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Millioneninvestitionen für mehr Komfort für die Kühe : Mehr Milch durch glückliche Kühe

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Er kennt sie alle, seine 312 Milchkühe. "Jede hat im Stroh eine Liegefläche, manche ihren Stammplatz", sagt Dieter Saremba, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Landhof Bobitz (NWM).

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erstellt am 01.Mär.2011 | 08:05 Uhr

Wismar | Er kennt sie alle, seine 312 "Schwarzbunten Holsteins", Vertreter der häufigsten norddeutschen Milchkuh-Rasse. "Jede hat im Stroh eine Liegefläche, manche ihren Stammplatz", sagt Dieter Saremba, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Landhof Bobitz (Nordwestmecklenburg). Der neue Stall ist erst zur Hälfte fertig, doch die ist schon bezogen. Dicke Einstreu, mehr Platz, Licht und Luft sowie steter Zugang zu Futter und Wasser steigerten das Wohlbefinden der Tiere und damit deren Milchleistung, erklärt der Landwirt. 2,3 Millionen Euro investiert die Genossenschaft in mehr Kuh-Komfort - in den neuen Stall, den Umbau zweier weiterer und in ein Melkkarussell.

1991 gegründet, bewirtschaftet die Genossenschaft gut 3000 Hektar Boden. Auf 350 Hektar Grünland wächst Futter für die Milchkühe. Nur Kraftfutter werde zugekauft, betont Saremba. Auch wenn das Kilogramm Milch inzwischen wieder 31 Cent einbringe - der Tiefpunkt war 2009 mit 19 Cent erreicht worden -, decke der Preis nach wie vor nicht die Kosten. Zugebuttert werde aus Gewinnen der anderen Geschäftsfelder, dem Ackerbau mit Raps und Weizen sowie der Biogasanlage. "Verteilen der Risiken" nennt Saremba das. Doch auch die Milchproduktion solle wieder rentabel werden. Deshalb investiere das Unternehmen. Im neuen Stall hätten ab Sommer mehr als 400 Kühe gut Platz zum Bewegen und Wiederkäuen.

Artgerechte Haltung bringe mehr und bessere Milch, ist der Landwirt überzeugt. "Wie sich die Kuh fühlt, das entscheidet über die Milchmenge." Gesunde Kühe leben auch länger, wie Saremba betont.

Konkurrenzfähig auch die Lage des Betriebes: Das Gelände einer früheren LPG liege nahe der Molkereien Upahl (Hansa-Milch AG) und Wismar. "Ein günstiger Standort für Milch, den es lohnt auszubauen", ist Saremba überzeugt. An die Ostsee-Molkerei (Rücker) Wismar liefere Bobitz derzeit täglich bis zu 7000 Liter Milch. Die durchschnittliche Leistung pro Kuh und Jahr: rund 8500 Kilogramm.

Neben besserem Kuh-Komfort macht die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR, Bonn) auch Züchtung und Fütterung für die rasant gestiegene Milchleistung in den vergangenen Jahren verantwortlich.

2010 hätten Deutschlands Schwarzbunte erstmals im Schnitt mehr als 9000 Kilogramm Milch gegeben. In Mecklenburg-Vorpommern hat sich laut Verband die Leistung der im Herdbuch verzeichenten Kühe seit 1991 von 4600 auf 9200 Kilogramm je Tier und Jahr verdoppelt. Damit lag das Bundesland, das nach Brandenburg die größten Herden mit durchschnittlich 180 Kühen hat, auf Platz zwei nach Niedersachsen und in den neuen Ländern an der Spitze. Das Statistische Amt in Schwerin gab die durchschnittliche Milchleistung aller Kühe in Mecklenburg-Vorpommern gestern mit 8279 Kilogramm an.

Angesichts der zunehmenden Konzentration in der Molkereibranche und der ewigen Preiskämpfe haben sich die Bobitzer schon 1993 einer regionalen Erzeugergemeinschaft angeschlossen. Deren Mitglieder liefern zusammen jährlich 125 Millionen Kilogramm Milch nach Wismar.

"Eine nicht zu unterschätzende Verhandlungsmasse", meint Saremba. "Wir haben auch in schlechten Zeiten immer einen etwas besseren Milchpreis aushandeln können." Insofern seien Erzeugergemeinschaften in der Milchbranche ein Zukunftsmodell. "Das wird sich durchsetzen", ist der Landwirt aus Bobitz überzeugt.


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