Nordpool in Güstrow gegründet : „Mehr Marktmacht" für Milchbauern

Peter Guhl, Vorsitzender MEG Nordpool: „Wir wollen auf Augenhöhe mit Molkereien sprechen und verhandeln. Das ist gegenwärtig nicht so.“
Peter Guhl, Vorsitzender MEG Nordpool: „Wir wollen auf Augenhöhe mit Molkereien sprechen und verhandeln. Das ist gegenwärtig nicht so.“

Wieder haben die Milcherzeuger mobil gemacht, weil sich die Situation auf dem Milchmarkt weiter zuspitzt und der Milchpreis viele in den Ruin treiben könnte. Gesucht werden deshalb alternative Milchvermarktungsformen.

svz.de von
10. Juli 2012, 10:01 Uhr

Güstrow | Wieder haben die Milcherzeuger mobil gemacht, weil sich die Situation auf dem Milchmarkt weiter zuspitzt und der Milchpreis viele in den Ruin treiben könnte. Um gegen diesen Trend etwas zu unternehmen, suchen Milchviehbetriebe alternative Milchvermarktungsformen. Das Ziel soll sein, vor der Lieferung die Milch zu verkaufen. Dafür sollen Milchmengen "gebündelt" werden. Das soll über die neue Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Nordpool vollzogen werden. Die wurde am Montagabend in Güstrow gegründet. Das Besondere: Sie kommen aus drei Bundesländern, aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Wie Montag und gestern aus der Nord MEG zu hören war, könnten auch noch Betriebe aus Niedersachsen dazukommen. Denn das Problem besteht deutschlandweit. Aktuell gibt es 27 bis 30 Cent pro Liter Milch.

Als Vorsitzender wurde Peter Guhl, der einen Betrieb in Vorderhagen bei Boizenburg hat, gewählt. Guhl fungierte bis zur Gründung als Leiter einer Initiativgruppe zur Bildung der MEG Nordpool. "Die aktuellen Entwicklungen in der Struktur der Molkereiwirtschaft geben ausreichend Anlass, über alternative Vermarktungsformen unserer Milch nachzudenken. Wir sind der Überzeugung, dass es nur dann zu einer fairen Verteilung innerhalb der Wertschöpfungskette kommen wird, wenn ein Rohmilchmarkt vor der Verarbeitung entsteht, die Milch also vor der Lieferung verkauft wird", sagt Guhl. Der Erfolg stehe dabei in direktem Zusammenhang mit der zu verhandelnden Milchmenge. "Deshalb wollen wir versuchen", so Guhl, "eine größtmögliche Milchmenge mit der MEG zu bündeln."

Die MEG geht dabei davon aus, dass in Deutschland und durch das EU- Milchpaket auch in Europa Erzeugerzusammenschlüsse eine Vielzahl von gesetzlichen Privilegien genießen, die aber bisher nur unzureichend genutzt wurden. Existierende MEG seien aus Sicht der neuen Nordpool-MEG jedoch zu klein, um notwendige Marktmacht ausüben zu können. Guhl: "Meistens bindet man sich über Einzelverträge an nur einen Abnehmer. Unsere Ambitionen sind an dieser Stelle wesentlich umfangreicher. Es muss Milchbauern gelingen, aus eigener Kraft endlich Einfluss auf die Erlöse zu bekommen."

Die Nord MEG soll künftig als Dachorganisation für Milcherzeugerorganisationen in Norddeutschland analog zur Bayern MEG agieren. "Wesentliches Ziel dabei ist, ein funktionierendes Netzwerk aufzubauen, um mit fundierten Informationen in Vertragsverhandlungen zu gehen", sagt Guhl.

Wie es funktionieren kann, erklärte auf der Gründungsversammlung Markus Seemüller, Geschäftsführer der Bayern MEG, die derzeit ca. 1,7 Milliarden Kilogramm Milch erfolgreich vermarktet. Für Peter Guhl nicht nur ein "sehr gutes Beispiel sondern fast ein Vorbild". Das Konzept sei gestern auch bei einer Vorstellung im Fachausschuss Milch beim Bauernverband sehr gut angekommen, so Guhl. Der betont, dass dieser Schritt der Gründung "jenseits von jeglicher Verbandspolitik" gegangen worden sei. Peter Guhl: "Es geht darum, mit den Abnehmern unserer Milch, vor allem den Molkereien, Gespräche zu führen und mehr auf Augenhöhe zu verhandeln. Wir wollen nichts gegen Molkereien unternehmen." Den Mitgliedern der Nord MEG, so Guhl weiter, gehe es um einen gesunden Wettbewerb, in dem der einzelne Bauer nicht so wie jetzt noch stark benachteiligt werde.

Birgit Schmitte von der Schmitte/Mergel GbR Kuhs, die 150 Milchkühe in den Ställen hat, sieht die neue Milcherzeugergemeinschaft auf einem guten Weg, auf dem es um "mehr Marktmacht gegenüber den Molkereien" geht. Sie hat dafür auch ein Bild parat. "Alle Landwirte, das betone ich, alle Landwirte, müssen zusammenhalten wie eine Kugel."


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