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Vor 750 Jahren bekam Waren sein Stadtrecht : "Mehr Müritz geht nicht"

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Das einzige Heilbad an der Mecklenburgischen Seenplatte - die Stadt Waren an der Müritz - erinnert 2013 mit vielfältigen Aktivitäten an 750 Jahre Stadtgeschichte. Dazu wurden extra Gold- und Silbermünzen geprägt.

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erstellt am 10.Feb.2013 | 05:25 Uhr

Waren | Das einzige Heilbad an der Mecklenburgischen Seenplatte - die Stadt Waren an der Müritz - erinnert 2013 mit vielfältigen Aktivitäten an 750 Jahre Stadtgeschichte. Dazu wurden extra Gold- und Silbermünzen geprägt. Die Auflage ist auf 750 Silber- und 75 Goldmünzen limitiert, sagte ein Sprecher der Herstellerfirma Euromint GmbH. Die Prägungen zeigen das Stadtwappen sowie das Festlogo mit dem Spruch "Mehr Müritz geht nicht". Mit der Präsentation der Münzen begann zugleich das Festjahr, dessen Höhepunkt im Juli eine Festwoche samt Umzug mit historischen Bildern sein wird.

Musterbeispiel für den "Aufschwung Ost"

Im Gegensatz zu anderen Regionen im Nordosten hat die Stadt mit rund 21 200 Bewohnern den Einwohnerrückgang schon länger gestoppt. Das belegt auch das Stadtbild und wird von vielen Gästen und Prominenten bestätigt. So haben Spitzenpolitiker, wie die Ex-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Christian Wulff die Tourismushochburg besucht. Auch die Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl wollten sich das Musterbeispiel für den "Aufschwung Ost" ansehen. "Die Entwicklung darf aber nicht abreißen", warnte Bürgermeister Günter Rhein (SPD), der 2013 nach 19 Jahren in den Ruhestand gehen will. Waren müsse weiter "schneller als die anderen sein."

In der seenreichen Region - Waren liegt zwischen drei großen Seen und der Müritz als größtem Binnensee Deutschlands - lebten schon vor 4000 Jahren Menschen. Das wurde gerade bei Ausgrabungen zum neuen Kurzen trum für das "Heilbad" bestätigt, wo Bronzebarren und sogar eine Wagenspur entdeckt wurden. "Das Land zwischen den Seen war schon früh besiedelt", sagte der Leiter des Stadtmuseums, Jürgen Kniesz.

Marienkirche gilt als Wahrzeichen der Stadt

Waren erhielt 1263 vom Herren Nikolaus zu Werle das Stadtrecht. Werle war eines von vier Fürstentümern, in die Mecklenburg nach 1234 unter den Fürstensöhnen aufgeteilt worden war. Das älteste Gebäude aus dieser Zeit ist der aus Feldsteinen gemauerte Chor der Marienkirche, die als Wahrzeichen der Stadt gilt. Vor allem die Kanalisierung der Schifffahrt und der Bahnanschluss im 19. Jahrhundert beförderten die Stadtentwicklung. "Wir hatten 1890 eine ähnliche Aufbruchsituation wie 1990", sagte der Bürgermeister. Mit der Bahn kam unter anderem der Dichter Theodor Fontane. Er schrieb 1896: "Waren muss in die Höhe gebracht werden und ich werde meinen mächtigen Arm der Sache leihen." Der Tourismus begann zu florieren, später kamen Berliner, wie Fontanes Schwiegersohn, und begründeten den Ausbau einer Villenstraße, die heute an mondäne Seebäder erinnert. In einem der Hotels "tankten" schon die Kicker von Bayern München neue Kraft. "Sonst ist die ganz große Geschichte meist an Waren vorbeigegangen", sagte die Organisatorin der Feierlichkeiten, Christine Bülow.

Bekannt für Backwaren und Schiffspropeller

Heute gilt die Stadt als Tourismus-Hochburg der Seenplatte und hat mit rund 610 000 Übernachtungen mehr als die Landeshauptstadt Schwerin. Firmen wie der Weltmarktführer für den Guss riesiger Schiffspropeller, ein Nudelhersteller, eine Wellpappenfabrik, ein großer Backbetrieb, eine Molkerei sowie mehrere Maschinenbauer und Handwerker bilden das wirtschaftliche Fundament. Außerdem locken unter anderem vier Kliniken und ein Gesundheitshotel Patienten und Kurgäste an. "Wir haben stabile Gewerbesteuern", kann Rhein sagen.

Und der Zufall half den Warenern ebenfalls beim Aufschwung. Der Industrielle Jost Reinhold, der aus der Müritzregion stammt, als Jugendlicher flüchtete und in Italien eine Autoteilezulieferkette begründete, hilft seit Jahren mit Erträgen seiner Stiftung. So finanzierte Reinhold auch die medienwirksame Werbung mit Luftbildern der Müritzstadt in deutschen Großstädten.

Und als einmal große deutsche Vermarkter von Radiowerbung eine Kampagne starteten, um die Werbewirkung nachzuweisen, griffen sie auf die Müritzstadt zurück. Die Kampagne hatte einen Wert von mehr als zwei Millionen Euro, die Warener brauchten aber nichts bezahlen. Der Radio-"Kurdirektor", der mit "coolen Worten und Spielmannsmusik" warb, erregte so große Aufmerksamkeit, dass der Bürgermeister noch heute manchmal als "Kurdirektor" von Waren begrüßt wird. Für die Festwoche rechnet Bülow mit rund 150 000 Euro an Kosten, einen Großteil davon haben die Warener bereits selbst gespendet.

Musikalisch kommt zur Festwoche Unterstützung aus der aktuellen Popszene mit dem "Supertalent" Michael Holderbusch und auch aus Rostock, wo viele Warener studieren: Das Freie Studentenorchester und der Rock-, Pop-, und Gospelchor Celebrate, der schon bundesweit für Aufsehen sorgte.

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