieren und den Karneval wieder beleben. Aber uns fehlt dafür die Kraft und das Geld.“ Als er am 11.11. den Rathausschlüssel in Empfang nahm, gab es noch Hoffnung. Nun, zum Finale des 60. Vereinsjahrs, vergeht vielen das Lachen. „Wir wollen den Geburtstag noch nachfeiern. Wann und wo steht aber noch nicht fest“, so Fahndrich.

Am Wochenende geht es zum Faschingsverein nach Sülstorf. Dort feiern die Narren ihren 30. Geburtstag. Am Rosenmontag geben die Frauen und Männer des PCC – ein kompletter Elferrat fehlt derzeit – um 11.11 Uhr im Rathaus den Schlüssel wieder ab. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen.

Auch in einer weiteren Faschingshochburg, in Domsühl, ist es ruhig geworden. „Wir führen im Dorf erstmals seit der Gründung des DCC keine eigene Faschingsveranstaltung durch“, so Präsident Hans-Werner Beck. „Uns fehlen schlicht und einfach die Leute. Einige sind weggezogen, andere im Mütterurlaub oder krank“, beklagt er die Situation. Für Senioren wurde eine Fahrt zur Faschingsfete in Spornitz organisiert. „Wir werden uns in Kürze zusammensetzen und über die Zukunft des Vereins beraten. Der Spaß ist uns nicht verloren gegangen und wir werden nicht so leicht das Handtuch werfen“, verspricht der DCC-Präsident.

Hans-Werner Beck weiß als Vizechef des Landeskarnevalverbandes, dem rund 80 Vereine angehören, dass Personal- und Nachwuchssorgen vielerorts Sorgen bereiten. Erst kürzlich musste in Sukow die Verleihung des „Spaßvogelordens“ kurzerhand abgesagt werden. „Es wäre schade, wenn sich der Karneval im Norden zurückziehen würde. Da fehlt einfach etwas“, meint Beck.

 

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