zur Navigation springen

Bildungssystem in MV : Mehr Lehrer gegen Schulausfall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bildungsministerium schreibt 115 zusätzliche Stellen aus

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2015 | 20:05 Uhr

Im Kampf gegen Unterrichtsausfall will Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) weitere 60 Vertretungslehrer einstellen. Außerdem stehen landesweit ab sofort 55 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung, darunter 23 für die pädagogische und sonderpädagogische Förderung.

Anders als die 73 bisher bereits ausgewiesenen Vertretungslehrerstellen sollen die neuen direkt an einzelnen Schulen angesiedelt sein, erläuterte der Minister gestern in Schwerin. Es handele sich dabei um je 20 Grundschulen, Gymnasien und Berufsschulen, an denen in absehbarer Zeit Lehrerstellen neu besetzt werden müssen. „Wir haben also unbefristete Stellen ausgeschrieben, die spätestens in anderthalb Jahren aus einer Vertretungs- in eine reguläre Lehrerstelle umgewandelt werden“, so der Minister.

Erstmals ist auch der Berufsschulbereich in das Vertretungslehrer-Programm aufgenommen worden. Dort war der Unterrichtsausfall im vergangenen Schuljahr nicht nur deutlich höher als als an den allgemeinbildenden Schulen. Die Zahlen lagen auch über denen der Vorjahre. 5,8 Prozent des Stundensolls und damit jede zweite zur Vertretung anfallende Unterrichtsstunde fiel 2012/13 an den Berufsschulen im Land tatsächlich aus.

An den allgemein bildenden Schulen konnte dagegen der größte Teil der wegen Krankheit, Elternzeit, Fortbildung oder Exkursionen zu vertretenden Stunden doch durch andere Lehrkräfte gegeben werden. Letztlich fielen in diesem Bereich 171 000 Stunden aus, das waren 2,1 Prozent des zu erteilenden Unterrichts. Seit sieben Jahren schwankt der Unterrichtsausfall im Land um lediglich 0,2 Prozentpunkte. Lediglich im Schuljahr 2012/13 habe es durch Lehrerstreiks einen „Ausreißer“ nach oben gegeben, so Brodkorb.

„Ich glaube nicht, dass sich der Anteil des Unterrichtsausfalls weiter senken lässt“, erklärte der Minister. Denn mit Auslaufen des Lehrerpersonalkonzepts gebe es nun kaum noch Spielräume, teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte zur Übernahme von Vertretungsstunden zu bewegen.

Doch, die gebe es – bei angemessener Vergütung der Vertretungsstunden, hielt die Linken-Bildungsexpertin Simone Oldenburg gestern dagegen. Es müssten „endlich wirksame Maßnahmen gegen den Unterrichtsausfall“ ergriffen werden. Dazu könnten Arbeitszeitkonten gehören, auf den Lehrer Vertretungsstunden ansammeln und beispielsweise früher in Rente gehen.

Die zusätzliche Einstellung von Vertretungslehrkräften sei ein sinnvoller erster Schritt, bewertete die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Berger, Brodkorbs Ankündigung. „Allerdings wären bei der aktuellen Ausfallquote rechnerisch noch mehr als 150 Vertretungslehrkräfte zusätzlich nötig.“ Entscheidender als der Landesdurchschnitt sei die Situation an den einzelnen Schulen – und dort sei zum Teil jede vierte Stunde zur Vertretung angefallen. Der Negativrekord habe bei elf Prozent Ausfallquote gelegen, an dieser Schule habe also rein rechnerisch einen ganzen Monat lang keinen Unterricht gegeben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen